{"id":207,"date":"2025-03-30T12:07:19","date_gmt":"2025-03-30T12:07:19","guid":{"rendered":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=207"},"modified":"2025-03-30T12:09:58","modified_gmt":"2025-03-30T12:09:58","slug":"stand-eine-deutsche-atombombe-1945-kurz-vor-ihrem-einsatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=207","title":{"rendered":"Stand eine deutsche Atombombe 1945 kurz vor ihrem Einsatz?"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Die Vorsehung stehe uns bei, da\u00df diese Kriegstreiber erfolglos bleiben, denn wir w\u00fcrden in der Lage sein, uns dank neuer Waffenentwicklungen so zu wehren, wie es in der bisherigen Geschichte noch nie m\u00f6glich war. In meiner Schreibtischschublade verf\u00fcge ich \u00fcber Unterlagen zur Herstellung neuester, modernster Waffen, wozu mich nur ein Wunsch beseelt, sie nie zur Anwendung bringen zu m\u00fcssen, weil sie alles \u00fcbersteigen, was bisher als Kriegswaffe zur Verf\u00fcgung stand.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dieses Zitat Hitlers, das aus einem Interview mit dem deutschen Reichskanzler von 1939 stammt,1 gilt den meisten Historikern als Wunschtraum eines Phantasten. Denn die w\u00e4hrend des Krieges in Erscheinung getretenen Waffen \u2014 ob der Marschflugk\u00f6rper V1, die Rakete V2 oder die deutschen D\u00fcsenj\u00e4ger \u2014 vermochten allesamt nicht das Kriegsgl\u00fcck zugunsten der Deutschen zu wenden. Und da\u00df Hitler mit seiner Aussage schon Atombomben oder \u00e4hnliche, tats\u00e4chlich kriegsentscheidende Waffen im Sinn hatte, kann wohl ausgeschlossen werden. Zumindest war dies lange Zeit Konsens der Forschung, bis nach und nach eine ganze Reihe von direkt auf eine deutsche Atombombe bezogener Ger\u00fcchte und \u00c4u\u00dferungen diverser hochrangiger nationalsozialistischer Politiker bekannt wurde, die nahelegen, da\u00df doch mehr hinter den Versprechungen der Wunderwaffenrhetorik gesteckt haben k\u00f6nnte.<br \/>\nSo vermerkte der Sicherheitsdienst (SD) bereits im Juli 1943 \u201eErz\u00e4hlungen der Bev\u00f6lkerung\u201c \u00fcber eine \u201eneuartige Bombe\u201c. \u201eZw\u00f6lf derartige Bomben, die auf dem Prinzip der Atomzertr\u00fcmmerung konstruiert seien, w\u00fcrden gen\u00fcgen, eine Millionenstadt zu vernichten.\u201c2<br \/>\nDiese Spekulationen d\u00fcrften auf \u00c4u\u00dferungen von hochrangigen Politikern, m\u00f6glicherweise auch von an der Atomforschung beteiligten Personen zur\u00fcckgehen. Im gleichen Jahr \u2014 1943 \u2014 notierte etwa Reichspropagandaminister Joseph Goebbels in sein Tagebuch: \u201eDie Forschungen auf dem Gebiet der Atomzertr\u00fcmmerung sind so weit gediehen, da\u00df ihre Ergebnisse unter Umst\u00e4nden noch f\u00fcr die F\u00fchrung dieses Krieges in Angriff genommen werden k\u00f6nnen. Es ergeben sich hier bei kleinstem Einsatz derart immense Zerst\u00f6rungswirkungen, da\u00df man mit einigem Grauen dem Verlauf des Krieges, wenn er noch l\u00e4nger dauert, und einem sp\u00e4teren Krieg entgegenschauen kann.\u201c3<br \/>\nBereits ein Jahr zuvor \u2014 Ende April 1942 \u2014 hatte Generaloberst Erich Fromm, Befehlshaber des Ersatzheeres, ge\u00e4u\u00dfert, Kontakt zu einem Kreis von Wissenschaftlern zu unterhalten, \u201edie einer Waffe auf der Spur seien, die ganze St\u00e4dte vernichten k\u00f6nne.