{"id":204,"date":"2025-03-30T11:46:32","date_gmt":"2025-03-30T11:46:32","guid":{"rendered":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=204"},"modified":"2025-03-30T11:46:32","modified_gmt":"2025-03-30T11:46:32","slug":"juergen-spanuth-und-das-nordische-atlantis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=204","title":{"rendered":"J\u00fcrgen Spanuth und das nordische Atlantis"},"content":{"rendered":"<p>Unvergessen bleibt dem Verfasser Ende der 1980er Jahre ein Exemplar J\u00fcrgen Spanuths (5. September 1907 &#8211; 17. Oktober 1998) \u201eDie Atlanter\u201caus der \u00f6rtlichen Bibliothek in die H\u00e4nde bekommen zu haben; faszinierend und utopisch zugleich klang dem Laien auf fr\u00fchgeschichtlichem Gebiet die These, wonach Platos Atlantis, das so viele Forscher bereits an den verschiedensten Pl\u00e4tzen der Erde lokalisiert zu haben meinten, einst in der Nordsee gelgen haben sollte. Doch von Seite zu Seite der Spanuthschen Beweisf\u00fchrung wurde das Gef\u00fchl sicherer, da\u00df hier eine ernstzunehmende These vorlag. Angeregt durch Spanuth folgte in den n\u00e4chsten Jahren die Lekt\u00fcre zahlreicher Ver\u00f6ffentlichungen verschiedenster Autoren, die allesamt f\u00fcr eine gro\u00dfartige Hochzeit der nordeurop\u00e4ischen Fr\u00fchgeschichte pl\u00e4dierten.<br \/>\nAlantis in der Nordsee zu suchen erscheint f\u00fcr den lediglich mit der Schulgeschichtsdarstellung Vertrauten abwegig, ein paradiesartig beschriebenes Reich mit einer befestigten Hafenstadt, Tempeln, G\u00f6tterstatuen und niedergeschriebenen Gesetzen direkt vor der eigenen Haust\u00fcr?<br \/>\nWer jedoch aufmerksam die teilweise nur in Randmeldungen erw\u00e4hnten Funde im n\u00f6rdlichen Europa allein der letzten Jahre zur Kenntnis genommen hat, den \u00fcberrascht diese These auch bei Nicht\u2013Kenntnis der Arbeiten J\u00fcrgen Spanuths, des wohl bekanntesten Verfechters dieser Hypothese, nicht wirklich.<br \/>\nNeben den fr\u00fchesten Einb\u00e4umen weltweit (Pesse\/Niederlande, ca. 8000 v.Zw.),die Grundlage f\u00fcr eine fr\u00fche Entwicklung der Hochseeschiffahrt sind, stammt auch die \u00e4lteste bildliche Schiffs-Darstellung aus dem Norden, der Insel Soeroeja, westlich von Hammerfest. Diese wird auf eine Entstehungszeit von 5000 v.Zw. gesch\u00e4tzt und zeigt einen Drachenboot\u2013\u00e4hnlichen Typus mit 6 Ruderreihen.1 Daneben wurden nachweislich auch Tempel aus der Bronzezeit sowie eine weltweit ihresgleichen suchende Funddichte an bronzezeitlichen Waffen und Ger\u00e4ten in Nordeuropa festgestellt. Die Himmelsscheibe von Nebra, der Erweis einer fr\u00fchen Besch\u00e4ftigung mit der Astronomie, stellt da lediglich die Spitze des Eisberges dar. Zwar handelt es sich bei dem im heutigen Holland gefundenen Tempel lediglich um Reste eines 4 m\u00b2 gro\u00dfen Holztempels aus der Zeit um 1500 v. Zw.\u00b2, doch beweist dieser Fund bereits die lange in Abrede gestellte Existenz von Tempeln.<br \/>\nAuch die postulierte Schriftlosigkeit der fr\u00fchen Germanen geriet im Laufe der letzten Jahrzehnte immer mehr ins Wanken. Die Arbeiten des Amerikaners Barry Fell er\u00f6ffneten mit der Entzifferung von Inschriften neue Horizonte: Danach sollen sich nordische Besucher Amerikas aus der Bronzezeit in einer Tiffinagh-Schrift verewigt haben. Dieselbe Tiffinagh-Schrift l\u00e4\u00dft sich auch in schwedischen Felsbildern und einigen nordischen Dolmen in Form sogenannter Schalensteine nachweisen.