{"id":150,"date":"2024-10-12T10:00:02","date_gmt":"2024-10-12T10:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=150"},"modified":"2024-10-12T10:00:03","modified_gmt":"2024-10-12T10:00:03","slug":"alexandre-saint-yves-dalveydre-und-das-mysterium-von-agartha","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=150","title":{"rendered":"Alexandre Saint-Yves d\u2019Alveydre und das Mysterium von Agartha"},"content":{"rendered":"<p>1886 ver\u00f6ffentlichte der als Schl\u00fcsselfigur der franz\u00f6sischen esoterischen Tradition geltende Marquis Alexandre Saint-Yves d\u2019Alveydre (1842-1909) ein Werk, das gro\u00dfen Einflu\u00df auf diverse Okkultisten aus\u00fcbte: \u201eMission de l\u2019Inde en Europe; Mission de l\u2019Europe en Asie\u201c (Indiens Mission in Europa; Europas Mission in Asien &#8211; Untertitel: das Problem des Mahatma und seine L\u00f6sung).<br \/>\nHier beschrieb der Autor ein sagen haftes Reich von Agart(t)ha, bei dem es es sich um ein unter der Erdoberfl\u00e4che verborgenes Land irgendwo im Himalay handele, in dem eine Millionenbev\u00f6lkerung von einem souver\u00e4nen Pontifex, dem \u201eBr\u00e2hatmah\u201d (der auch den Titel \u201eRigden-Jyepo\u201c \u2013 K\u00f6nig der Welt \u2013 trage) und seinen beiden Kollegen, dem \u201eMahatma\u201d und dem \u201eMahanga\u201d, regiert wird. Dieses Reich, so erkl\u00e4rt Saint-Yves, wurde zu Beginn des Kali Yuga (des gegenw\u00e4rtigen dunklen Zeitalters in der hinduistischen Zeitrechnung), das er auf etwa 3200 v. Chr. datiert, in den Untergrund verlegt und vor den Oberfl\u00e4chenbewohnern verborgen. Agartha, so der Autor weiter, genie\u00dfe seit langem die Vorteile einer Technologie, die weit \u00fcber die unsere hinausgehe, einschlie\u00dflich Gasbeleuchtung, Eisenbahnen und Flugreisen. Seine Regierung sei das Ideal der \u201eSynarchie\u201d, das die Oberfl\u00e4chenv\u00f6lker seit der Spaltung des Universalen Reiches im vierten Jahrtausend v. Chr. verloren haben und das Moses, Jesus und Saint-Yves wiederherzustellen versuchten.<br \/>\nVon Zeit zu Zeit schicke Agartha der Legende zufolge Abgesandte in die obere Welt, welche den hiesigen Menschen Einblicke in neueste Entdeckungen erlauben. Die gesamte Weisheit der Jahrhunderte sei in den Bibliotheken Agarthas aufbewahrt, die in vattanischen Schriftzeichen in Stein gemei\u00dfelt seien. Zu ihren Geheimnissen geh\u00f6ren die wahre Beziehung zwischen K\u00f6rper und Seele und die Mittel, um verstorbene Seelen mit den Lebenden in Verbindung zu halten. Wenn unsere Welt die synarchische Regierungsform ann\u00e4hme, w\u00e4re die Zeit reif, da\u00df Agartha sich zu unserem gro\u00dfen spirituellen und praktischen Vorteil offenbare \u2013 dies jedenfalls war die Meinung des franz\u00f6sischen Esoterikers. Um diesen Proze\u00df zu beschleunigen, hat Saint-Yves teils in diesem Buch abgedruckte, offene Briefe an K\u00f6nigin Victoria, Kaiser Alexander III. von Russland und Papst Leo III. geschrieben, in denen er sie einl\u00e4dt, sich dem gro\u00dfen Projekt anzuschlie\u00dfen. Tats\u00e4chlich besa\u00df Saint-Yves \u00fcber seinen Freund, den Earl of Lytton, eine Verbindung zu K\u00f6nigin Victoria und erhielt sogar ihre Erlaubnis, ihr ein sp\u00e4teres Werk zu widmen w\u00e4hrend er \u00fcber seine Frau mit der russischen Aristokratie verbunden war.