\u201c4<br \/>\nNoch konkreter erscheint eine, freilich umstrittene, \u00c4u\u00dferung des R\u00fcstungsministers Albert Speer, der im Januar 1945 von einem Atomexplosivstoff so gro\u00df wie eine Streichholzschachtel  gesprochen haben soll, der imstande w\u00e4re, \u201eganz New York zu zerst\u00f6ren\u201c.5<br \/>\n\u00c4hnlich \u00e4u\u00dferte sich auch der Reichsf\u00fchrer-SS, Heinrich Himmler, der gegen\u00fcber seinem Leibarzt Felix Kersten eine \u201eletzte Wunderwaffe\u201c erw\u00e4hnte, die noch nicht zum Einsatz gelangt sei: \u201eEin oder zwei Sch\u00fcsse und St\u00e4dte wie New York oder London werden vom Erdboden verschwinden\u201c.6<br \/>\nJa sogar der italienische Duce Mussolini, sprach im Vertrauen auf seinen deutschen Verb\u00fcndeten am 16. Dezember 1944 von neuen Raketen und Bomben \u201eunglaublicher Macht\u201c, die \u201eeine ganze Stadt in einem einzigen Augenblick zerst\u00f6ren\u201c k\u00f6nnten.4<br \/>\nSchlie\u00dflich bekr\u00e4ftigte Hitler selbst seit 1944 immer wieder in engstem Kreis seine Prophezeiung von 1939: Gegen\u00fcber dem erfolgreichen Schlachtflieger Hans-Ulrich Rudel bemerkte er, bald \u201efliegende Raketen\u201c einzusetzen mit \u201ekeinem normalen Sprengstoff\u201c, sondern \u201eetwas anderem, so gewaltigem, da\u00df sp\u00e4testens damit die Kriegsentscheidung fallen\u201c werde. Die Entwicklung daf\u00fcr sei \u201eschon weit fortgeschritten und mit der endg\u00fcltigen Fertigstellung bald zu rechnen\u201c. Gegen\u00fcber dem Oberstabsarzt Dr. Giesing wurde Hitler nach dem gescheiterten Attentat am 20. Juli 1944 noch deutlicher: \u201eIn allerk\u00fcrzester Zeit werde ich meine Siegeswaffen einsetzen und dann wird der Krieg ein glorreiches Ende nehmen. Das Problem der Atomzertr\u00fcmmerung ist seit langem gel\u00f6st, und es ist soweit ausgearbeitet, da\u00df wir diese Energie f\u00fcr R\u00fcstungszwecke benutzen k\u00f6nnen&#8230;\u201c4<br \/>\nKann dies alles nur Wunschdenken verblendeter Fanatiker sein, wie nicht nur Medien wie die \u201eWelt\u201c noch j\u00fcngst argw\u00f6hnten?5<br \/>\nEin Blick auf den Verlauf der Atomforschung und die in den letzten Jahren zu Tage getretenen Erkenntnisse sprechen eine andere Sprache. <\/p>\n<p><strong>Der Beginn der deutschen Atomforschung<\/strong><\/p>\n<p>Nach der Landung der Westalliierten in Italien und der auch dadurch gescheiterten Kursk-Offensive im Osten (16. Juli 1943) setzten Hitler und die deutsche Wehrmachtsf\u00fchrung gro\u00dfe Hoffnungen auf neue Waffenentwicklungen, welche die materielle und immer drohender zum Einsatz kommende \u00dcberlegenheit der Alliierten h\u00e4tten ausgleichen k\u00f6nnen. Dabei spielten vor allem Waffen eine Rolle, die der herk\u00f6mmlichen Geschichtsschreibung zufolge in Deutschland nicht existierten: Chemische, biologische und atomare (\u201eABC\u201c-) Waffen. Diese Tatsache d\u00fcrfte viele Leser \u00fcberraschen, herrschte doch bislang innerhalb der konventionellen Geschichtsschreibung die Meinung vor, entsprechende Waffen seien im 3. Reich nicht entwickelt worden. Zur Atombombe hei\u00dft es etwa im f\u00fchrenden Nachschlagewerk \u201eBrockhaus\u201c (16. Auflage 1952, S. 477): \u201eDie entsprechenden deutschen Versuche, die auf die Initiative des Heereswaffenamtes (Diebner) hin durchgef\u00fchrt und von Heisenberg (Hechingen) und Bothe (Heidelberg) geleitet wurden, entwickelten sich zun\u00e4chst vielversprechend, f\u00fchrten jedoch infolge Materialmangels nicht bis zum selbster-regten Uranbrenner. Der im April 1945 in Haigerloch gesprengte Versuchsbrenner besa\u00df etwa 85 % der ben\u00f6tigten kritischen Mindestmengen von Uranmetall und schwerem Wasser. Atombomben sind in Deutschland nicht hergestellt worden.