Trojaburg
 
 
12-12-12 09:40 Alter: 8 Jahr/e

Alle Jahre wieder....

Die Unterschlagung der vorchristlichen Symbolik des Weihnachtsfestes


Flügelsonne und Lebensbaum auf irano-arischer Darstellung


Germanisches Julfest zur Bronzezeit

„Was man gegenwärtig die christliche Religion nennt,
bestand schon bei den Alten und fehlte nicht in den Anfängen
des Menschengeschlechtes, bis Christus im Fleische
erschien, von wo an die wahre Religion, die schon vorher
vorhanden war, den Namen der christlichen erhielt.“407

Mit diesem bemerkenswerten Eingeständnis faßt der große Kirchentheoretiker Augustinus die vom heutigen Christentum weitgehend ausgeblendete Tatsache zusammen, die seinerzeit vielen Menschen bekannt war: Nämlich daß das Christentum keineswegs einen revolutionär neuen Glauben verkörperte, sondern seine Religion aus Versatzstücken vorchristlicher Glaubenslehren entlehnte und vor
allem an die alte Religion der Megalithzeit anknüpfte. Dabei steht das Eingeständnis Augustinus keineswegs isoliert, sondern ist Bestandteil einer ganzen Reihe ähnlicher Äußerungen anderer christlicher Protagonisten.
So schrieb auch der Kirchenhistoriker Eusebius (ca. 260 - 340), daß „die durch die Lehre Chrsti uns gegebene richtige Art der Gottesverehrung nicht neu und fremd“ sei. „Doch wenn wir auch sicher Neulinge sind und die wirklich neue Bezeichnung Christen noch nicht lange bei allen Völkern bekannt ist, so ist doch ... unser Leben und die Art unseres Wandels mitsamt der Lehre der Frömmigkeit nicht erst vor kurzem von uns hinzugefügt, sondern gewissermaßen schon von Beginn des Menschengeschlechtes an durch natürliche Erwägungen der alten Gottesfreunde bestimmt worden.“408
Und daß sich dies keineswegs nur auf jüdische Sekten wie die Essener bezog, sondern auf den alteuropäischen Glauben schlechthin, bestätigte im 2. Jahrhundert der Theologe Justinus: „Indem wir erklären, daß der Logos, der erste gezeugte Herr, unser Herr Jesus Christus, von einer jungfräulichen Mutter geboren wurde, ohne menschliches Zutun, gekreuzigt wurde, tot war und wieder auferstand und zum Himmel auffuhr, sagen wir nicht mehr als ihr von denen sagt, die ihr als die Söhne Jupiters bezeichnet.“
Dies unterstrich auch der heidnische Philosoph Kelsos mit dem Satz:
„Die christliche Religion enthält nichts anderes als das, was die Christen mit
den Heiden gemeinsam haben; nichts Neues.“409
In Palästina, wo der alte Megalithglaube seit dem 4. Jahrtausend ansässig war, erlebte der Lichtbringer-Kult durch einwandernde Seevölker, u.a. Philister, um 1200 v.Zw. eine Renaissance. Zuvor hatten die israelischen Stämme viel von dem ursprünglichen megalithischen Gott El für ihren Stammesgott Jahweh entlehnt, der zur Abgrenzung ihres Volkes von den umliegenden diente. Dennoch blieb auch innerhalb des Stammes der Israeliten der alte Kult lange Zeit virulent; die Bibel berichtet von manchen Anlässen zum Zorn Jahwehs, etwa wenn sein Volk ein ums andere Mal wieder Stierbilder aufstellte. Mit der Zeit aber setzte sich Jahweh als alleiniger Gott durch und wurde zum Archetypus auch des christlichen Gottes. Unübersehbar jedoch ist die ältere Symbolik, derer sich das Christentum vielfach bediente.

