Trojaburg
 
 
06-04-12 17:07 Alter: 8 Jahr/e

Ostara - germanische Gottheit oder Erfindung?

Wieso waren Jakob Grimm und andere Autoren von der Existenz dieser Göttin überzeugt und warum widerspricht die heutige Lehre?

„Ostara ist ein von Jacob Grimm durch philologische Vergleiche als Name hergeleiteter Begriff für eine vermeintliche germanische Frühlingsgöttin. Als Quelle bezog sich Grimm dabei auf den angelsächsischen Mönch und Kirchenhistoriker Beda, der die Herkunft des Wortes „Easter“ (Ostern) mit einer früheren germanischen Göttin namens „Eostrae“ erklärte. In der Romantik fand Grimms Annahme einer Ostara starken Anklang, wurde seither oft für die Erklärung von Osterbräuchen herangezogen und fand so bis in die jüngste Vergangenheit Eingang in Lexika und Schulbücher. In der Fachwissenschaft ist die Annahme einer germanischen Ostara schon länger umstritten und wird in der Regel abgelehnt.“ (Wikipedia: Ostara)

So der Stand der herrschenden Lehrmeinung. Doch wieso waren Grimm und andere Autoren von der Existenz dieser Göttin überzeugt und warum widerspricht die heutige Lehre?

In seiner „Deutschen Mythologie“ schrieb Jakob Grimm:

„Die beiden göttinnen, welche Beda (de temporum ratione cap. 13) ganz kurz, ohne nähere schilderung, bloß zur erklärung der nach ihnen benannten monate anführt, sind Eástre und Hrede; von dieser hat merz, von jener april seinen sächsi[s]chen namen.“ (Jakob Grimm: Deutsche Mythologie).

Die Überlieferung von Beda lautete:

„Der Eosturmonath, heute Passahmonat bezeichnet, war früher benannt nach einer ihrer Göttinnen, welche Eostre genannt wurde, zu deren Ehren Feste in diesem Monat gefeiert wurden. Jetzt benennen sie die Passahzeit mit ihrem Namen, womit die Freuden der neuen Feierlichkeit unter dem Namen der altehrwürdigen Göttinnenverehrung angerufen werden.“ (De temporum Ratione Kap. 15)

Schon Grimm hielt die Erfindung der Göttin durch den frommen Beda als „unwahrscheinlich“ und zog weitere etymologische Indizien zur Unterstützung der These heran; unter anderem den bei Eginhard erwähnten „ôstârmanoth“ (Ostermonat, althochdeutsch für April; bei Einhard: „Vita Karoli Magni“ – Leben Karls des Großen), und kam zu dem Schluss: „Ostara, Eástre mag also Gottheit des strahlenden Morgens, des aufsteigenden Lichts gewesen sein, eine freudige, heilbringende Erscheinung, deren Begriff für das Auferstehungsfest des christlichen Gottes verwandt werden konnte.“

Zudem weisen auch verschiedene Flur- und Ortsnamen wie Osterode, Osterholz oder Oesch (auch Austerthal) sowie der aus Westfalen stammende „Osta-Stein“ – eine im 16. Jh. gefundene Votivtafel – auf die einstige Existenz einer Ostara. Die Tafel ist nur noch in Nachzeichnungen erhalten und zeigt eine männliche oder weibliche Figur mit Hörnerhelm, die ein überquellendes Füllhorn trägt, und daneben einen Kreis (als Sonne oder Vollmond gedeutet) und einen Halbmond. Zudem zeigt die Zeichnung einen Runenspruch: »dhu gautar osta, ous il sin grosta –« (in etwa: »Du guter Osta, aus deinem Antlitz leuchtet –«).

Doch alle Quellenüberlieferung, etymologischen und archäologischen Hinweise wurden von der Forschung kurzerhand als nicht beweiskräftig bewertet. Ortsbezeichnungen waren demnach allein von der östlichen Himmelsrichtung abgeleitet und Quellenüberlieferungen wie die Bedas oder Einhards lediglich frommer Irrglaube – der Osta-Stein schließlich eine plumpe Fälschung. Hauptargument für die Ablehnung einer germanischen Ostara schließlich wurde ihre mangelnde Erwähnung in den germanischen Edda- und Skaldendichtungen. So hätte das Thema Ostara ein schnelles Ende finden können, wenn es nach dem Willen der Mehrheit der Forscher gegangen wäre. [mehr]


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