\u201c<br \/>\n\u00c4hnlich lauten die bisherigen Schlu\u00dffolgerungen zu chemischen und biologischen Waffen. Grundlage f\u00fcr die Erkl\u00e4rung, warum Deutschland hier, anders als in anderen waffentechnologischen Bereichen, hinter den Alliierten herhinkte, waren dabei zumeist zwei Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze: Aufgrund seiner Verletzung und vor\u00fcbergehenden Erblindung in Folge eines Chemiewaffenangriffs im Ersten Weltkrieg habe Hitler eine nat\u00fcrliche Abscheu gegen chemische Waffen entwickelt. Die Atombombe hingegen soll Hitler entweder aufgrund strategischer Planungen \u2014 radioaktiv verseuchte Gebiete eignen sich schlecht f\u00fcr die Annektion \u2014 oder aus \u00e4hnlich gelagerten sentimentalen Regungen ebenso abgelehnt haben. Tats\u00e4chlich aber, so legen es zumindest neue Erkenntnisse nahe, gab es im Dritten Reich eine ausgedehnte Forschung an diesen so genannten \u201ekriegsentscheidenden\u201c Waffen, die sogar erfolgreich zum Abschlu\u00df gebracht wurde \u2014 freilich ohne da\u00df es zum Einsatz dieser Waffe kam.<br \/>\nIn Deutschland existierte dank der weltweit f\u00fchrenden chemischen Industrie schon eine l\u00e4ngere Tradition, chemische und physikalische Kenntnisse auch in die Waffentechnik einflie\u00dfen zu lassen. 1936 wurde in Berlin das neue Kaiser-Wilhelm-Institut (KWI) f\u00fcr Physik er\u00f6ffnet, das unter Leitung des bekannten niederl\u00e4ndischen Physikers und Nobelpreistr\u00e4gers Peter Debye stand, der ein K\u00e4ltelaboratorium und eine zu jener Zeit einzigartige Hochspannungsanlage einrichten lie\u00df. Zum Forschungsteam Debyes geh\u00f6rten auch die beiden jungen Physiker Carl Friedrich von Weizs\u00e4cker und Karl Wirtz, die noch eine wichtige Rolle im deutschen \u201eUran-Projekt\u201c spielen sollten.<br \/>\nIm Januar 1939 gelang dem Direktor des gleichnamigen Institutes f\u00fcr Chemie, Otto Hahn, in Zusammenarbeit mit Fritz Strassmann und Lise Meitner der Nachweis der Kernspaltung. Im April des gleichen Jahres wurde darauf hin an der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt in Berlin  eine \u201eArbeitsgemeinschaft f\u00fcr Kernphysik\u201c, der so genannte \u201eUranverein\u201c, eingerichtet.<br \/>\nParallel dazu hatte das Heereswaffenamt (HWA) auf Betreiben des Hamburger Physiochemikers Paul Harteck im s\u00fcdlich von Berlin gelegenen Gottow, nahe dem Artillerieversuchsgel\u00e4nde Kummersdorf, ein Versuchslabor f\u00fcr eine neue Kernforschungsabteilung unter Leitung von Kurt Diebner aufgebaut \u2014 die einzige milit\u00e4rische Nuklearforschungseinrichtung bei Kriegsausbruch weltweit!<br \/>\nDer Grund daf\u00fcr d\u00fcrfte ein Brief gewesen sein, den Harteck und Otto Groth am 24. April 1939 an das Amt richteten, in dem sie die Herstellung einer Atombombe vorschlugen.6 Harteck selbst betrieb an der Universit\u00e4t Hamburg einen Uranmeiler, mit dem er bereits im Mai 1940 das weltweit erste Reaktor-Experiment durchf\u00fchrte.<br \/>\nNach Kriegsausbruch wurde dann auf Betreiben des HWA, das in der Kernforschung schon fr\u00fch ein waffentechnisches Potential erkannte, Diebner auch zum gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Direktor des KWI f\u00fcr Physik ernannt und ihm damit die f\u00fchrenden Kernforscher unterstellt. Bereits im gleichen Jahr wurde der Nobelpreistr\u00e4ger und Mitbegr\u00fcnder der Quantenmechanik, der Leipziger Ordinarius f\u00fcr theoretische Physik, Werner Heisenberg, f\u00fcr eine Mitarbeit gewonnen.