Trojaburg
 
 
24-07-11 11:32 Alter: 9 Jahr/e

Der Heidenring von Paußnitz

VON: GH

"Ich entsage mich dem Christos"

Vor über hundert Jahren wurde ein zwölfeckiger Silberring, zusammen mit einem Münzschatz, aus dem 12. Jahrhundert gefunden, mit sehr seltsamen unverständlichen Schriftzeichen versehen. Es handelt sich um den Fingerreif von Paußnitz, den das mitteldeutsche Museum von Halle aufbewahrt.

Vor einigen Tagen ging nun die Meldung durch die Presse, die Inschrift sei endlich entziffert. Der Text sei in mittelhochdeutscher Sprache gehalten, in frühgotischen Majuskeln und Buchstaben der damals schon nicht mehr gebräuchlichen irisch-angelsächsischen Zierkapitalis abgefasst und beinhalte mariologische und christologische Bezüge.

Die Inschrift heißt: NAINE MI XPS. Die nun vorgestellte wörtliche Übersetzung: „Verneine mich Christus“. Auf den Seiten des Museums Halle gibt es dazu etliche Informationen:

http://www.archlsa.de/funde-der-monate/02.02/fumo0202.htm

http://www.archlsa.de/funde-der-monate/02.02/entschluesselung.htm

Der Ring bzw. seine Inschrift wird – wie könnte es anders sein – christlich gedeutet. Man kann diesen Text aber auch heidnisch begreifen und zwar bedeutend verständlicher und nachvollziehbarer. Die angelsächsischen Zierkapitalis lassen uns in den nordwestdeutschen Sprachraum der Angelsachsen schauen: dort bedeuteten die Begriffe „naes“ und „naenig“ „durchaus nicht“ bzw. „kein“. Die indogermanischen Worte „na“, „no“, ahd.
„neo“, „nio“, nhd. „nie”, stehen für „nie, nicht, nein”. Der mittelhochdeutsche Ringtext „naine mi“ ist konkret nicht anders zu übersetzen als: „nicht für mich“, „nichts für mich“, „nicht meine Sache“, - oder auch „verneine mich“, „verschone mich“, „lasse mich in Ruhe“, „bleibe mir fern“. Diese Aussage bezieht sich auf den folgenden Begriff, der nachvollziehbar mit „Christus“ erklärt werden kann.

Noch plausibler ist es, den Text als Appellation - bei hinzugedachtem Personalpromomen „ich“ - zu deuten. Ein „ich“ muss in solch einem Falle nicht extra textlich hervorgehoben bzw. aufgeführt zu werden, denn der Ringträger ist ja selbst das lebendige aussagemachende „Ich“. Der Test würde dann lauten: „[Ich] verneine mich Christus!“ oder „... versage mich“, „...verwehre mich“, „...versperre mich [dem] Christos“ o.ä.. Der naheliegende Sinn dieses Ringtextes wäre also: „Ich entsage mich dem Christos!“ bzw. „versage mich Christos“ oder „verneine mich Christos“.

Es handelt sich hier allzu deutlich um eine Ablehnung der judäochristlichen – vom Juden Saul-Paulus erfundenen - „Heilsgestalt“, des Jehoschua-Christus, also der Christusbotschaft, mithin des Christianismus. Aus dieser sehr klaren Sprache des Ringes nun einen prochristlichen Text zu fabrizieren, ist wieder einmal typisch für die christlich-abendländische Verdrehungs- bzw. Lügenkunst einer verblendeten Gefälligkeits-Wissenschaft.

Wäre der Ring christlich in seiner Aussage, wäre es unverständlich, warum sein Text dann für Uneingeweihte absolut unleserlich also verborgen bleiben sollte, denn man konnte sich in seiner Entstehungszeit sehr wohl frei zur Christenkirche bekennen, nicht aber zum Altheidentum und zu einer Ablehnung der übermächtigen Christenheit.

Ich würde spontan allen Freunden empfehlen sich diesen schönen bisher einzigen deutsch-heidnischen Traditionsring in Gestalt einer guten Nachbildung zu kaufen und als antichristlichen Gelöbnisring zu tragen.

G.H.


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