{"id":200,"date":"2025-03-07T10:59:24","date_gmt":"2025-03-07T10:59:24","guid":{"rendered":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=200"},"modified":"2025-05-12T13:31:29","modified_gmt":"2025-05-12T13:31:29","slug":"guido-von-list-und-die-wuotanspriesterschaft-der-ariogermanen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=200","title":{"rendered":"Guido von List und die Wuotanspriesterschaft der Ariogermanen"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>\u201eNach dem Sturze Roms hatten die germanischen Staatengr\u00fcndungen nicht nur beinahe ganz Europa bedeckt, sondern waren sogar noch tief nach Afrika bis zu den kanarischen Inseln gedrungen, wo das Volk der Wantschen sich als Reste der Vandalen erwiesen. Ja, selbst heute noch sind die Throne ganz Europas mit alleiniger Ausnahme des Sultanats von Stambul und des K\u00f6nigsthrones von Schweden (Bernadotte) im Besitze germanischer Familien, die wahrscheinlich eines gemeinsamen Ursprunges aus einem uralten Herrschergeschlechte sind, das in vorgeschichtlicher Zeit sein Entstehen fand.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>So formulierte der geb\u00fcrtige Wiener Schriftsteller Guido von List bereits 1893 seine Ablehnung des damals herrschenden Bildes der Germanen.<br \/>\n\u201eWenn nun die staatengr\u00fcndende Macht des Germanentums allgemein anerkannt ist, wenn die hohe Weisheit seiner Theologie nachgewiesen werden kann\u201c, so List in seiner Abhandlung \u201e\u00dcber die Wuotanspristerschaft\u201c weiter, <\/p>\n<blockquote><p>\u201eso mu\u00df nicht nur eine einheitlich geleitete Schulung der Geister, wie eine planm\u00e4\u00dfige Erziehung des Volkes durch Jahrhunderte hindurch ihre Wirkung ge\u00e4u\u00dfert haben, weit erhaben \u00fcber jener Stufe der Halbwildheit, die man gew\u00f6hnlich annimmt, gest\u00fctzt auf parteiische und geh\u00e4ssige Berichte aus r\u00f6mischen, griechischen und fr\u00e4nkischen Federn.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Das Fazit von Lists: Das Volk der Germanen wurde gef\u00fchrt von einer Priesterschaft, die er als Wuotanspriester bezeichnet: <\/p>\n<blockquote><p>\u201eIst aber die hervorragende Machtstellung des vorchristlichen Wuotanspriesters erkannt, eine Machtstellung, welche der christliche Priester in Deutschland trotz aller Versuche nie zu erreichen vermochte, so ist es eben nur folgerichtig, da\u00df er, der als sichtbarer Repr\u00e4sentant der als Gipfelpunkt aller Idealbegriffe aufgefa\u00dften Gottheit waltete, auch im Staate alle h\u00f6ch\u00adsten W\u00fcrden bekleiden mu\u00dfte. Darum vereinigte ein vorchristlicher deutscher K\u00f6nig in seiner Person den Dreibegriff der g\u00f6ttlichen Macht, des Entstehens, Seins und Vergehens, in\u00addem er, als Priester, der Urzeit und des Urwesens weihevoll gedachte, als K\u00f6nig, der Gegenwart waltete, und als Richter, die Folgen der Schuld zu verringern suchte. Daraus erkl\u00e4rt sich der sagenhafte g\u00f6ttliche Ursprung der K\u00f6nigsgeschlechter, von welchen Stamm-, Familien- und Wappensagen berichten, denn der Stellvertreter der Gottheit konnte nur ein Abk\u00f6mmling der\u00adselben, ein \u201eK\u00f6ting\u201c sein. Daraus erkl\u00e4ren sich auch die drei Nornennamen: Urda, Verdandi und Skuld, welche fehlerhaft f\u00fcr Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gedeutet wurden, richtiger aber aufzufassen sind als: Ursprung, das Werdende und Schuld. Die Schuld ist eben das selbstverschuldete Ver\u00adh\u00e4ngnis der Zukunft, das der Richter durch S\u00fchne und Bu\u00dfe nur zu mildern suchte, ohne Rache zu \u00fcben oder Strafe zu verh\u00e4ngen; dann der Deutsche kannte nur einen wohlwollenden, aber keinen r\u00e4chenden, keinen zornigen Gott.