<br \/>\nDa mit Werner Heisenberg, Carl Friedrich von Weizs\u00e4cker und Karl Wirtz die f\u00fchrenden theoretischen Atomphysiker innerhalb des KWI und damit unter dem Dach des Uranvereins versammelt waren, beschr\u00e4nkte sich der sp\u00e4tere Blick der Historiker  auf diese Gruppe. Und tats\u00e4chlich gelang es diesen Wissenschaftlern weder einen Kernreaktor zum Laufen zu bringen, geschweige denn eine Atombombe herzustellen. Auch wenn die Gr\u00fcnde hierf\u00fcr kon-trovers diskutiert werden, stand das Versagen der Deutschen in Bezug auf die Atombombenforschung lange fest und erhielt nach Freigabe der abgeh\u00f6rten Gespr\u00e4che der im englischen Farm Hall internierten Atomphysiker nach dem Krieg vor wenigen Jahren scheinbar Best\u00e4tigung:<br \/>\nDenn Heisenberg selbst r\u00e4umte hier ein, da\u00df die Amerikaner ihnen wohl zuvorgekommen sind, die ebenfalls inhaftierten Gerlach und Diebner widersprachen nicht.7<br \/>\nTats\u00e4chlich aber war die bislang ausschlie\u00dflich im Blickfeld der Forschung liegende Forschergruppe um Heisenberg nicht die einzige und erst recht nicht die f\u00fchrende Kapazit\u00e4t auf dem Gebiet der Atomforschung.<br \/>\nSo verf\u00fcgten auch das Marinewaffenamt unter Leitung des Generaladmirals Karl Witzell und die Luftwaffe \u00fcber eigene Atomforschungseinrichtungen, in denen die Nuklearkraft vor allem als m\u00f6gliche Antriebsart neuer Entwicklungen erforscht werden sollte. Von der Arbeit beider \u00c4mter haben aber nur wenige Aktensplitter das Kriegsende \u00fcberdauert.<br \/>\nUntersch\u00e4tzt in Bezug auf die Kernforschung wird aber vor allem die Rolle der Reichspost, deren Leiter Wilhelm Ohnesorge, wohl auch aufgrund seiner guten Kontakte zu Hitler, eine Reihe kriegswichtiger Projekte \u00fcbernahm. Hier war unter anderem Manfred von Ardenne t\u00e4tig, der in Berlin ein Zyklotronlabor betrieb.<br \/>\nBereits 1941 hielt der Leiter der Reichspostforschungsanstalt (RPF), Prof. Friedrich Gladenbeck, eine Vorlesung f\u00fcr Offiziere der Wehrmacht mit dem aussagekr\u00e4ftigen Titel: \u201eDie Bedeutung der Atomspaltung f\u00fcr den Bau einer Bombe mit bisher unbekannter Explosionskraft\u201c.8<br \/>\nWie erfolgreich die RPF in ihren Forschungen tats\u00e4chlich war, ist allerdings umstritten: Ger\u00fcchteweise war es gelungen, in einem bis heute unbekannten unterirdischen  Standort im Harz Uran anzureichern. Dies \u00e4u\u00dferte zumindest Hitler nach Aufzeichnungen Henry Pickers im FHQ bereits Ende 1943:<br \/>\n\u201eDie Serienfertigung dieser kleinen Atombombe sollte in einem unterirdischen SS-Werk im S\u00fcdharz\u201c anlaufen, womit eine unterirdische Forschungseinrichtung (S-III) am Truppen\u00fcbungsplatz Ohrdruf\/Jonastal gemeint gewesen sein d\u00fcrfte.9<br \/>\n\u201eDiese kleine Atombombe\u201c bezog sich vermutlich auf eine Uraniumbombe,  deren Herstellung man \u2014 anders als etwa bei der Plutoniumbombe \u2014 keinen Atomreaktor ben\u00f6tigte, den es fr\u00fchestens 1944 gegeben haben kann. Vielmehr konnte f\u00fcr eine Uranbombe Uranium durch Isotopentrennung in speziellen, etwa von Harteck entwickelten Zentrifugen, Bagges  \u201eIsotopen-Schleusen\u201c oder von Ardennes Zyklotronen angereichert werden \u2014 verschiedene Methoden, welche den Deutschen zur Verf\u00fcgung standen, nicht aber den Amerikanern, die daf\u00fcr die viel langsamere Methode der Gasdiffusion verwendeten.10<\/p>\n<p><strong>Erfolge vor Kriegsende<\/strong><\/p>\n<p>Der wichtigste Organisator der deutschen Atomforschung blieb  trotz der gro\u00dfen Erfolge Ardennes bei der RPF offenbar Kurt Diebner. Zwar trat er 1942 als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des KWI f\u00fcr Physik zur\u00fcck, arbeitete aber bereits seit 1939 im Rahmen des HWA in Gottorf an thermonuklearen Reaktionen durch Hohlladungen. Ab Januar 1944 wurde Diebner Stellvertreter des Beauftragten des Reichsforschungsrates f\u00fcr die kernphysikalische Forschung, Prof. Walther Gerlach in Berlin-Dahlem.