Die Übernahme vorchristlicher Symbolik
„Vielerorts paßte sich die neue Lehre geschickt an die alten Glaubensvorstellungen
an, so daß diese nicht ausgerottet, sondern nur beiseite gedrängt wurden und in anderer Form weiterlebten“, lautet das Resümee des Symbolforschers Werner Stief, der auch den alten Mythologie-Forscher Jakob Grimm zitiert: „Bald erscheinen christlicher Stoff in heidnischer Form, bald in christliche Form heidnischer Stoff verkleidet.“410
Insbesondere die Geburt Jesu im Stall erinnert nach Herman Wirth an die Geburt der Sonne in der „Mutterhöhle“, im Abaton, hebr. Abbadon, der sakralen Grube, die in jedem heidnischen Tempel zu finden war.411 Ein direktes Vorbild der Geburt in der Bethlehemer Höhle fand Jesus dabei, wie bereits angesprochen, in der Adonis-Überlieferung.
Jesu Geburtstag selbst wurde sogar erst im 4. Jahrhundert per Konzilsbeschluß vom Frühling auf den 25. Dezember gelegt, dem Geburtstag des Sol Invictus. Dieser Tag entsprach dem Tag, an dem innerhalb des germanischen Sonnenwendfestes die Sonne erstmals wieder sichtbar aufsteigt. Das Weihnachtsfest, das bereits im Namen seinen germanischen Einfluß der Wihen Nahten - der geweihten Nächte
- trägt, enthält darüber hinaus noch weitere germanische Symbolik:
Den Weihnachtsbaum, das Abbild des Lebensbaumes, „Yggdrasil“, der mit der alten heiligen Frucht, dem Apfel als Symbol des ewigen Lebens geschmückt wurde.412
Bemerkenswert ist auch die Übernahme der Irminsul in christliche Motive, die fortan als Sinnbild für „Christus, der das Weltall trägt“ firmierte.413
Der bis heute beliebte Nikolaus, der im angloamerikanischen auch als Weihnachts- mann auftritt, ist niemand anderes als Wotan, der von der Christenkirche durch den heiligen Nikolaus mitsamt seinem Knecht Ruprecht als „Bestrafer“ ersetzt wurde. Sein Werkzeug ist die Rute, mit der ursprünglich die Fruchtbarkeit angeregt wurde.
Auch das Osterfest, die Zeit des Todes und der Wiederauferstehung Christi, richtet sich namentlich nach dem vorchristlichen Ostarafest und nicht dem jüdischen Pessach-Fest wie immer wieder fälschlich behauptet.
Wie beim Weihnachtsbaum vermochte auch hier die Kirche nicht die früheren Fruchtbarkeitssymbole wie den Hasen und das Ei aus dem Bewußtsein der Gläubigen zu tilgen.414
Das im August begangene Maria Himmelfahrt ersetzte den älteren heidnischen Erntedank, der eng verbunden mit der Mutter Erde, als Symbol des fruchtbaren Bodens, der Fruchtgebärerin war, worauf die Stammform „Ma“ im Namen „Maria“ übrigens selbst noch zurück zu führen ist. Als Gemahlin der Himmelsgottheit ist für sie sogar die Vorstellung der Himmelfahrt vorchristlich belegt.
Der christliche heilige „Buß- und Bettag“ im November sollte dagegen die traditionelle Ahnenverehrung und die Vorstellung des Besuchs der toten Verwandten auf Erden („Trollnächte“) verdrängen, denen Speis und Trank geboten wurde, bis laut lärmend die Gefahr des Zurückbleibens einer Totenseele gebannt war - eine Tradition die noch gut im keltischen Samhain, dem Vorbild des amerikanischen Halloween, erhalten blieb. Statt einer lärmenden Feier sollte nach christlicher Auffassung dagegen Buße für die eigenen und der toten Verwandten Sünden getan werden.
Ein ähnliches Festhalten der Bevölkerung wird in Bezug auf den Frühjahrsbrauch
berichtet, der sich bis heute als Karneval erhalten konnte.
In der Chronik des Abtes Rudolf von S. Trond etwa heißt es, im Jahre 1133 habe ein Bauer aus Cornelismünster mit anderen „leichtfertigen“ Leuten in einem nahegelegenen Walde ein Schiff gezimmert und diese „terrea navis“, um sie zu Lande fortbewegen zu können, mit Rädern versehen. Dieses Teufelswerk (diabolicam technam), wie Rudolf den Schiffwagen bezeichnet, zogen Weber mit Stricken von Ort zu Ort. Die Fahrt ging zunächst nach Aachen, wo Männer und Frauen in großer Prozession den Schiffswagen einholten. Wo das Schiff auch hinkam, überall wurde es mit Jubel und Festlichkeiten empfangen. Die Anteilnahme
des Volkes an diesem Umzuge war so groß, daß sich die Geistlichkeit, voran Abt Rudolf, in das Mittel legte und in schärfster Weise für die Abstellung der heidnischen Brauches predigte. Man solle dieses Blendwerk des Teufels (diaboli ludibrium) und Bildnis böser Geister (alignorum spirituum simulacrum) verbrennen oder sonst beseitigen, denn in ihm zögen die bösen Geister herum, so daß man es ein Schiff des Neptun oder Mars, des Bacchus oder der Venus nennen könne. Die Geistlichkeit erreichte ihr Ziel bei den weltlichen Gewalten, so daß Leuwen sich weigerte, den Schiffswagen in die Stadt einzulassen.415
Auch wenn hier die Kirche einen Sieg errang, vermochte sie die Beibehaltung der Bräuche nicht dauerhaft zu unterdrücken. Kontinuitätslinien im Symbolbrauch lassen sich auch hinsichtlich des alten Sonnenhirsches finden. Wie das Christentum dessen Bedeutung im Glauben des Volkes erkannt hat, geht aus den vielfachen Verwendungen des Hirsches in der kirchlichen Legende und als Attribut der Heiligen hervor.416
Auch der Delphin wurde von den Christen übernommen und zum „Fisch des Lebens“ stilisiert, der als Zeichen der Auferstehung zahlreiche frühchristliche Grabmäler schmückte. Wie bei den Griechen Apollon erscheint auch Christus als Erlöser und als Retter der Seelen unter dem Zeichen des Delphins.417

407 Augustinus, Retractationes, I,3
408 Zit. nach Harpur (2005), S. 44
409 Vgl. Harpur (2005), S. 44 f.
410 Stief (1938), S. 13
411 Vgl. Wirth (1928), S. 368; zu „Abaton“ siehe Walker (1997), S. 2
152
412 Siehe u.a. Wieland (1925), S. 43; Walker (1997), S. 46 f., die den Apfel auch als „Erz der Unsterblichkeit der Göttin innerhalb aller indoeuropäischen Kulturen“ bezeichnet.
413 Verhagen (1986), S. 33; bildich verdeutlicht in „Restauration“, Nr. 163
414 Siehe zum Osterbrauch Braem (1999), S. 72.
415 Ruppel, in: Krüger (2012), S. 105
416 Weigel, in Krüger (2012), S. 96
417 Vgl. www.dolphinmedia.at/delphine/mythos/mythos.html

Aus: Der unbesiegte Sonnengott


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