{"id":177,"date":"2024-11-21T17:16:14","date_gmt":"2024-11-21T17:16:14","guid":{"rendered":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=177"},"modified":"2024-11-21T17:16:14","modified_gmt":"2024-11-21T17:16:14","slug":"entwickelte-sich-der-ur-mensch-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=177","title":{"rendered":"Entwickelte sich der Ur-Mensch in Europa?"},"content":{"rendered":"<p>Bereits im Juni 2009 hatten Wissenschaftler  in Spanien die fossilen \u00dcberreste eines m\u00f6glichen Vor-Vorfahren des Menschen entdeckt. Der \u201eAnoiapithecus brevirostris\u201c hat sich vor rund zw\u00f6lf Millionen Jahren in Europa entwickelt und wanderte von dort aus nach Afrika ein. Allerdings war nicht klar, ob es sich hier um einen direkten Vorfahren des Menschen oder eine Parallelentwicklung handelte.<\/p>\n<p>Im Mai 2017 untersuchten Wissenschaftler aus T\u00fcbingen dann aber zwei etwa 7,2 Mio Jahre alte in Griechenland und Bulgarien gefundene Fossi\u00adlien des Hominiden \u201eGraecopithecus freyberg\u201c neu und stellten anhand der verschmolzenen Zahnwurzeln festgestellt, da\u00df es sich bei dem Ho\u00adminiden um eine bislang unbekannte Vormenschenart handelt. Damit erh\u00e4rtete sich der Zweifel, ob der Ur-Mensch wirklich in Afrika entstand.<br \/>\nIm September 2017 untermauerten dann Funde von Fu\u00dfabdr\u00fccken eines Hominiden im kretischen Trachilos die ur-europ\u00e4ische Herkunft des Ur-Menschen. Die Abdr\u00fccke liegen in einer Schicht Sedimentgestein, die bereits 5,7 Millionen Jah\u00adre alt ist, wie Datierungen von winzigen Meeresorganismen in dieser Schicht belegen.<\/p>\n<p>Nun kommt ein neuer Fund dazu, der erstmals von verschiedenen Medien aufgriffen wurde, und als  Meilenstein der Pal\u00e4oanthropologie dazu geeignet ist, die bisherige Sichtweise auf die Evolution der gro\u00dfen Menschenaffen und des Menschen grundlegend in Frage zu stellen. Ein internationales Forschungsteam um Professorin Madelaine B\u00f6hme vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen hat in S\u00fcddeutschland  Fossilien einer bislang unbekannten Primatenart entdeckt, die vor 11,62 Millionen Jahren lebte und bereits den aufrechten Gang praktizierte. Der \u201eDanuvius guggenmosi\u201c, so der Name der neu entdeckten Art, wurde in der Tongrube \u201eHammerschmiede\u201c im Landkreis Ostallg\u00e4u gemeinsam mit mehr als 15.000 fossilen Wirbeltierknochen gefunden. Der Lebensraum von Danuvius waren feuchte und bewaldete \u00d6kosysteme, die vor etwa 12 Millionen Jahren in S\u00fcddeutschland vorherrschten. Die Fossilfunde konnte das Team mindestens vier Individuen zuordnen. Das am besten erhaltene Skelett eines m\u00e4nnlichen Danuvius verf\u00fcgt \u00fcber Proportionen, die einem Bonobo \u00e4hneln. Dank vollst\u00e4ndig erhaltener Arm- und Beinknochen, Wirbel, Finger- und Zehenknochen lie\u00df sich rekonstruieren, da\u00df sich Danuvius auch auf zwei Beinen fortbewegte, aber auch klettern konnte wie ein Menschenaffe. Den Rumpf hielt er durch eine S-f\u00f6rmig gebogene Wirbels\u00e4ule aufrecht. K\u00f6rperbau, K\u00f6rperhaltung und Fortbewegungsweise sind f\u00fcr einen Primaten bislang einzigartig. Diese Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass sich der aufrechte Gang des Menschen in B\u00e4umen und vor \u00fcber 12 Millionen Jahren entwickelte. \u201eIm Gegensatz zu sp\u00e4teren Menschen hatte Danuvius eine kr\u00e4ftige, abgespreizte gro\u00dfe Zehe, mit der er gro\u00dfe und kleine \u00c4ste sicher greifen konnte\u201c, erkl\u00e4rte Professor Nikolai Spassov, von der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften. Die Fossilien zeigen, dass Danuvius etwa einen Meter gro\u00df war. Die Weibchen d\u00fcrften gerade mal 18 Kilogramm gewogen haben, weniger als die heutigen Menschenaffen.<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzung findet die Ablehnung der klassischen Out-of-Africa-These durch in Europa aufgefundene Homo Heidelbergensis-Skelette, die als direkte Nachfahren des Homo Erectus dennoch enger verwandt mit dem Homo Sapiens scheinen, als mit dem Neandertaler, der bereits seit 300.000 v. Zw. in Europa lebte. Ein fr\u00fches Indiz gegen die OoA-Theorie war der Fund des Steinheim-Sch\u00e4dels (zwischen 250.000 und 300.000 v. Zw.) der physiognomisch n\u00e4her am modernen Menschen liegt, als der Neandertaler und somit schlecht als Entwicklungsstufe zwischen Erectus und Neandertaler erkl\u00e4rt werden kann. Ebenso z\u00e4hlt der Ehringsdorfer Fund (um 200.000) in diese Kategorie. Der eine Gehirnkapazit\u00e4t von beachtlichen 1450 cm\u00b3 aufweisende Sch\u00e4del wurde von G\u00fcnther Behm-Blancke in den 1960er Jahren der Entwicklungslinie des modernen Menschen zugeordnet. Eine Nachuntersuchung durch den Anthropologen Emanuel Vl\u010dek 1982 best\u00e4tigte viele Homo-Sapiens-Merkmale.  