{"id":132,"date":"2024-09-07T13:26:59","date_gmt":"2024-09-07T13:26:59","guid":{"rendered":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=132"},"modified":"2024-09-07T13:26:59","modified_gmt":"2024-09-07T13:26:59","slug":"die-chimaeren-des-lanz-von-liebenfels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=132","title":{"rendered":"Die Chim\u00e4ren des Lanz von Liebenfels"},"content":{"rendered":"<p>Die Erschaffung von Chim\u00e4ren, Wesen, die halb Mensch, halb Tier sind, bewegt die Gem\u00fcter der Menschheit seit Jahrhunderten. Schon die alten Griechen waren fasziniert von der Vorstellung zumeist furchteinfl\u00f6\u00dfender tierischer Mischwesen. In seiner \u201eIllias\u201c beschreibt der bekannte Dichter Homer eine Chim\u00e4re \u2013 hierher stammt auch der heutige Name \u2013 als feuerspeiendes Mischwesen aus L\u00f6we, Ziege und Drache. Auch das ber\u00fchmteste Mischwesen aus Mensch und Tier entstammt der griechischen Mythologie: der auf Kreta hausende Minotaurus, halb Mensch, halb Stier, dessen Leibspeise der Sage zufolge Kinder griechischer Adliger waren. Der Stiermensch galt als Kind der Pasiphae, der Frau des kretischen K\u00f6nigs Minos, und einem dem K\u00f6nig von Poseidon geschickten Stier. Nachdem Minos nicht wie abgesprochen den Stier dem Poseidon opferte, r\u00e4chte sich der Gott: Er brachte die Frau des K\u00f6nigs dazu, den Taurus zu begehren.  <\/p>\n<p>Der erste bekannte Versuch in der Praxis ereignete sich dagegen vor rund 100 Jahren. 1928 versuchte der russische Biologe Ilya Iwanow in Afrika, Schimpansenweibchen mit menschlichem Sperma zu befruchten. Der Versuch schlug fehl, doch dann versuchte es der Wissenschaftler mit menschlichen Frauen und Spermien von Orang Utans. Unterst\u00fctzung fand Iwanow bei der bolschewistischen Regierung, die in den Versuchen nicht nur  ein wissenschaftliches Prestigeprojekt erblickte, das einmalig in der Welt gewesen w\u00e4re, sondern zugleich auch die M\u00f6glichkeit, die eigene atheistische Staatslinie zu st\u00fctzen, derzufolge die Sch\u00f6pfung, selbst die neuer Arten, ohne g\u00f6ttlichen Eingriff m\u00f6glich war. Da\u00df Stalin in den neuen Mensch-Affen-Mischwesen auch den idealen Arbeiter f\u00fcr das Sowjetreich sah, ist indes nicht erwiesen, wenn auch nicht auszuschlie\u00dfen angesichts der v\u00f6lligen Aufl\u00f6sung humaner und ethischer Standards im Ru\u00dfland dieser Epoche. Nicht nur in Ru\u00dfland, sondern auch in Frankreich bestand Interesse an derlei Forschungen. Hier war es der bekannte Biologe Louis Pasteur, ein Anh\u00e4nger des Sozialismus, der nicht nur f\u00fcr seine Methode der Haltbarmachung von Lebensmitteln, sondern auch f\u00fcr seinen gl\u00fchenden Deutschenha\u00df bekannt ist, der die Exprerimente ausdr\u00fccklich begr\u00fc\u00dfte. Das Ergebnis der letzten Experimente Iwanows blieb jedoch geheim \u2013 bis heute. <\/p>\n<p>In Zeiten der rasant fortschreitenden Gentechnik ist die Erschaffung von Chim\u00e4ren seit einigen Jahren wieder in das Blickfeld der Forschung gelangt. 2021 berichtete  ein internationales Forscherteam in einer Ausgabe des Fachmagazins \u201eCell\u201c davon, Embryonen gez\u00fcchtet zu haben, die aus menschlichen Zellen und jenen von Affen bestehen. Die Gruppe um Juan Carlos Izpisua Belmonte vom Salk Institute for Biological Studies in La Jolla (US-Bundesstaat Kalifornien) injizierte dazu jeweils 25 menschliche Stammzellen in sechs Tage alte Makakenembryonen im Fr\u00fchstadium, sogenannten Blastozysten. Anschlie\u00dfend wurde die Entwicklung der Embryonen f\u00fcr rund 20 Tage im Labor untersucht. Tats\u00e4chlich entwickelten sich die Makakenblastozysten anfangs nur wenig langsamer als Makakenembryonen ohne menschlichen Zellen, nach zehn Tagen waren 29 von 132 Embryonen abgestorben. Danach sank die Zahl der lebensf\u00e4higen Embryonen schneller. Am Ende der Studie \u2013 am Tag 19 nach der Befruchtung \u2013 lebten noch drei. Viel wichtiger aber: In vielen der Embryonen hatten sich die menschlichen Zellen erfolgreich vermehrt. Die N\u00e4he