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit seinen Thesen \u00fcber die hohe Kultur und Sittlichkeit der Germanen war von List einer der fr\u00fchesten Pioniere eines positiven Germanenbildes, das sich durch die heutige Forschung best\u00e4tigt hat: Die direkten Vorfahren der Germanen schufen nicht nur die \u00e4lteste plastische Darstellung des Himmels \u2013 die Himmelsscheibe von Nebra \u2013 sondern waren auch Meister der Bronzeverarbeitung und Begr\u00fcnder vieler antiker Reiche.<br \/>\nEigentlich als Kaufmann ausgebildet, widmete sich der 1848 geborene Wiener schon fr\u00fch der Kunst und hielt seine Eindr\u00fccke der Natur in Ge\u00adm\u00e4lden, in Prosa und Gedichtform fest. Nach dem Tod seines Vaters 1877 wurde er Schriftsteller. Seine Artikel, die vom Kampf der Germanen gegen die R\u00f6mer und germanischer Mythologie handelten, wurden in verschiedenen v\u00f6lkisch aus\u00adgerichteten Magazinen ver\u00f6ffentlicht, darunter die Publikati\u00adonen \u201eHeimat\u201c, \u201eDeutsche Zeitschrift\u201c und \u201eNeue Welt\u201c. Seine Befassung mit heidnisch-germanischen Themen und der Na\u00adtur m\u00fcndete 1888 in seinem Roman \u201eCarnuntum\u201c, dem 1891 das zweib\u00e4ndige Werk \u201eDeutsch-Mythologische Landschafts\u00adbilder\u201c folgte. Im Laufe der 1890er Jahre errichtete der Schrift\u00adsteller seine spezifische List-Mythologie, in deren Zentrum der Wotan-Kult (\u201eWuotanismus\u201c) und die Armanen-Priesterschaft standen. Kerngedanken dieses Mythologie-Bildes flossen in seine 1893, hier vorliegende Schrift \u201eVon der deutschen Wuo\u00adtanspriesterschaft\u201c und in sein 1898 erschienenes B\u00fcchlein \u201eDer Unbesiegbare\u201c ein.<br \/>\n1902 hatte List dann ein einschneidendes Erlebnis: Nach ei\u00adner Augenoperation zur Entfernung eines Grauen Stars erblin\u00addete er f\u00fcr elf Monate. In dieser Zeit, die er selbst einmal mit dem Leiden Wotans verglich, der w\u00e4hrend eines Martyriums die Runen \u201eschaute\u201c, wendete er sich verst\u00e4rkt esoterischen Vorstellungen zu. Er konzipierte eine \u201earische Ursprache\u201c und Deutungen der Runen und anderer Symbole in alten Inschrif\u00adten. Jeder der 18 Strophen des H\u00e1vam\u00e1l (eine Sammlung von insgesamt 164 Strophen der Lieder-Edda) ordnete er eine Rune des Runen-\u201eAlphabets\u201c (Futhark) zu und schrieb diesen je\u00adweils eine bestimmte okkulte Bedeutung zu. Der \u201ePionier des v\u00f6lkischen Runenokkultismus\u201c (N. Goodrick-Clarke) reichte ein Manuskript \u00fcber diese neuen \u201eErkenntnisse\u201c 1903 bei der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien ein, die es jedoch kommentarlos zur\u00fcckschickte. Ein anderes Dokument der inneren Wandlung Lists ist ein Aufsatz \u00fcber die esoterische Bedeutung religi\u00f6ser Symbole, der 1903 in der theosophischen Zeitschrift \u201eDie Gnosis\u201c erschien und von der Erschaffung des Universums handelte.<br \/>\n1907 lie\u00df sich der Schriftsteller unter Berufung auf seinen Urgro\u00dfvater steirischen Adels den Adelszusatz \u201evon\u201c in sei\u00adnen Namen eintragen. Obgleich der Adel der Vorfahren quel\u00adlenkundlich auf unsicheren F\u00fc\u00dfen stand, hatte List mit seinem Antrag Erfolg.