<br \/>\nMit Gerlachs Unterst\u00fctzung setzte Diebners Team seine Arbeiten fort. Bis Fr\u00fchjahr 1944 liefen die Vorbereitungen an einem Reaktorversuch in der Anlage in Gottow, die aber laut Nachkriegsdarstellung Diebners erfolglos abgebrochen wurden. Wie der Historiker Rainer Karlsch nun vor wenigen Jahren nachweisen konnte, wurde die Gottower Anlage bis Herbst 1944 weiter betrieben, n\u00e4mlich solange, bis der Mehrstufenreaktor im vierten Anlauf (Versuch \u201eG-IV\u201c) endlich zum Laufen gebracht wurde.<br \/>\nWarum aber verschwieg Diebner, der bereits nach dem vorangegangenen Versuch G-III seine Vorgesetzten \u00fcber die kurzfristige Machbarkeit einer Atombombe informiert hatte, diesen Erfolg? Dieses Schweigen mu\u00df um so mehr erstaunen, als er Mitte 1955, unmittelbar nach Aufhebung des alliierten Verbotes der Kernforschung innerhalb der BRD,  ein Patent auf den Bau eines zweistufigen Reaktors anmeldete \u2014 eines Reaktors, der jenem von 1944 auff\u00e4llig \u00e4hnelte.11<br \/>\nNeuesten Erkenntnissen zufolge war es der Gruppe um Diebner oder parallel forschenden Gruppen in den letzten  Kriegsmonaten gelungen, doch noch eine Kernwaffe zu bauen. W\u00e4hrend die offizielle Darstellung die Bem\u00fchungen deutscher Wissenschaftler im deutsch-amerikanischen Wettlauf um die Atombombe im Juni 1942 enden l\u00e4sst, wurde tats\u00e4chlich weiter geforscht und wohl im Sommer 1944 ein Durchbruch erzielt, der zum \u201ePrototypen\u201c einer Atombombe f\u00fchrte, die kurz darauf getestet worden sein soll.12<br \/>\nDieser \u201eAtomwaffentest\u201c  soll auf dem Truppen\u00fcbungsplatz Ohrdruf stattgefunden haben und war schon vor einigen Jahren von mehreren Forschern erw\u00e4hnt worden. J\u00fcngst best\u00e4tigte nun auch der Historiker Rainer Karlsch in der ersten Beweisf\u00fchrung mit akademischem Hintergrund zur deutschen Nuklearwaffe diesen Test, der dennoch bis heute umstritten ist.13<br \/>\nDie Tochter der fr\u00fcheren Hausverwalter der nordwestlich von Arnstadt und unweit Ohrdrufs gelegenen Wachsenburg, Claire Werner, erinnerte sich, da\u00df am 4. M\u00e4rz \u00fcber dem Truppen\u00fcbungsplatz Ohrdruf ein Licht zu beobachten war, da\u00df \u201etausendmal heller gewesen sei als normale Blitze\u201c. Die kurze Explosion sei \u201einnen rot und au\u00dfen gelb\u201c gewesen. Am folgenden Tag h\u00e4tte sie ebenso wie viele andere Anwohner unter Nasenbluten, Kopfschmerzen und einem unangenehmen Ohrendruck gelitten. Am Nachmittag, so die Augenzeugin weiter, seien dann 100 bis 150 Wehrmachts- und SS-M\u00e4nner im Ort eingetroffen, um Leichen zu beseitigen. Bei diesen habe es sich um bei dem Test umgekommene Insassen des Konzentrationslagers Ohrdruf gehandelt. Diese Angaben best\u00e4tigte der Zeuge Heinz Wachsmut, der gegen\u00fcber einem DDR-Untersuchungsausschu\u00df aussagte, da\u00df er an diesem Tag ebendort gemeinsam mit Soldaten und H\u00e4ftlingen \u201eH\u00e4ftlingsleichen mit starken Brandwunden auf Holzst\u00f6\u00dfen verbrannt h\u00e4tte\u201c. \u00dcberlebende des vermutlichen Waffentests h\u00e4tten ihm gegen\u00fcber von einem gewaltigen Feuerblitz berichtet, der den Verletzungen vorangegangen sei. Schlie\u00dflich habe ihm nach der Aktion ein SS-Mann anvertraut, da\u00df die H\u00e4ftlinge Opfer einer \u201eneuen Waffe geworden w\u00e4ren, von der die Welt noch viel h\u00f6ren werde.