der Arten k\u00f6nnte also tats\u00e4chlich zu besseren Ergebnissen gef\u00fchrt haben. Zudem wiesen die Experimente darauf hin, dass auch weitergehende Versuche bis hin zur Geburt von Mischwesen wenigstens m\u00f6glich erscheinen. \u201eWir m\u00fcssen beginnen, \u00fcber diese M\u00f6glichkeit nachzudenken\u201c, lautete das Fazit der Forscher. <\/p>\n<p>Anderen Forschern zufolge, wurde schon vor langer Zeit die Zeugung von Chim\u00e4ren nicht nur als Gedankenspiel betrachtet, sondern auch in die Tat umgesetzt. Das zumindest behauptet eine Reihe von Forschern, die innerhalb der Paleo-Seti-Bewegung aktiv sind. Aber nicht nur diese glauben an vorzeitliche Mensch-Mischwesen, sondern auch ein Autor, der f\u00fcr gew\u00f6hnlich in anderen Themenbereichen verortet wird: J\u00f6rg Lanz von Liebenfels. Der ehemalige Zisterzienser-M\u00f6nch hatte sein diesbez\u00fcgliches Erweckungserlebnis in der Zisterzienser-Abtei Heiligkreuz. Auf einer Grabplatte eines Ritters Bertold von Treun erkannte er, da\u00df der ebenfalls dargestellte verstorbene Ritter auf ein Gesch\u00f6pf zu seinen F\u00fc\u00dfen deutete: ein affen\u00e4hnliches Wesen, das f\u00fcr Lanz nicht ein normales Tier darstellte, sondern ein Mischwesen \u2013 eine Chim\u00e4re. Laut Lanz, mahnte der Ritter als Vertreter der blonden Menschen das \u201eMinderrassige\u201c und B\u00f6se niederzuringen. Aus dem Orden ausgetreten, entwickelte Lanz seine Theozoologie-Theorie, derzufolge der \u2013 hellh\u00e4utige &#8211; Gottmensch durch Vermischung mit Affenwesen seine Reinheit verlor. Lanz zufolge entstanden durch diese Mischungen die dunkelh\u00e4utigen Menschenrassen, die von ihm sogenannten \u201eTschandalen\u201c. Diese unzweifelhaft rassistische Theorie w\u00e4re wohl keiner weiteren Befassung wert, wenn ihr Verfasser nicht zeitlebens auf der Suche nach Beweisen gewesen w\u00e4re, die seine These st\u00fctzten: Mischwesen, nicht nur aus Mensch und Affe, sondern auch aus anderen Arten des Tierreiches. So war Lanz davon \u00fcberzeugt, da\u00df einst Walk\u00fcren, Greifen und gefl\u00fcgelte Issuri-Vormenschen gelebt haben, die Eier legten. In seinem dritten Ariomantischen Brief von 1933 behauptet Lanz, da\u00df Spuren dieser zweibeinigen Ungeheuer von einer \u201eamerikanischen Expedition in der W\u00fcste Gobi entdeckt worden\u201c seien.  \u201eMeine These von den eierlegenden Vormenschen\u201c, so Lanz in seinem Brief, \u201edie mir vor 30 Jahren soviel Hohn einbrachte, ist also eine Tatsache, und nicht ich son\u00addern die Schulwissenschaftler, die mich verspottet oder totge\u00adschwiegen haben, sind jetzt die Blamierten und wissenschaftlich Erledigten und haben als Nichtswisser aus ihren reichdotierten und monopolisierten Staatsstellungen zu verschwinden.\u201c<\/p>\n<p>Die\u00adse gefl\u00fcgelten \u201eHominiden\u201c-Arten waren Lanz zufolge die Vorbilder f\u00fcr die Walk\u00fcren der germanischen Sagen, die Engel der Bibel, die Greifenmenschen, Adlermenschen und Vo\u00adgelmenschen der verschiedenen Mythen. Doch nicht nur das: Diese Wesen waren, wie Lanz aus  alten Berichten erschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen glaubte, \u201eelektrisch organisiert. Sie besa\u00dfen einen bioelektrischen Empfangs- und bioelektri\u00adschen Sendeapparat. Sie sandten Heil- und Todesstrahlen aus, sie konnten Riesenlasten heben, sie konnten mit ihren Strahlen Materie ausl\u00f6sen, dematerialisieren, entk\u00f6rpern und in andere Materie umwandeln, transmutieren oder wie die Theologen sa\u00adgen: \u201asch\u00f6pfen\u2018 und \u201aerschaffen\u2018. Sie konnten sich auch selbst jederzeit entk\u00f6rpern, dematerialisieren: \u201averschwinden\u2018 und umgekehrt, sich jederzeit wieder verk\u00f6rpern, materialisieren: \u201eerscheinen\u201c. Sie konnten, wie wir heute im Radio, in die Wei\u00adte sehen und h\u00f6ren ohne jegliche Drahtverbindung. Sie waren also allwissend. Sie konnten sich und andere Materie schaffen oder verschwinden lassen, sie waren also allm\u00e4chtig, sie konnten sich, da sie sich jederzeit dematerialisieren konnten, sofort an jeden beliebigen Ort begeben und dort materialisieren, sie waren also allgegenw\u00e4rtig. Da sie sich jederzeit entk\u00f6rpern und verk\u00f6rpern konnten, so waren sie eigentlich unsterblich. Sie waren also das, was wir \u201aGott\u2018 nennen. Deswegen gab ich diesen Wesen den Namen \u201aTheozoa\u2018 oder \u201aElektrozoa\u2018.