Entweder mu\u00df es demnach eine weitere Homo-Form in Europa gegeben haben, die in einer Sackgasse endete,  oder wir haben es hier mit einer Entwicklungsstufe zum modernen Menschen zu tun, welche die OoA widerlegen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Das Bild des Neandertalers indes durchlief in den zur\u00fcckliegenden Jahren ebenfalls eine enorme Wandlung: Vom tumben Halbaffen mutierte er zum Stammesbruder des Menschen, der mit einem Gehirnvolumen zwischen 1200 bis 1750 Kubikzentimeter (im Mittel rund 1450 cm\u00b3), ein durchschnittlich sogar gr\u00f6\u00dferes Gehirn als der heutige Mensch (1400 cm\u00b3) aufwies.<br \/>\nDies stimmt mit der Erkenntnis \u00fcberein, da\u00df ein gro\u00dfes Gehirn gro\u00dfer K\u00fchlung bedarf und sich entsprechend vor allem dort ent-wickeln kann, wo gem\u00e4\u00dfigte bis k\u00fchle Temperaturen vorherrschen. Bereits f\u00fcr 400.000 v. Zw. sind Angeh\u00f6rige einer Homo-Erectus- Population nachgewiesen, die in H\u00fctten lebten und Speere bauten mit denen sie regelrechte Treibjagden auf Pferdeherden durchgef\u00fchrt haben m\u00fcssen. Die im nieders\u00e4chsischen Sch\u00f6ningen aufgefundenen Knochenreste zahlreicher Pferde belegen schon f\u00fcr diesen fr\u00fchen Zeitpunkt die Existenz einer Kultur, die sich einer Kommunikationsform bedient haben mu\u00df, um komplexe Dinge wie eine gro\u00dfangelegte Jagd betreiben zu k\u00f6nnen. Vervollst\u00e4ndigt wird das Bild eines bereits hochentwickelten Menschen durch<br \/>\nEinritzungen von Strukturen auf Knochenst\u00fccken. Drei gleichartige Astst\u00fccke mit einer Einkerbung an der gleichen Stelle weisen zudem auf zusammengesetzte Ger\u00e4tschaften hin, sogenannte \u201eKompositger\u00e4te\u201c. F\u00fcr das th\u00fcringische Bilzingsleben liegen zeitgleiche Gebrauchsspuren an Knochenger\u00e4ten vor, die eine systematische Bearbeitung von Fellen und H\u00e4uten<br \/>\nnahelegen.  <\/p>\n<p>Auch der kulturelle Verstand des fr\u00fchen Menschen war offenbar schon viel fr\u00fcher ausgepr\u00e4gt, als lange Zeit angenommen. Die \u00e4lteste \u201eKultst\u00e4tte\u201c wurde k\u00fcrzlich in einer H\u00f6hle in S\u00fcdfrankreich entdeckt und wird auf ein Alter von 175.000 Jahren datiert. Bei der vermutlich von Neandertalern angelegten Formation handelt es sich um Kalksteine, die in zwei unterschiedlich gro\u00dfen Kreisen formiert wurden.<\/p>\n<p>Quellen: <a href=\"https:\/\/www.archaeologie-online.de\/nachrichten\/neuer-vorfahr-des-menschen-in-europa-entdeckt-4471\">https:\/\/www.archaeologie-online.de\/nachrichten\/neuer-vorfahr-des-menschen-in-europa-entdeckt-4471<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/parzifal-versand.de\/product_info.php?products_id=199\">Vom Autor erschienen: \u201eHyperborea. Der Mensch aus dem Norden in der Fr\u00fchgeschichte&#8220;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits im Juni 2009 hatten Wissenschaftler in Spanien die fossilen \u00dcberreste eines m\u00f6glichen Vor-Vorfahren des Menschen entdeckt. Der \u201eAnoiapithecus brevirostris\u201c hat sich vor rund zw\u00f6lf Millionen Jahren in Europa entwickelt und wanderte von dort aus nach Afrika ein. Allerdings war nicht klar, ob es sich hier um einen direkten Vorfahren des Menschen oder eine Parallelentwicklung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":178,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[32],"tags":[95,94,96,92,93],"class_list":["post-177","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-beitraege-zur-fruehgeschichte","tag-europa","tag-homo-sapiens","tag-neandertaler","tag-rasse","tag-ur-mensch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/177","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=177"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/177\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":179,"href":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/177\/revisions\/179"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/178"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=177"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=177"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=177"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}