Trojaburg
 
 
03-12-11 13:59 Alter: 8 Jahr/e

Mysteria 3000 „widerlegt“ Existenz der Wikingerburg Eskeholm …… und einer Weltverschwörung

Faschismuskeule und kindliche Naivität als Rüstzeug einer pseudokritischen Weltbetrachtung


Die Telleborgen-Verbindungslinien

Vor einigen Monaten berichtete der Trojaburg e.V. über eine Ringwallstruktur bei Eskeholm, die ein Blick auf die Satellitenkarte bei Google Earth nahe legte. Der dänische Hobbypilot Preben Hansson hatte diese als eine von vier auf einer Linie liegenden „Trelleborgen“ bezeichnet. Die Identifizierung dieser Struktur als Ringwall kann natürlich nicht über ein Satellitenfoto allein erfolgen und war deshalb im Artikel der Printausgabe Trojaburg 1/2011 mit einem Fragezeichen versehen. Nun reagierte die Zeitschrift Mysteria 3000 mit einer offiziellen „Widerlegung“. Was Autor André Kramer großspurig ankündigt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen jedoch lediglich als heiße Luft. So schreibt Kramer:

„Die gezeigte Schäre liegt tatsächlich in einem Wattengebiet, dem Stavns-Fjord der Insel Samsö in Dänemark. Auch stimmt es, dass es hier Wikingeraktivität gab, vom Stavns-Fjord aus konnten sie über den künstlich errichteten Kanhave-Kanal die Schifffahrtswege der Ostsee kontrollieren.
Der scheinbare Wall auf der unter Naturschutz stehenden Schäre Eskeholm (betreten verboten) ist aber kein Wall einer Wikingerburg, sondern ein Plateau und noch nicht einmal das, was Hansson als Wikingerburg interpretierte! Auf der Abbildung 16 gibt er nämlich eine kaum erkennbare Struktur am unteren Rand von Eskeholm als den Ringwall an.
Bei der angeblichen Neuigkeit einer Ringstruktur auf Esekeholm handelt es sich also nur um eine auf schlechter Recherche beruhende Finte.“

Mit anderen Worten: Kramer war zwar vor Ort anwesend, unterließ aber weitere Untersuchungen, da das „Betreten der Schäre verboten war“. Bei soviel archäologischem Spürsinn muß man sich dann natürlich auf offizielle Aussagen verlassen, die nichts von einer Wikingerburg Eskeholm wissen. Heilige Einfalt. Natürlich wäre es schön, wenn das Budget unseres Vereines es zuließe, jeder Geschichte vor Ort auf den Grund zu gehen. Wo dies nicht möglich ist, muß man sich bis auf weiteres auf Indizien und einen gesunden Menschenverstand stützen: Kramer selbst fasst diese zusammen, wenn er von einer überlieferten Aktivität der Wikinger an diesem Ort und dem Hinweis eines anderen Forschers auf die Existenz einer Ringwallstruktur schreibt. Wenn dazu „Google Earth“ ein auffälliges Bild liefert, das genau wie die übrigen Wikingerburgen aussieht, dann ist ein möglicher Zusammenhang alles andere als schlechte Recherche, sondern eher ein Hinweis, dem tatsächliche Forscher nachgehen  sollten. So ist die Errichtung von Wikingerburgen auf „Plateaus“ wie hier eines vorliegt, üblich. Es wäre also angebracht, direkt auf dem Plateau Forschungen anzustellen. Wenn man sich aber mit einer Fernaufnahme begnügt, von der nicht einmal deutlich wird, was genau sie überhaupt zeigt, und sich auf ein verbotenes Betreten („Betreten verboten“ – gez. Der Verband zur Unterdrückung nordischer Altertümer“?) beruft, um weitere Forschungen zu unterlassen, dann ist dies nicht nur wenig nachvollziehbar sondern als angebliche Entlarvung hochgradig peinlich.

