{"id":219,"date":"2025-05-08T14:50:51","date_gmt":"2025-05-08T14:50:51","guid":{"rendered":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=219"},"modified":"2025-05-08T14:56:24","modified_gmt":"2025-05-08T14:56:24","slug":"die-felsenbilder-von-bohuslaen-eine-bildergeschichte-aus-der-der-altsteinzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=219","title":{"rendered":"Die Felsenbilder von Bohusl\u00e4n &#8211; eine Bildergeschichte aus der Altsteinzeit?"},"content":{"rendered":"<p>1924 erschien im renommierten Georg Westermann-Verlag ein Buch, das in der Folgezeit f\u00fcr einiges Aufsehen sorgen sollte: \u201eDie Entdeckung des Paradies\u201c des Autors Franz von Wendrin. Franz Wydrinski, so der richtige Name des Verfassers, versuchte sich hier an dem Nachweis, da\u00df sich die biblische Paradiesgeschichte in Mecklenburg abgespielt habe. Dort h\u00e4tten schon um 200.000 v. Zw. (v. Chr.) (Vor-)Germanen gelebt, die um 150.000 v. Zw. den Stamm der Ebr\u00e4er, die als Sklaven der Germanen im Norden lebten, nach einem Aufstand vertrieben h\u00e4tten, was den Kern der biblischen Paradiesgeschichte darstelle.<br \/>\nWendrins Beweis f\u00fcr diese abenteuerliche Version seiner Fr\u00fchgeschichte entnahm er den schwedischen Felsbildern von Bohusl\u00e4n und Tanum, die er erstmals entschl\u00fcsselt haben wollte. Diese Piktogramme, so der Verfasser, entstammten n\u00e4mlich nicht Bronze- und Jungsteinzeit, wie es die heutige Lehrmeinung behauptet, sondern seien bis zu 200.000 Jahre alt. In der hier vorliegenden Ver\u00f6ffentlichung wollte Wendin 1925 den wissenschaftlichen Nachweis seiner Behauptung erbringen, da\u00df sich die biblische Paradiesgeschichte in Norddeutschland abspielte und von den \u201everr\u00e4terischen Ebr\u00e4ern\u201c in ihrer neuen Heimat in der Levante verf\u00e4lscht und adaptiert wurde. Da es ihm aber gelungen sei, in den Felsbildern \u201eeine bisher unbekannte Schrift\u201c zu entdecken und zu entziffern, sei es ihm m\u00f6glich gewesen, nicht nur die genaue Lage des Paradieses endg\u00fcltig zu kl\u00e4ren sondern auch alle \u00fcbrigen Fragen der Menschheitsgeschichte zu l\u00f6sen.<br \/>\nBei genauerer Betrachtung mu\u00df man dem Verfasser zumindest eine rege und ausschweifende Phantasie bescheinigen, die allerdings in einem stellenweise unertr\u00e4glichen antisemitischem Duktus vorgetragen wird, der in der Behauptung gipfelt, die in Nordeuropa lebenden Ebr\u00e4er seien eine kurzbeinige h\u00e4\u00dfliche Halbaffen-Rasse (Neandertaler) gewesen, die von den Vorgermanen eingefangen und abgerichtet worden sei. Auch zahlreiche weitere Beispiele der sprachlichen Artistik des Verfassers, etwa da\u00df die Asen \u201eniederrassige Ebr\u00e4er und nicht Germanen\u201c gewesen seien und Wotan identisch mit Adam sei, riefen bei Gelehrten teils heftigen Widerstand hervor.<br \/>\nMan k\u00f6nnte vor diesem Hintergrund die gesamte phantastische Geschichte des mecklenburgischen Paradieses und der Entzifferung der Felsbilder getrost vernachl\u00e4ssigen und Wendrins Werk zu den Akten legen, wenn es nicht einige erstaunliche Entdeckungen des Verfassers gegeben h\u00e4tte, die zum Nachdenken anregen. Zum einen sp\u00fcrte er auf den Felsbildern eine Darstellung auf, die ohne viel Phantasie als Abbildung des Sternbildes \u201eGro\u00dfer Wagen\u201c gedeutet werden kann. Das besondere an der Darstellung war dabei eine auff\u00e4llige Positionsabweichung eines der Sterne, \u03b1 Ursae majoris. Laut einem astronomischen Gutachten, das Wendrin nach seiner Entdeckung in Auftrag gegeben hatte, entsprach diese Abweichung der Erscheinung des Sternbildes innerhalb einer Zeitspanne von etwa 200.000 Jahren.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus entdeckte Wendrin ein Piktogramm, das einen drei \u00c4ste tragenden Baum abbildete, an dem auf der rechten Seite eine Gestalt erkennbar war, die von Wendrin als \u201eGeh\u00e4ngter\u201c bzw. \u201eGekreuzigter\u201c interpretiert wurde. F\u00fcr den damaligen Verfasser ein eindeutiger Beweis f\u00fcr die ebenfalls in Norddeutschland zu lokalisierenden Geschichten \u00fcber Jesus Christus.