<\/p>\n<p><strong>Vorl\u00e4ufer der \u00dcberlieferung<\/strong><\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hlung vom Reich Agharta begegnet dem Leser auch bei Helena Petrovna Blavatsky (1831 \u2013 1891), die es als Shambhala zu einem real existierenden geografischen Ort und Sitz des Herrn der Welt in der W\u00fcste Gobi erkl\u00e4rte. Nach dem Untergang von Hyperborea, Atlantis und Lemuria \u2013 die allesamt im Norden an den Berg Meru angrenzten \u2013 h\u00e4tten sich Auserw\u00e4hlte der vierten Wurzelrasse dorthin gerettet und dort die Rasse der Arier begr\u00fcndet.<br \/>\n\u00dcbernommen hat die Begr\u00fcnderin der Theosopie Shambhala indes aus dem tibetischen Buddhismus, innerhalb dessen eine tradierte Legende eines so benannten mythischen K\u00f6nigreiches existiert, das die Lehren des Buddhismus, insbesondere das Kalachakra, bewahre, w\u00e4hrend die Welt von Barbaren, welche meist als Muslime identifiziert werden, \u00fcberrannt wird. Nachdem diese gesiegt und den Dharma ausgel\u00f6scht haben, verl\u00e4\u00dft der 25. K\u00f6nig von Shambhala, Raudra Chakrin, sein Reich mit einer buddhistischen Armee und vernichtet die Barbaren. Damit beginnt laut der Legende ein neues Zeitalter des reinen Buddhismus.<br \/>\nW\u00e4hrend Shambhala also eine alte tibetische Bezeichnung darstellt, wird die Wortsch\u00f6pfung A(s)gartha dem Franzosen Louis Jacolliot zugeschrieben, der sie erstmals 1873 in \u201eLes Fils de Dieu\u201c verwendete. Dieses als \u201eStadt der Sonne\u201d firmierende Asgartha sei \u00fcber 3000 Jahre lang Sitz aufeinander folgender \u201eBrahmatras\u201d (geistlicher und weltlicher Herrscher) gewesen, bevor es vor etwa 10.000 Jahren von den Ariern unter F\u00fchrung eines geistigen Oberhaupt namens Ram(s) erobert wurde.<br \/>\nDie Vorstellung \u201egeheimer Oberer\u201c, die die Welt beeinflussen oder gar lenken sollen, war bis zum \u201eWilhelmsbader Konvent\u201c 1782 auch Bestandteil der Freimaurer-Lehre, der zufolge diese geistigen F\u00fchrer auch die Freimaurerei leiteten.<br \/>\nGewisse Parallelen zu Agarthi weist auch das unterirdische Vril-Ya-Reich aus dem Roman \u201eThe Coming Race\u201c (deutsch: Das Geschlecht der Zukunft) auf. In dem 1871 von Edward Bulwer-Lytton ver\u00f6ffentlichten Roman geht es um ein Volk, das seit einer Naturkatastrophe abgeschnitten vom Rest der Menschheit in einem unterirdischen H\u00f6hlensystem lebe, und sowohl dank geistiger Kr\u00e4fte wie Telepathie als auch der \u201eVril-Kraft\u201c den Menschen weit \u00fcberlegen sei.<br \/>\nIm deutschsprachigen Raum machte vor allem der aus Polen stammende Schriftsteller, Journalist und Reisende Ferdynand A. Ossendowski Agartha mit seinem \u2013 1924 in Deutschland \u2013 erschienenen, Buch \u201eTiere, Menschen und G\u00f6tter \u2013 Das R\u00e4tsel des K\u00f6nigs der Welt\u201c bekannt. Darin schrieb er \u00fcber das unterirdische Reich und seine Herrscher unter anderem:<br \/>\n\u201eDas Land unter der Erde ist ein gro\u00dfes K\u00f6nigreich. Zu ihm geh\u00f6ren Millionen von Menschen. Sein Herrscher ist der K\u00f6nig der Welt. Dieser kennt alle Kr\u00e4fte und vermag in die Seelen der Menschheit und in dem gro\u00dfen Buch ihres Geschickes zu lesen. Dieses