Bild:
A) Slagelse 
B) Eskeholm 
C) Fyrkat 
D) Aggersborg 
E) Nonnenbakken / Odense 
F) Trelleborg / Schweden

Daß Kramer aber eher Enthüllungen und Widerlegungen als tatsächliche Forscherarbeit im Blut liegen, beweist der Autor in seinem Artikel zu Jan van Helsing. Hier widerlegt er in ebenso „brillianter“ Weise nicht nur van Helsing - was relativ problemlos ist – sondern zugleich noch Jürgen Spanuth, Adolf Hitler und obendrein noch die gesamte weltweite Verschwörungsszene – ein wahrlicher Geniestreich. Zumindest was die Selbstüberschätzung anbelangt. Im wesentlichen erschöpft sich seine Widerlegung in der Zitierung altbekannter Lehrmeinungen, etwa der nach wie vor beliebigen Spätdatierung der nordischen Megalithkultur auf nach 3500 v.Zw. Eine weitere Kostprobe seines detektivischen Spürsinns liefert er mit der Kritik an Spanuth, der ein Bild Sprockhoffs, einer Koriphäe der Frühgeschichtsforschung, mit dem Untertitel „das germanische Griffzungenschwert“ widergab, welches im Original mit „das gemeine Griffzungenschwert“ unterschrieben war. Dumm nur, dass Kramer dann dem Leser im nächsten Satz selbst die Erklärung für diesen angeblichen Missbrauch liefert. Das Buch selbst, in dem das Bild enthalten war, trug nämlich den Titel „Das gemeingermanische Griffzungenschwert“. Wo Kramer aber mit Logik nicht weiterkommt – wie so oft – greift er kurzerhand ins moderne Trickkästchen wissenschaftlicher Auseinandersetzung: Sprockhoff war sowieso Nazi und ist deshalb ohnehin nicht glaubwürdig…

Aber sehen wir weiter: Die von Spanuth postulierte Verwechslung der Zeitangabe Platos aufgrund der ägyptischen Zeitrechnung nach Monden hält er für ausgeschlossen. Beweis:

„Es gab bei den Ägyptern tatsächlichen (wen wundert es) einen Sonnenkalender, ein so genanntes bürgerliches Jahr oder auch Wandeljahr, nach dem alle zeitlichen Angaben der Ägypter zu Regierungsjahren etc. ausgerichtet waren.
Dieser Kalender errechnete sich aus 12 Monaten a 30 Tagen. Die Einteilung der Monate begann als erster bis vierter Monat der Überschwemmung, erster bis vierter Monat des Sprießens und erster bis vierter Monat der Hitze. Dazwischen wurden, außerhalb der Monate, dann noch 5 Tage eingeschoben, um auf 365 Tage zu kommen.
Schon allein dies widerspricht also der These, Solon hätte die Jahresangaben für Atlantis in Mondjahren erzählt bekommen, da dies gar nicht der ägyptischen Vorgehensweise entspricht. Chronologische Angaben finden wir immer im Zusammenhang mit dem bürgerlichen Kalender.
Doch tatsächlich gab es auch einen Mondkalender bei den Ägyptern, der hauptsächlich rituellen Charakter hatte, da viele religiöse Feierlichkeiten sich an den Mondphasen orientierten, ohne aber, dass er weitere Verwendung fand.
Lediglich aufgrund dieser Missverständnisse und Falschdarstellungen (bei Diodor) konnte Spanuth seine These aufrechterhalten.“

So einfach ist das – wir haben zwar verschiedene Überlieferungen antiker Autoren, die auf eine Überlieferung von Geschehnissen nach ägyptischen Mondjahren verweisen, aber alles das sind nur Mißverständndisse, die ein Herr Kramer natürlich problemlos aufdeckt – zumindest laut Selbsteinschätzung.

Noch verwegener wird es, wenn Kramer erklärt, warum Weltverschwörungen nicht funktionieren (Anmerkungen Trojaburg in Klammern):