<br \/>\nBis in die heutige Zeit werden diese beiden Piktogramme dem Besucher des in Bohusl\u00e4n befindlichen Informationszentrum zu den Felsbildern ebenso vorenthalten, wie dem Leser der wenigen \u00fcber die Piktogramme ver\u00f6ffentlichten B\u00fccher.         <\/p>\n<p><strong>\u00dcber den Autor Franz von Wendrin<\/strong><\/p>\n<p>Geboren wurde der Autor am 4. Oktober 1884 in Altendorf bei Ratibor als Franz Wydrinski. Bevor sich Wydrinski zu Beginn  der 1920er Jahre den adlig klingenden Namen zulegte, nannte sich die Familie Wiehring. Der Verfasser einer biographischen Skizze \u00fcber Wendrin, Armin Geus, vermutet hinter der Namens\u00e4nderung den Versuch, \u201eVermutungen \u00fcber polnische Vorfahren\u201c zu verschleiern. Zugleich konnte damit die Verbindung zu einem zur\u00fcckliegenden Strafproze\u00df gekappt werden, in dem es um die F\u00e4lschung von Banknoten ging, die Wendrin gemeinsam mit den Br\u00fcdern  Erwin und Bruno Pofahl \u00fcber seine Berliner Wohnung in der Holzmarktstrasse 48a betrieb, die \u201eeine Werkstatt zur Herstellung gef\u00e4lschter Tausendmarkscheine\u201c beherbergte.<br \/>\nAus einem Bericht der Berliner \u201eVossischen Zeitung\u201c vom 15. September 1921 wurde unter der Schlagzeile \u201eDer Philosoph als Falschm\u00fcnzer\u201c \u00fcber den Fall und den Tatverd\u00e4chtigen Wydrinski berichtet. Demnach war Wydrinski gelernter Lithograph, lebte vor\u00fcbergehend in der Schweiz und habe unweit Hemmen\u00adtal bei Schaffhausen eine Plattenkalklagerst\u00e4tte entdeckt, die er mit einer zu diesem Zweck gegr\u00fcndeten Kapitalgesellschaft auszubeuten beabsichtigte. Daneben bet\u00e4tigte sich Wydrinski aber auch als Philosoph, Forscher und Autor, habe eine nach ihm benannte Kurzschrift erfunden, Weihnachten 1920 eine Brosch\u00fcre \u00fcber die Systematik aller Begriffe und die Entdeckung der Kategorien als L\u00f6sung aller philosophischen Probleme herausgegeben, zugleich die Grundlage zu einer wissenschaftlichen Normalsprache. Wydrinski k\u00fcndigte darin au\u00dferdem \u201edie Aufstellung eines ganz neuen Farbsystems, eine Neueinteilung der che\u00admischen Elemente, eine neue Kalendereinteilung, eine Gewebeeinteilung und ein Begriffszahlensystem an.\u201c<br \/>\nAn der Herstellung gef\u00e4lschter Banknoten habe er sich nicht aus Eigennutz beteiligt, vielmehr wollte er mit dem Geld seine wissenschaftlichen Reformpl\u00e4ne finanzieren, um sie gegen den Widerstand der etablierten Wissenschaft durchzusetzen.<\/p>\n<p><strong>War Franz von Wendrin geisteskrank?<\/strong><\/p>\n<p>In dem hier vorliegenden Werk f\u00fchlte sich Wendrin dazu berufen, den gegen ihn vorgebrachten Vorw\u00fcrfen entgegenzutreten:<br \/>\n\u201eW\u00e4hrend jeder Ostjude, mag er nun Feitel, Schmul oder Itzig hei\u00dfen,sich ohne jegliche Berechtigung den deutschen Namen Wendriner zulegen darf, nur deshalb, weil er einst als Schnapsjude auf einem der Stammg\u00fcter meiner Familie, Gut Wendrin bei Rosenberg in Schlesien, angestellt war, von den Beh\u00f6rden wohlwollend geduldet wird, werden umgekehrt mir von anderer Seite, wenn ich als Deutscher meinen echten uralten Namen vor Verf\u00e4lschung bewahren will und mich gegen Sla\u00advisierung str\u00e4ube, alle Schwierigkeiten in den Weg gelegt.\u201c<br \/>\nUnd auch die Strafprozesse gegen ihn bezeichnete Wendrin als haltlose Verleumdungen, obgleich er selbst die Tat indirekt einr\u00e4umt, wenn er im vorliegenden Werk schreibt: \u201eUnsere be\u00adr\u00fcchtigte Papiermark unter der ebr\u00e4isch-jesuitischen Regierung ist ein bezeichnendes Beispiel daf\u00fcr. Wer kl\u00fcger war und sich gegen einen solchen Betrug wehrte, den hat man dann rasch, obwohl er unschuldig war, f\u00fcr einen F\u00e4lscher erkl\u00e4rt, und nicht etwa die niederrassigen Ebr\u00e4er, die die wirklichen F\u00e4lscher waren.