\u201c<\/p>\n<p>\u00dcberraschenderweise, zumindest aus heutiger Sicht, traf das Gedankengut des Lanz  damals auf einen Nerv der Zeit. Zu den Unterst\u00fctzern des kauzigen Ex-M\u00f6nches z\u00e4hlten bei weitem nicht nur einfache Zeitgenossen, sondern zahlreiche Angeh\u00f6rige der damaligen Eliten, darunter der schwedische Dichter August Srindberg oder der Wiener Industrielle Johann W\u00f6lfl, der den bereits um 1900 gegr\u00fcndeten Neutempler-Orden (ONT) des Lanz finanziell massiv unterst\u00fctzte. Nachdem die seit 1905 erschienene, und auch von Adolf Hitler gelesene Lanz-Zeitschrift \u201eOstara\u201c 1931 eingestellt worden war, erstellte der Autor und Ordensgr\u00fcnder f\u00fcr seinen einige 100 Personen umfassenden  Freundeskreis regelm\u00e4\u00dfige Mitteilungen in Form \u201eAriomantischer Briefe\u201c an \u201eseine Freunde\u201c. Die Ver\u00f6ffentlichung und der Druck der  zwischen 1930 und 1935 erschienenen Briefe erfolgte wechselnd im Deutschen Reich, in \u00d6sterreich, in der neutralen Schweiz und in Ungarn. Die in den kleinen, meist um 16 Seiten umfassenden Schriften behandelten Themen befassen sich aber nicht nur mit Vorzeitwesen, sondern auch mit Ern\u00e4hrung und Lebensreform, christlicher Mystik und vorchristlichen Kultorten wie Vineta-Rethra. Dar\u00fcber hinaus finden sich sich hier  aber\u00a0auch groteske Ideen und Vorschl\u00e4ge zur Staatsverbesserung: Z. B. eine \u201eWettbewerblotterie\u201c, zum \u201eGeld- und Reichtumserwerb durch den Arier\u201c. Preise sollten u.a. f\u00fcr \u201edas sch\u00f6nste Kleid\u201c vergeben werden. <\/p>\n<p>Wer angesichts der teils skurril anmutenden Gedanken den Begr\u00fcnder der Ariosophie als Spinner abtut, sollte allerdings nicht zu vorschnell urteilen. Im September 2019 brachte die<a href=\"https:\/\/guardian.ng\/news\/genetic-makeup-of-12-year-old-angolan-boy-in-dispute\/\"> englische Zeitung \u201eThe Guardian\u201c einen Artikel<\/a>, der ein Thema aufgriff, das den 1954 verstorbenen Lanz vermutlich sehr interessiert h\u00e4tte: Die Existenz eines 12-j\u00e4hrigen Jungen aus Angola, der als erster offizieller Nachkomme einer schwarzen Frau und eines Schimpansenm\u00e4nnchen gilt. Die Muter, Anita Dembo, hatte einige Jahre in einem Park f\u00fcr Schimpansen gearbeitet und einen Schimpansen als Vater bezeichnet. Medizinische Untersuchungen sollen die Angaben der Frau best\u00e4tigt haben. \u201eSexuelle Beziehungen zwischen Menschen und Schimpansen sind in dieser Region weit verbreitet\u201c, lautete der \u00fcberraschende Kommentar des mit dem Fall betrauten angolanischen Arztes Dr. Antonio Mendes, jedoch, so der Mediziner weiter, sei dies \u201eder erste bekannte Fall einer [erfolgreichen] Schwangerschaft.\u201c W\u00e4hrend die wissenschaftliche Fachwelt skeptisch auf die Meldung reagierte, bezeichnete Angolas Pr\u00e4sident Joao Laurenco den Jungen als \u201eNationalschatz\u201c und \u201eGotteszeichen\u201c.       <\/p>\n<p>Erstmals seit der Ersterscheinung liegen die Briefe nun als Nachdruck vor und vermitteln einen guten Einblick in die Gedanken und Geisteswelt des Lanz von Liebenfels.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/parzifal-versand.de\/product_info.php?products_id=281\">Ariomantie &#038; Arioheroikum &#8211; Band 1<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/parzifal-versand.de\/product_info.php?products_id=295\">Ariomantie &#038; Arioheroikum &#8211; Band 2<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Erschaffung von Chim\u00e4ren, Wesen, die halb Mensch, halb Tier sind, bewegt die Gem\u00fcter der Menschheit seit Jahrhunderten. 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