\u00b3 Auch die Arbeiten Herman Wirths lieferten zahlreiche Hinweise auf den Schriftgebrauch im Nordeuropa der Fr\u00fchzeit.4 Zu ber\u00fccksichtigen bei der Betrachtung der Funde Nordeuropa ist dabei stets die vorauszusetzende \u2013 und f\u00fcr die Lokalisierung der Atlantis an dieser Stelle unvermeidliche \u2013 Naturkatastrophe, die sich gegen 1250 v.u.Zt. ereignet haben mu\u00df. Diese von Spanuth als Meteoriten-Einschlag gedeutete Katastrophe kann nunmehr mit einem in Skandinavien nachweisbaren Meteoriteneinschlag in Zusammenhang gebracht werden.  Auf der estnischen Insel Kaali wurden bereits vor einigen Jahren mehrere Krater entdeckt, die vom Einschlag eines wohl in mehreren Kilometer H\u00f6he auseinandergeborstenen Meteoriten stammen sollen. Der Hauptkrater hat einen Durchmesser von 110 m und ist 22 m tief. Die Kraft des Einschlags wird mit der Wirkung der Hiroshima-Atombombe verglichen (20 Kilotonnen TNT). W\u00e4hrend erste Sch\u00e4tzungen von einem Einschlagszeitraum um 6000 v. Zw. ausgegangen waren, datierten j\u00fcngere Untersuchungen das Ereignis auf die letzte H\u00e4lfte des 2. vorchristlichen Jahrtausends (3237 Jahre vor Heute), also genau auf den von Spanuth postulierten Zeitraum.5<br \/>\nIn der finnischen Mythensammlung \u201eKalevala\u201c findet sich, wie auch in anderen Erz\u00e4hlungen nordischer V\u00f6lker, die Geschichte von der Befreiung der Sonne durch einen jungen Gott, wobei in dieser Version ein Funke auf die Erde st\u00fcrzt und eine Feuersbrunst ausl\u00f6st. In der sich anschlie\u00dfenden Eisenzeit wurde der Hauptkrater zu einem Kultplatz erkoren und mit Wallanlagen versehen.<br \/>\nDie Folge des Einschlags war eine mehrere Jahrhunderte andauernde Periode, die als \u201edunkles Zeitalter\u201c bezeichnet wird. Die Katastrophe verursachte die Zerst\u00f6rung vieler St\u00e4dte der fr\u00fchen antiken Hochkulturen \u2013 der Hethiter, Mykener und \u00c4gypter \u2013 sowie das Auftreten von Ernteausf\u00e4llen und damit verbundener Hungerkatastrophen, die vor allem St\u00e4mme aus dem Norden zum Verlassen ihrer Heimat zwang. Auch die einstigen Stein-Tempel und \u2013H\u00e4fen in Nordeuropa wurden zerst\u00f6rt und von Wasser \u00fcbersp\u00fclt.  Ein Fund eines 1800 Jahre alten blauen Mantels aus dem Thorsberger Moor  weist auch auf die \u00fcberlieferte K\u00f6nigsw\u00fcrde hin. Tauchfahrten zum Steingrund vor Helgoland in den Jahren 1911, 1943 und von Spanuth selbst durchgef\u00fchrte zwischen 1950 und 1953 erbrachten dabei neben bearbeiteten Wegesteinen, und mehreren Kupfer- und Bronzeobjekten auch Reste von Steinbauten, was allerdings bis heute unbest\u00e4tigt blieb. Weiterhin wurde auch Elfenbein geborgen, welches jedoch wahrscheinlich Importst\u00fccke aus sp\u00e4terer Zeit waren. Wenn dieser Fund auch nicht das f\u00fcr Atlantis von Plato best\u00e4tigte Vorkommen von Elefanten im bronzezeitlichen Nordeuropa beweist, hat daf\u00fcr der Erkl\u00e4rungsansatz Steuerwalds einiges f\u00fcr sich, der \u2013 ausgehend von nordischen Felszeichnungen von Elefanten, die teilweise auf Schiffen stehend dargestellt werden, Transporte von Elefanten in den Norden annimmt, wo diese dann in den heutigen Tierparks \u00e4hnlichen Gehegen lebten \u2013 dadurch wird die Nordsee\u2013Lage zum einen der Plato\u2013\u00dcberlieferung