\u201c<br \/>\nBez\u00fcglich seines auch in der heute als antisemitisch geltenden \u201eDeutschen Zeitung\u201c in Frage gestellten Geisteszustandes lie\u00df er eigens ein Gutachten anfertigen, das ihm \u201eauf Grund einer eingehenden Untersuchung und Beobachtung\u201cbescheinigte, \u201egegenw\u00e4rtig nicht an Paralyse zu leiden und auch nie fr\u00fcher daran gelitten zu haben.\u201c<br \/>\nDessen ungeachtet res\u00fcmiert Gnaus, da\u00df \u201edie pathologische Dimension der Germanomanie Wydrinskis [&#8230;] jede kritische Distanz zur eigenen Arbeit\u201c verhinderte und kein Zweifel \u201edie wahnhafte Fiktion vom deutschen Paradies irritieren\u201c konnte.<br \/>\nEin Urteil, dessen realistische Einsch\u00e4tzung in der R\u00fcckschau leicht f\u00e4llt, zumal auch vieles zumindest f\u00fcr einen schwierigen Charakter Wendrins spricht. Als auff\u00e4llig ist indes festzuhalten, da\u00df der antisemitische Grundton Wendrins teils auch von seinen Gegnern beherrscht wurde, von denen einige den Verfasser selbst als \u201egetarnten Hebr\u00e4er\u201c bezeichneten. <\/p>\n<p><strong>F\u00fcrsprecher Wendrins<\/strong><\/p>\n<p>Doch neben der harschen Kritik, gab es auch eine nicht geringe Zahl an F\u00fcrsprechern Wendrins, die sich vor allem aus dem ariosophischen Lager des J\u00f6rg Lanz von Liebenfels rekrutierten. Letzterer erw\u00e4hnte Wendrin wohlwollend in seinen Publikationen und lobte dessen Arbeit. Auch der Edda-Forscher Rudolf John Gorsleben sah die Paradies-Arbeit positiv, wenn auch nicht \u00fcberschwenglich: \u201eWer mit den neuen Forschungen arischer Kultur und Geschichte nicht vertraut ist, wer List, D\u00f6llinger, Wieland und manch andere nicht gelesen hat, &#8230; mu\u00df ein Buch wie das von Wendrin f\u00fcr dumm oder abgefeimt halten. &#8230; Nachdem es unzweifelbar geworden ist, da\u00df der Ausgang der arischen Rasse und damit aller Kultur, vor allem der vor\u00adgeschichtlichen, von Norden kam, so ist das Paradies, die erste Wirkungs\u00adst\u00e4tte der noch reinen Gottmenschen-Rasse, auch nur im Norden zu suchen. \u201c Zahlreiche Zeitungen brachten positive Berichte, wie etwa die \u201eSchlesische Volksstimme\u201c, die gar von einer \u201eGro\u00dftat\u201c sprach, die \u201ean die K\u00fchnheit eines Kolumbus erinnert\u201c.<br \/>\nMit seiner in seinem zweiten Buch hervorgehobenen Kritik an den Wotanisten und der Degradierung Odins zum Ebr\u00e4er, wendete sich das Blatt jedoch und Wendrin geriet auch innerhalb seiner bisherigen F\u00fcrsprecher zunehmend in Kritik. 1926 wurde er schlie\u00dflich aus der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Vorgeschichte ausgeschlossen.<br \/>\nEine typische \u201egelehrte\u201c Ablehnung von Wendrins Thesen, findet sich im Anhang dieser Ver\u00f6ffentlichung. Allerdings zeigt diese zugleich, warum die Thesen eines Franz von Wendrin seinerzeit auf fruchtbaren Boden fielen. Der ganz auf den Grundsatz \u201eEx Oriente Lux\u201c ausgerichtete Gelehrtend\u00fcnkel dieser Zeit wurde in der Bev\u00f6lkerung vielfach zurecht als zunehmend abgehobene \u201eKathederwissenschaft\u201c aufgefa\u00dft, die vom Schreibtisch aus neue Entdeckungen wissenschaftlicher Au\u00dfenseiter sp\u00f6ttisch abtat. So ist es nicht verwunderlich, wie lange diese Art von Wissenschaft die Vorzeit Nordeuropas als kulturlose Barbarei abtun konnte, bevor Funde wie der Sonnenwagen von Trundholm oder die Himmelsscheibe von Nebra sie eines Besseren belehrte und andeutete, da\u00df auch Nordeuropa glanzvolle Epochen der Fr\u00fchgeschichte aufzuweisen hatte.  <\/p>\n<p>Auszug aus<a href=\"https:\/\/parzifal-versand.de\/product_info.php?products_id=324\"> &#8222;Franz von Wendrin: Die Entzifferung der Felsenbilder von Bohusl\u00e4n&#8220;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1924 erschien im renommierten Georg Westermann-Verlag ein Buch, das in der Folgezeit f\u00fcr einiges Aufsehen sorgen sollte: \u201eDie Entdeckung des Paradies\u201c des Autors Franz von Wendrin. Franz Wydrinski, so der richtige Name des Verfassers, versuchte sich hier an dem Nachweis, da\u00df sich die biblische Paradiesgeschichte in Mecklenburg abgespielt habe. Dort h\u00e4tten schon um 200.000 v. 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