\u201c14<br \/>\nLaut Zeit-Online sollen insgesamt f\u00fcnf Physikprofessoren durch Messungen best\u00e4tigt haben, da\u00df \u201ein Ohrdruf Spuren eines nuklearen Ereignisses vorhanden\u201c seien. Karlsch h\u00e4lt die hier verwendete Bombe f\u00fcr eine Art \u201eschmutzige Bombe\u201c, also eine konventionelle Spreng- bzw. Hohlladung, die mit nuklearem Material angereichert war, das durch die Sprengung eine thermonukleare Fusion ausl\u00f6sen sollte. \u00c4hnlich die Einsch\u00e4tzung des britischen  Forschers Mark Walker, der meint, die verwendete Bombe sei, \u201enicht mit den Atombomben zu vergleichen, die im folgenden August \u00fcber Japan abgeworfen werden sollten\u201c, aber immerhin einr\u00e4umt, \u201eda\u00df eine Gruppe deutscher Wissenschaftler nach eigenem Daf\u00fcrhalten zweifellos eine Kernwaffe entwickelte und testete\u201c.15<br \/>\nZwischen 2012 und 2016 von dem Ingenieur Peter Lohr durchgef\u00fchrte Georadarmessungen von Objekten innerhalb unterirdischer Stollen im Jonastal sollen ebenfalls darauf hinweisen, da\u00df hier Atombomben gefertigt und gelagert wurden. Daf\u00fcr spreche laut Lohr sowohl die \u00e4u\u00dfere Kontur als auch die sehr ungew\u00f6hnliche, asymmetrische Dichteverteilung mehrerer gemessener K\u00f6rper. Diese w\u00e4re bei konventionellen Bomben aufgrund ihrer recht homogenen Sprengstofff\u00fcllung nicht erkl\u00e4rbar und k\u00f6nnte auf eine Atombombe nach dem Kanonen-Konstruktionsprinzip von \u201eLittle Boy\u201c, die auf Hiroshima abgeworfen wurde, hindeuten.16<br \/>\nDiebner und Gerlach jedenfalls hielten die neue Waffe und den damit verbundenen Test streng geheim. Keiner der anderen am Uranprojekt beteiligten Wissenschaftler, noch nicht einmal Heisenberg und Weizs\u00e4cker, erfuhren etwas davon.<br \/>\nDaf\u00fcr da\u00df die Nuklearforschung Diebners zur Fertigstellung einer Atombombe f\u00fchrte, sprechen indes noch weitere Hinweise:<br \/>\nSo existieren US-Dokumente, die unter im th\u00fcringischen Stadtilm bei Kriegsende beschlagnahmten Gegenst\u00e4nden auch eine \u201eKleinst-Atombombe\u201c auff\u00fchrten. Im nahe Ohrdruf gelegenen Stadtilm hatte Diebner im Herbst 1944 ein Versuchslabor eingerichtet und mit Uranw\u00fcrfeln experimentiert. Ein Grund f\u00fcr  den Wissenschaftler, seinen Erfolg nach dem Krieg zu verschweigen, k\u00f6nnte mit seiner Schweigeverpflichtung auch gegen\u00fcber der diese Nukleartests kontrollierenden Gruppe zusammenh\u00e4ngen: SS-M\u00e4nnern unter Leitung des 1943 zum Sonderbeauftragten des F\u00fchrers f\u00fcr alle V-Waffen ernannten SS-Generals Hans Kammler.<br \/>\nWie die Privatforscher Thomas Mehner, Edgar Meyer und Harald F\u00e4th erstmals nach jahrelangen Recherchen herausfanden, hatten mehrere Gruppen Erfolg mit der Herstellung von Atombomben, so da\u00df mindestens drei verschiedene Typen von Atomwaffen fertig gestellt wurden \u2014 zwei davon unter Regie der SS. Den Autoren zufolge hatte die SS bereits 1939 im K\u00f6ln-Bonner Raum eine Forschungsgruppe  zur Entwicklung atomarer Waffen eingerichtet, die w\u00e4hrend des Krieges um andere geheime Einrichtungen in Ohrdruf (Th\u00fcringen) und Pilsen (B\u00f6hmen) \u2014 m\u00f6glicherweise auch bei Auschwitz \u2014 erweitert wurde, um 1944 erste \u201eeinsatzbereite Waffensysteme liefern zu k\u00f6nnen.\u201c17<br \/>\nGenau in diesem Jahr, zeitgleich zum vermutlichen Durchbruch, den Diebner und SS-Ingenieur Dr. Seiffert im Juli 1944 beim Bau einer Atombombe erzielten, \u00fcbernahm SS-General Kammler schrittweise die Kontrolle \u00fcber die gesamte Atom-Forschung.<br \/>\nIn einem Interview enth\u00fcllte der damalige Chefadjutant von Himmler (seit 1. April 1942), SS-Sturmbannf\u00fchrer Werner Grothmann im Jahr 2000, da\u00df die SS-Nuklearforschung 5000 Personen bzw. Projekte beinhaltete, auf die nur wenige SS-Offiziere Zugriff hatten. Die verschiedenen Gruppen \u2014 neben Diebner, Gerlach und Werner Schwietzke wird auch eine Gruppe \u00f6sterreichischer Physiker erw\u00e4hnt (Prof. Georg Stetter)\u2014 wurden von einer SS-Koordinierungsstelle kontrolliert, von der sich Himmler regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber den aktuellen Stand der Forschung unterrichten lie\u00df. Im M\u00e4rz 1945 soll Grothmann zufolge sogar ein SS-eigener Uranreaktor angelaufen sein.18<\/p>\n<p><strong>Ein deutscher Kernreaktor in St. Georgen?