<br \/>\n1908 verfa\u00dfte der stets die Einsamkeit der geselligen Runde bevorzugende Schriftsteller seine beiden Hauptwerke, \u201eDas Geheimnis der Runen\u201c und \u201eDie Armanenschaft der Arioger\u00admanen\u201c, in denen er sein mythologisches Konzept darlegte.<br \/>\nObgleich wissenschaftlich ohne Bedeutung, pr\u00e4gte List die v\u00f6lkisch-esoterische Szene bis in die Gegenwart. Er verband den theosophischen Okkultismus mit der v\u00f6lkischen Lehre und schuf daraus die Grundlage, auf der sein Sch\u00fcler J\u00f6rg Lanz von Liebenfels die \u201eAriosophie\u201c errichtete &#8211; eine okkulte, den Ari\u00ader betreffende Weisheit. List unterschied zwischen dem exoterischen Wotanismus \u2014 der Religion der alten Arioger\u00admanen \u2014 und dem esoterischen Armanismus, der den ein\u00adgeweihten Priestern vorbehalten war. Sich selbst sah der als den letzten Magier der Armanen, der einstigen geistigen F\u00fch\u00adrer oder Priester der \u201eAriogermanen\u201c. In seiner Ver\u00f6ffentli\u00adchung \u201eDie Armanenschaft der Ariogermanen\u201c interpretierte er zugleich die Einteilung der Germanen durch Tacitus als st\u00e4ndische Dreigliederung: Armanen (Irmionen) = Priester, Ingv\u00e4onen = Adelige und F\u00fcrsten, Ist\u00e4vonen = Bauern und Handwerker. Ein weiteres Leitmotiv war die mystische Ein\u00adheit des Menschen mit dem Universum. In Abgrenzung so\u00adwohl zum klassischen Heidentum als auch zum Christentum predigte List die Unsterblichkeit der Seele, die Reinkarnation und eine karmische, also schicksalhafte Vorherbestimmung. Daraus ergab sich die zentrale Forderung, in Einheit mit der Natur zu leben, wozu auch geh\u00f6rte, sich selbst als Teil eines Volkes und einer Rasse zu betrachten. Dies, so die heutige In\u00adterpretation, war Lists Antwort auf die von ihm abgelehnte Moderne.<br \/>\nAuf einer Reise nach Brandenburg erlitt der gesundheitlich angeschlagene von List 1919 eine Lungenentz\u00fcndung, von der er sich nicht mehr erholte. Am 17. Mai 1919 starb der Armane in einer Berliner Pension. Seine Graburne wurde in seiner Heimatstadt Wien auf dem Zentralfriedhof in den \u201eNeuen Arkaden\u201c beigesetzt. <\/p>\n<p><strong>Im Forsite Verlag erh\u00e4ltliche Werke:<\/strong><em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/parzifal-versand.de\/product_info.php?products_id=188\">Von der deutschen Wuotanspriesterschaft<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/parzifal-versand.de\/product_info.php?products_id=190\">Das Geheimnis der Runen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/parzifal-versand.de\/product_info.php?products_id=191\">Ursprung und Wesen der Heraldik <\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/parzifal-versand.de\/product_info.php?products_id=189\">Urgrund <\/a><\/p>\n<p><em>Anmerkung: In einer fr\u00fcheren Version wurde ein Satz unsauber formuliert, so da\u00df sinngem\u00e4\u00df Guido von List die Ariosophie begr\u00fcndete. Tats\u00e4chlich wurde diese durch den List-Sch\u00fcler Georg Lanz von Liebenfels gegr\u00fcndet, von List schuf lediglich eine Grundlage.<\/em><em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eNach dem Sturze Roms hatten die germanischen Staatengr\u00fcndungen nicht nur beinahe ganz Europa bedeckt, sondern waren sogar noch tief nach Afrika bis zu den kanarischen Inseln gedrungen, wo das Volk der Wantschen sich als Reste der Vandalen erwiesen. 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