„Weltverschwörungen wie sie Holey und andere postulieren aber, können schon in diesen beiden Punkten nicht funktionieren. Es ist völlig unsinnig und widerspricht jedem rationalen Handeln, einen auf Jahrtausende (!) angelegten Plan dieser Art zu verfolgen, wie er von den Weltverschwörungsanhängern postuliert wird, schon allein deshalb, weil dies von vielen Generationen ein ziemlich altruistisches (uneigennütziges) Handeln verlangt. Denn die Vollendung des Plans der Ein-Weltregierung werden Generationen über Generationen von Verschwörern wissentlich nicht erleben. Wie kann man also von Menschen mit derart egoistischen Zielen eine solche Uneigennützigkeit erwarten? Schließlich schaffen wir als Menschheit nicht einmal unserem bequemen Standard für die Allgemeinheit und für zukünftige Generationen etwas zurückzunehmen, um zum Beispiel die Umwelt zu entlasten (im Gegenteil, Forderungen danach werden gleich wieder in neue Verschwörungstheorien verpackt, man denke an die angebliche Klimalüge). Und das, obwohl hier um einiges mehr auf dem Spiel steht.
Die Menschen stellen natürlich fest, dass nicht alles um sie herum so ist, wie es im Idealfall sein sollte. Anstatt aber konstruktive Mittel und Wege zu suchen (so wie Herr Kramer?), das zu ändern, werden künstliche, stereotype Bösewichte gesucht. Menschen mit Migrationshintergrund, die aus anderen Kulturkreisen stammen, werden plötzlich zu solchen Bösewichten stilisiert (die gute alte Sündenbockthese). Reale soziale Probleme werden dann auf die schon bestehenden Vorurteile umgemünzt und verfestigen das stereotype Bild der Unholde. Thilo Sarrazin schaffte es auf diese Weise zu ungeahnten Buchverkäufen, indem er diese Vorurteile in Zahlen verpackte und ihnen einen seriösen Anstrich verlieh. Bedient wurden die Massen, die sich bestätigt fühlten, die wahren Ursachen von verfehlter Bildungs-, Sozial- und Integrationspolitik wurden aber nicht erwähnt, stattdessen naturwissenschaftlich unhaltbare Thesen zu Vererbung und den Genen aufgestellt (??). Konstruktive, soziale Lösungen nicht vorgeschlagen. Der Leser bleibt allein mit Wut und Machtlosigkeit gegenüber dieser angeblichen Bedrohung. Ebenso wie es die Leser von Holey und Co. bleiben.“

Bei diesen Zitaten wird deutlich, wes Geistes Kind Kramer tatsächlich ist. Faschismuskeule, Gutmenschenkritik und kindliche Naivität (oder doch planmäßige Täuschung?) als Rüstzeug, für eine pseudokritische Betrachtung der Welt, wie sie uns auch in den Allerweltsgazetten begegnet. Daß Weltverschwörungen natürlich nicht immer planmäßig ablaufen und vielfach nicht vorhersehbar sind, ist klar. Ebenso klar ist aber auch, daß nicht von ungefähr verschiedene Persönlichkeiten von einem „Weltenplan“ , von etwas „was hinter dem Thron steht , und größer als der König ist“ von „300 Männern, die die Geschicke der Welt leiten“ und ähnlichem sprechen. Und seltsamerweise sind alle diese Herren in irgendeiner Form mit Geheimgesellschaften verbunden gewesen, zumeist Freimaurerlogen. Natürlich alles Zufall, Mißverständnisse und böswillige Verleumdung. Daß es auch Menschen gibt, die über ihr eigenes Dasein hinaus denken mag Kramer verwundern, lässt sich dadurch aber nicht in Abrede stellen. Wer sich mit Mystik, ja selbst mit profaner Religion befasst, kann diesen Gedanken dagegen um so leichter  nachvollziehen. Ein Gedanke allerdings, der mit dem Verstand eines dem Zeitgeist verhafteten Nihilisten nicht zu erfassen ist.   

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Kommentare:

Ich möchte nicht auf all ihre unpassenden Ausführungen eingehen, sondern mich auf das Kernthema Eskeholm beziehen - was Hansson als Ringwallstruktur auf der Insel Eskeholm bezeichnete, ist NICHT das Plateau! Schauen sie dazu mal in sein Buch (sollten "echte" Forscher für die sie sich ja halten, mal tun, nämlich Primärquellen lesen). Hannson meinte (auf seinen Bildern kaum erkennbare) Spuren innerhalb der Schäre!
Als zweite kleine Anmerkung: Spanuth hat Sprockhoffs Abbildung, bzw. dessen Bildunterschrift gefälscht und falsch widergegeben, das ist der springende Punkt!
André Kramer

Anmerkung Parzifal:
Eine Beantwortung der Frage, ob es in Eskeholm eine wikingerzeitliche Anlage gibt, kann nur dadurch erfolgen, daß vor Ort Untersuchungen angestellt werden. Daß haben Sie ja trotz Ihrer Anwesenheit vor Ort offensichtlich versäumt.
Zur Bildunterschrift nochmals: Das Buch Sprockhoffs hieß "Die germanischen Griffzungenschwerter". Daher ist es absurd, die Widergabe eines Bildes dieser Schwerter aus Sprockhoffs Buch als "(gemein-)germanische Griffzungenschwerter" als "Fälschung" zu bezeichnen und zeugt lediglich von der Böswilligkeit gegenüber dem Autoren Spanuth.

Das Zeigen des Bildes diente übrigens lediglich der Verdeutlichung der Irrelevanz Ihrer Argumentation und ist als eine Form des Zitates zu bewerten.  


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