K\u00f6nigreich ist Agarthi. Alle unterirdischen V\u00f6lker und unter der Erde befindlichen R\u00e4ume werden von Herrschern regiert, die dem K\u00f6nig der Welt Untertan sind. [\u2026]<br \/>\nDie Hauptstadt Agarthi ist von St\u00e4dten umgeben, die von Hohepriestern und M\u00e4nnern der Wissenschaft umgeben sind. Wenn die wahnsinnige Menschheit einen Krieg gegen das unterirdische K\u00f6nigreich beginnen sollte, so w\u00e4re dieses imstande, die ganze Oberfl\u00e4che in die Luft zu sprengen und sie in eine Ein\u00f6de zu verwandeln.\u201c<br \/>\nDas Buch endete mit einer dramatischen Prophezeiung eines von Ossendowskis Informanten: Im Jahr 2029 werde das Volk der \u201eAghardi\u201d aus seinen H\u00f6hlen hervortreten und auf der Erde erscheinen. <\/p>\n<p><strong>Der K\u00f6nig der Welt<\/strong><\/p>\n<p>Diese Prophezeiung wurde dem K\u00f6nig der Welt zugeschrieben, als er 1890 vor den Lamas erschien. Der K\u00f6nig hatte damals vorausgesagt, da\u00df es 50 Jahre des Streits und des Elends, 71 Jahre des Gl\u00fccks unter drei gro\u00dfen K\u00f6nigreichen und dann einen 18-j\u00e4hrigen Krieg geben w\u00fcrde, bevor die Agarther erscheinen w\u00fcrden.<br \/>\n1927 befa\u00dfte sich Ren\u00e9 Gu\u00e9non in seinem Werk \u201eDer K\u00f6nig der Welt\u201c mit den Thesen von Saint-Yves.<br \/>\n\u201eUnabh\u00e4ngig von den Beweisen, die Ossendowski vorgelegt hat\u201d, so Gu\u00e9non, darin, \u201ewissen wir von anderen Quellen, da\u00df Geschichten dieser Art in der Mongolei und in ganz Zentralasien weit verbreitet sind, und wir k\u00f6nnen hinzuf\u00fcgen, da\u00df es etwas \u00c4hnliches in den Traditionen der meisten V\u00f6lker gibt.\u201d Und weiter hei\u00dft es in Gu\u00e9nons Hauptwerk: \u201eAgarta war, wie man sagt, nicht immer unterirdisch und wird es nicht immer bleiben. Es wird eine Zeit kommen, in welcher nach den von Ossendowski wiedergegebenen Worten \u201edie V\u00f6lker von Agarti ihre H\u00f6hlen verlassen und auf der Oberfl\u00e4che der Erde erscheinen werden\u201c. Ehe Agarta von der sichtbaren Erde verschwand, hatte dieses Zentrum einen anderen Namen, denn \u201eAgarta\u201c, was \u201eunzug\u00e4nglich\u201c bedeutet, w\u00e4re nicht passend gewesen. Ossendowski gibt an, da\u00df Agarta vor mehr als sechstausend Jahren unterirdisch geworden ist, und diese Zeitangabe stimmt ziemlich genau mit dem Beginn des Kali-Yuga oder des \u201eSchwarzen Zeitalters\u201c der alten V\u00f6lker des Abendlandes \u00fcberein; ihr Wiedererscheinen mu\u00df mit dem Ende derselben Periode zusammenfallen. Saint-Yves h\u00e4tte zweifellos diese Symbolik erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, aber er hat es nicht getan, und hierdurch erhalten gewisse Teile seines Buches den Anschein von Trugbildern. Ossendowski war sicher unf\u00e4hig, sich vom Buchstaben zu l\u00f6sen und in dem, was man ihm erz\u00e4hlte, etwas anderes zu sehen als den einfachen Inhalt im unmittelbarsten Sinne.