gerecht und erkl\u00e4rt auch die Funde am Steingrund.6<br \/>\nUnterst\u00fctzend gelang es im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts an der Nordseek\u00fcste den Untergang zahlreicher Marschen und die Zerst\u00f6rung weiter K\u00fcstengebiete nachzuweisen. Am Ende der Bronzezeit, etwa um 1220 v. Zw., versanken in einer verheerenden Sturmflut ein gro\u00dfer Teil der Westk\u00fcste von Schleswig-Holstein und D\u00e4nemark sowie viele vorgelagerte Inseln. Diese Sturmflut wurde offensichtlich durch den Einschlag eines Kometen, des Phaeton der griechischen Sage, verursacht. Apollonios von Rhodos berichtet, da\u00df Phaeton in die M\u00fcndung des Eridanos st\u00fcrzte. Dadurch wurde die vermutliche K\u00f6nigsinsel Basilea, nahe der Hauptbernsteininsel Althelgoland verw\u00fcstet und versank teilweise unter dem Meer. Vieles von Plato beschriebene deckt sich mit der tats\u00e4chlich anzunehmenden Lage Helgolands, u.a. rotes, wei\u00dfes und schwarzes Gestein, das Vorhandensein von Kupfer sowie Bernstein, das hinter dem Orichailkos der Atlantis-\u00dcberlieferung stecken k\u00f6nnte, wie Spanuth vermutete.<br \/>\nEin besonderer Verdienst des pr\u00e4historisch geschulten Pastors aber war die Neudatierung der Atlantis-Geschehnisse in die Epoche der Bronzezeit und die Gleichsetzung mit den Seev\u00f6lkerangriffen im Mittelmeer um 1220 v. Zw. Laut Spanuth waren die dem Solon von \u00e4gyptischen Priestern genannten 9000 Jahre Mondjahre, die umgerechnet \u2013 1 Jahr = 12 Mondjahre \u2013 750 Jahre vor dem Besuch Solons in \u00c4gypten (um 565 v. Zw.) ergaben (ca. 1315 v. Zw.).  In \u00c4gypten waren die Angriffe der Seev\u00f6lker aus dem Norden im Totentempel Ramses\u2019 III. (ca. 1221\u20131156 v.\u00a0Zw.)  in Medinet Habu schriftlich nund bildlich festgehalten worden: Die bekanntesten der genannten V\u00f6lker waren die Pursta (prws\u1e6f) , die Danauna (d3jnjw)  und die Tursa (twr\u01613) , die heute als Philister, Danaer und Tyrsener bzw. Etrusker identifiziert werden und Spanuth zufolge aus Nord- und Mitteleuropa stammten. Die Naturkatastrophe um 1300 v. Zw. hatte die  sogenannte Urnenfelderbewegung ausgel\u00f6st, eine Zeitspanne, in der europ\u00e4ische Volksst\u00e4mme aus ihrer Heimat aufbrachen und in den S\u00fcden wanderten, wo sie als Dorische Wanderung Einzug hielt. Kurz darauf brechen mit dem endg\u00fcltigen Untergang der Kulturen der Hethiter, Trojaner und Mykener die dunklen Jahrhunderte an.  \u00a0  <\/p>\n<p>Literatur:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/parzifal-versand.de\/product_info.php?products_id=146\">Trojaburg Sonderausgabe Atlantis<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/parzifal-versand.de\/product_info.php?products_id=196\">J\u00fcrgen Spanuth: Das entr\u00e4tselte Atlantis<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/parzifal-versand.de\/product_info.php?products_id=197\">J\u00fcrgen Spanuth: Stollberg &#8211; ein altes friesisches Nationalheiligtum<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/parzifal-versand.de\/product_info.php?products_id=243\">Franz Altheim: Italien und die Dorische Wanderung<\/a><br \/>\n.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unvergessen bleibt dem Verfasser Ende der 1980er Jahre ein Exemplar J\u00fcrgen Spanuths (5. September 1907 &#8211; 17. 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