<\/strong><\/p>\n<p>Wo genau, dazu schwieg der ehemalige Chefadjutant. Nun liegen neue Erkenntnisse vor, da\u00df sich dieser Kernreaktor im Gebiet der \u201eAlpenfestung\u201c befunden haben k\u00f6nnte, und zwar bei St. Georgen an der Gusen. Hier wurde ein auff\u00e4lliges Beton-Oktogon ausfindig gemacht, das an einen Reaktoraufbau erinnert. Unweit des mysteri\u00f6sen Bauwerkes befindet sich das unterirdische Produktionswerk \u201eBergkristall\u201c, das offiziell lediglich Me-262-D\u00fcsenjets produzieren sollte. Nunmehr aufgefunde Baupl\u00e4ne belegen aber, da\u00df das Werk anders als bislang angenommen, nicht eingeschossig \u00fcber acht km, sondern auf mehreren Ebenen fast 40 km umfa\u00dfte. Hier sollten, so Dr. Matthias Uhl, nicht nur D\u00fcsenj\u00e4ger, sondern die tats\u00e4chlichen deutschen Wunderwaffen produziert werden, um den Kriegsausgang im letzten Moment doch noch zu wenden. Die wichtigste Waffe dabei d\u00fcrfte die Atombombe gewesen sein.19<br \/>\nReine Spekulation, wie etwa Welt.online in Reaktion auf den f\u00fcr \u00f6ffentlich-rechtliche Verh\u00e4ltnisse sensationellen Dokumentarfilm meint?<br \/>\n Tats\u00e4chlich hatte die Atomforschung innerhalb der SS eine l\u00e4ngere Tradition, die trotz aller quellentechnischen L\u00fccken belegt werden kann: Bereits 1942 war in Anbindung an das SS-Wissenschaftsinstitut, das \u201eSS-Ahnenerbe\u201c, an der Reichsuniversit\u00e4t Stra\u00dfburg ein Lehrstuhl f\u00fcr Kernphysik eingerichtet worden, dem auch ein Cyclotron zur Verf\u00fcgung gestellt werden sollte. Erg\u00e4nzend sollte die Karstwehr-Abteilung des \u201eAhnenerbes\u201c das in H\u00f6hlen entstehende Neueis auf die Anreicherung mit schwerem Wasser untersuchen, was allerdings verneint wurde.<br \/>\nUnd auch die dem \u201eAhnenerbe\u201c unterstellten, aus H\u00e4ftlingen in Sachsenhausen gebildeten Abteilungen f\u00fcr Mathematik und Physik arbeiteten bis zuletzt an Projekten, die mit dem Einsatz einer \u201eentscheidenden Vergeltungswaffe\u201c im Zusammenhang standen. Der Forscher Igor Witkowski nennt  als geheime Koordinierungsstelle innerhalb des Waffenamtes der Waffen-SS die Einrichtung \u201eFEP\u201c (Forschungen, Erfindungen, Patente\u201c), die Kernforschungszentren in Glau und in Pilsen unterhalten habe. Letzteres diente dabei auch der Entwicklung atomarer Antriebe.20<br \/>\nGem\u00e4\u00df dem letzten Forschungsstand k\u00f6nnen heute bis zu neun Standorte geheimer Nuklearforschung innerhalb des 3. Reiches eruiert werden:21<\/p>\n<p><strong>Standorte der Atom-Forschung<\/strong><\/p>\n<p>1. Truppen\u00fcbungsplatz Ohrdruf und Jonastal in Th\u00fcringen<br \/>\nAngelegt seit 1940 umfa\u00dfte der gesamte Bereich eine Fl\u00e4che von 750.000 m\u00b2. Unterirdisch wurden hier Teile f\u00fcr die V2-Rakete produziert sowie Nuklear-Forschungen betrieben. Im nahegelegenen Stadtilm befand sich ein Versuchsreaktor, eine \u201eUranmschine\u201c. Unbest\u00e4tigten Ger\u00fcchten zufolge soll hier auch an Rundfl\u00fcgelflugzeugen bzw. Flugscheiben gearbeitet worden sein.22  <\/p>\n<p>2. Anlage \u201eRiese\u201c in Niederschlesien<br \/>\nDas Projekt Riese war urspr\u00fcnglich \u2013 bis zum Beinahe-.Zusammenbruch der Ostfront im Sommer 1944 \u2013 als F\u00fchrerhauptquartier vorgesehen, wurde seit 1943 als Verteidigungsbastion im Stil der sp\u00e4teren Alpenfestung ausgebaut. Hier befanden sich auf mehr als 213.000 m\u00b2 unterirdische Produktionsst\u00e4tten f\u00fcr Raketen und D\u00fcsenflugzeuge sowie eine Anlage f\u00fcr Nuklearforschung. <\/p>\n<p>3. Objekt \u201eR\u00fcdiger\u201c bei Waldenburg in Schlesien<br \/>\nIn dieser unweit der \u201eRiese\u201c-Anlage gelegenen kleinen unterirdischen Anlage nahe des Schlo\u00df Waldenburg wurden laut Autor Igor Witkowski  Forschungen mit dem Projekt \u201eGlocke\u201c betrieben.