<br \/>\n1930 widmete Nicholas Roerich sein \u201eHeart of Asia \u2013 Shambala\u201c dem unterirdischen K\u00f6nigreich und schuf eine bis heute lebendige Bilderwelt zu dem Thema. In seinem Reisetagebuch notierte der Abenteurer:<br \/>\n\u201eShambhala selbst ist der heilige Ort, an dem sich die irdische Welt mit den h\u00f6chsten Bewu\u00dftseinszust\u00e4nden verbindet. Im Osten wei\u00df man, da\u00df es zwei Shambhalas gibt &#8211; ein irdisches und ein unsichtbares. Es ist viel \u00fcber den Ort des irdischen Shambhala spekuliert worden. Gewisse Anzeichen verlegen diesen Ort in den extremen Norden, indem sie erkl\u00e4ren, da\u00df die Strahlen der Aurora Borealis die Strahlen des unsichtbaren Shambhala sind. Dies ist so jedoch nicht zutreffend. Das irdische Shambhala liegt nur von Indien aus gesehen n\u00f6rdlich. Daher ist es im Himalaja, im Pamir und Turkestan oder der zentralen Gobi zu suchen.\u201c<br \/>\nRigden-Jyepo, den Herrscher Shambhalas, betrachtete Nicholas Roerich als Boten einer Neuen Epoche, der zur Zeit eine unbesiegbare Armee f\u00fcr den Kampf gegen die M\u00e4chte der Finsternis vorbereitet. Roerich identifizierte diesen Herren der Welt als Maitreya, den Letzten Avatar, welcher das Eiserne Zeitalter \u2013 das Kali-Yuga \u2013 zu Ende f\u00fchrt und zugleich das neue Krita oder Satya-Yuga, das kommende Goldene Zeitalter er\u00f6ffnet.<br \/>\n1933 verfa\u00dfte der englische Schriftsteller James Hilton mit \u201eLost Horizon &#8211; das vergessene Land Shangri-La im Himalaja\u201c einen ersten Agartha-Roman.<br \/>\nBis in die heutige Zeit spielen sowohl das von Saint-Yves portraitierte Agartha als auch sein Synarchismus eine Rolle in esoterischen Darstellungen.   <\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>De Gourdon, Come Carpentier: A French Prophet of India\u2019s Resurgence<br \/>\nin the Nineteenth century: Saint Yves d\u2019Alveydre and his \u201aMission de l\u2019Inde\u2019. Neu Delhi 2010<br \/>\nGodwin, Joscelyn: Arktos. Der polare Mythos zwischen NS-Okkultismus und moderner Esoterik. Graz 2007<br \/>\nGodwin, Joscelyn: Vorwort zu \u201eThe Kingdom of Agartha\u201c (US-amerikanische Ausgabe von \u201eMission de\u00b4l Inde). Rochester 2008<br \/>\nHeinzerl, Thomas: Wei\u00dfe Bruderschaft und Delphische Idee: Esoterische Religiosit\u00e4t in Bulgarien und Griechenland in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts. Dissertation, Erfurt 2013<br \/>\nGu\u00e9non, R\u00e9ne: Der K\u00f6nig der Welt. Bottrop 2023<br \/>\nKr\u00fcger, Dennis: Der Aufgang der Schwarzen Sonne. 2. Aufl. Bottrop 2023<br \/>\nRitter, Thomas: Der Mythos von Agartha. PDF-Manuskript, Possendorf 2001<br \/>\nRitter, Thomas: Shambhala &#8211; die magische Stadt im Himalaja. PDF-Manuskript, Possendorf 2001 (2)<br \/>\nWebb, James: Die Flucht vor der Vernunft. Wiesbaden 2009<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/parzifal-versand.de\/product_info.php?products_id=279\">Auszug aus dem erstmals auf deutsch ver\u00f6ffentlichten Werk: &#8222;Das Mysterium von Agartha. Indiens Mission in Europa&#8220;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1886 ver\u00f6ffentlichte der als Schl\u00fcsselfigur der franz\u00f6sischen esoterischen Tradition geltende Marquis Alexandre Saint-Yves d\u2019Alveydre (1842-1909) ein Werk, das gro\u00dfen Einflu\u00df auf diverse Okkultisten aus\u00fcbte: \u201eMission de l\u2019Inde en Europe; Mission de l\u2019Europe en Asie\u201c (Indiens Mission in Europa; Europas Mission in Asien &#8211; Untertitel: das Problem des Mahatma und seine L\u00f6sung). 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