<\/p>\n<p> 4. Reichspost-Amt 2000 Gro\u00df-Rosen<br \/>\nDiese gemeinsam von der Reichspost und der SS in oberirdisch angelegten Baracken betriebene Einrichtung befa\u00dfte sich mit Hochfrequenzforschung. <\/p>\n<p>5. Truppen\u00fcbungsplatz B\u00f6hmen-Dessen<br \/>\nZur Errichtung unterirdischer Anlagen auf dem Truppen\u00fcbungsplatz B\u00f6hmen-Dessen, nahe der Stadt Stechowitz (Stechovice), soll eigens ein Flu\u00df umgeleitet und ein Staubecken angelegt worden sein. \u00dcber die genaue Forschung der SS in dieser Anlage ist nichts bekannt, da die Alliierten diese Anlage aufgrund besonderer Sicherungsma\u00dfnahmen nicht entdeckt h\u00e4tten. Vor einigen Jahren wurden nahe Stechowitz noch immer geladene Batterien (\u201eKammler-Batterien\u201c) aufgefunden. <\/p>\n<p>6. Anreicherungsanlage Joachimsthal im Erzgebirge<br \/>\n(Sudetenland)<br \/>\nWenige Monate vor Kriegsende soll es zur Errichtung einer Anlage zur Ausbeutung der nahe Joachimsthal gelegenen Uranerzminen und Uranreicherung durch Teilchenbeschleuniger gekommen sein. Es wird spekuliert, da\u00df hier die urspr\u00fcnglich bei Hennigsdorf angesiedelte AEG-Neutronengenerator-Anlage unter Kommando der SS ein neues Domizil gefunden hat, die 1943 durch einen Bombenangriff schwer besch\u00e4digt worden war.<\/p>\n<p>7. Skoda-Werke Br\u00fcnn (\u201eKammler-Denkfabrik\u201c)<br \/>\nEine Reihe von Forschungen erfolgte in den Skoda-Werken bei Br\u00fcnn, wo verschiedenen Autoren zufolge bis Anfang 1945 die F\u00e4den f\u00fcr die SS-Forschungen in einer Art Denkfabrik zusammenliefen.<\/p>\n<p>8. Anreicherung- und Testanlage in Auschwitz<br \/>\nEbenfalls in Zusammenhang mit der Urananreicherung wird immer wieder das Konzentrationslager Auschwitz genannt. Nachweisbar ist ein entsprechender Stromverbrauch, der \u00fcber dem der St\u00e4dte Berlin und Hamburg zusammen lag. Hier wurde auch Uraninit (Pechblende) in Uran umgewandelt.23 Am Ende des Krieges soll es auch zu einem Test gekommen sein, in dem Hunderte KL-H\u00e4ftlinge umkamen.  <\/p>\n<p>9. Alpenfestungs-Anlagen Quarz u.a. (St. Georgen)<br \/>\nObgleich oft als Mythos bezeichnet, liefen die Vorbereitungen zur Errichtung der Alpenfestung seit 1943. Am 24. April 1945 erlie\u00df Adolf Hitler einen Befehl, dem zufolge s\u00e4mtliche noch verf\u00fcgbare Kr\u00e4ften den R\u00fcckzug in die Alpenfestung antreten sollten. Dort waren bis Fr\u00fchjahr 1945 neben Produktionsst\u00e4tten f\u00fcr Raketen und D\u00fcsenflugzeuge auch Nuklearforschungsabteilungen nebst funktionsf\u00e4higem Reaktor eingerichtet worden.<\/p>\n<p>Auszug aus der aktuellen Ver\u00f6ffentlichung:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/parzifal-versand.de\/product_info.php?products_id=323\">Dennis Kr\u00fcger: Wunderwaffen &#038; Geheimprojekte <\/a> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Vorsehung stehe uns bei, da\u00df diese Kriegstreiber erfolglos bleiben, denn wir w\u00fcrden in der Lage sein, uns dank neuer Waffenentwicklungen so zu wehren, wie es in der bisherigen Geschichte noch nie m\u00f6glich war. 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