{"id":226,"date":"2025-05-12T13:05:49","date_gmt":"2025-05-12T13:05:49","guid":{"rendered":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=226"},"modified":"2025-05-12T13:08:49","modified_gmt":"2025-05-12T13:08:49","slug":"unsere-schwarzen-vorfahren-aus-der-jungsteinzeit-ein-archaeogenetischer-mythos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=226","title":{"rendered":"Unsere schwarzen Vorfahren aus der Jungsteinzeit &#8211; ein arch\u00e4ogenetischer Mythos"},"content":{"rendered":"<p>Die moderne Forschung macht es m\u00f6glich: Dank der Arch\u00e4ogenetik, der auf die Vorgeschichte spezialisierten Sparte der Erbgutforschung, wissen wir heute viel mehr \u00fcber unsere Vorfahren, als noch vor reinigen Jahrzehnten. Zum Beispiel, da\u00df jeder Europ\u00e4er einige Prozent seines Erbgutes dem Neandertaler verdankt. Oder da\u00df neben dem Neandertaler und dem Homo Sapiens noch sehr lange eine dritte Menschenart existierte: der Denisovaner, der in Ostasien beheimatet war. <\/p>\n<p><strong>Europ\u00e4er vor 5000 Jahren noch dunkelh\u00e4utig ?<\/strong><\/p>\n<p>Durch die Arch\u00e4ogenetik erfahren wir aber auch Dinge, die lange Zeit als unplausibel und unwahrscheinblich galten. Etwa da\u00df die Europ\u00e4er vor 5000 Jahren noch dunkelh\u00e4utig waren. Dabei ist es keineswegs eine Abneigung gegen die Vorstellung, dass unsere Vorfahren dunkelh\u00e4utig waren, als vielmehr der gesunde Menschenverstand, der die Grundlage des Zweifels an dieser Aussage bildet. Sollten unsere Vorfahren \u00fcber Jahrtausende in einem sonnenarmen Klima mit dunkler Haut nicht nur \u00fcberlebensf\u00e4hig gewesen, sondern dem Neandertaler sogar \u00fcberlegen gewesen sein? Seltsamerweise sind es gerade die kontroversen Schlu\u00dffolgerungen der Arch\u00e4ogenetik, die zumeist fast deckungsgleich mit Behauptungen sind, die schon vor dem Zeitalter der Genetik von Vertretern der politischen Korrektheit aufgestellt worden waren. Vor allem in Bezug auf die Begriffe Volk und Rasse, die linken Aktivisten schon lange ein Dorn nicht nur im Auge waren.  Da traf es sich doch gut, da\u00df ihre lange Zeit nicht Ernst genommenen  Behauptungen nun vermeintlich  wissenschaftlich erwiesen wurden. Die Zeitschrift \u201eNational Geographic\u201c etwa frohlockte angesichts der vermeintlichen Tatsache, da\u00df die Genetik, \u201edas Konzept der Rasse zum Gesp\u00f6tt&#8220; mache. Denn  &#8222;Die Merkmale der normalen menschlichen Variation, die wir nutzen, um gro\u00dfe, soziale Kategorien der Rasse zu definieren \u2013 zum Beispiel schwarz, asiatisch oder wei\u00df \u2013  sind meist Dinge wie Hautfarbe, morphologische Merkmale oder Haartextur. Die sind alle biologisch kodiert. Aber wenn man sich die kompletten Genome von Menschen aus aller Welt ansieht, stellen diese Unterschiede nur einen winzigen Bruchteil der Unterschiede zwischen einzelnen Menschen dar. Zum Beispiel gibt es innerhalb Afrikas mehr genetische Diversit\u00e4t als auf der ganzen restlichen Welt zusammen. Wenn man jemanden aus \u00c4thiopien mit jemandem aus dem Sudan vergleicht, unterscheiden sie sich genetisch wahrscheinlich mehr voneinander als von jedem anderen Menschen der Welt.\u201c&#8220;<\/p>\n<p>Da\u00df jene so lange gepriesene Arch\u00e4ogenetik, wie sie eigene ideologische \u00dcberzeugungen st\u00fctzt, unzweifelhaft eine genaue Zuordnung eines Menschen nicht nur zu einer Rassegruppe, sondern sogar zu teilweise eng verwandten V\u00f6lkern erm\u00f6glicht, wird in der Regel ausgespart. Um so eifriger werden wiederum  Behauptungen der Arch\u00e4ogenetik verbreitet, welche die ph\u00e4notypischen Merkmale unserer Vorfahren betreffen, die ja, zumindest der Behauptung jener Linksideologen zufolge, eigentlich gar keine Rolle spielen sollten. Dieses Tabu gilt offenbar nur dann, wenn politisch unliebsame Botschaften transportiert werden. Da\u00df die Europ\u00e4er vor 5000 Jahren, zu einer Zeit als in Stonehenge die ersten Steine positioniert wurden und an den K\u00fcsten des Kontinentes gewaltige Steingr\u00e4ber errichtet wurden, vollkommen dunkelh\u00e4utig waren, wurde dagegen regelrecht zelebriert. <\/p>\n<p><strong>Ideologie statt Wissenschaft<\/strong><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich aber sind die eifrigen Journalisten von Zeit und Co einer Ente aufgesessen, die von eifrigen Ideologen innerhalb der Arch\u00e4ogenetiker-Zunft erfunden worden war. Doch warum konnte diese Falschdarstellungen bis heute fortleben?<\/p>\n<p>Das hat mehrere Gr\u00fcnde: Zum einen liegt diese Aussage auf der erw\u00fcnschten ideologisch-politischen Linie des Zeitgeistes. Wer die These der Dunkelh\u00e4utigkeit unserer jungsteinzeitlichen Vorfahren in Frage stellt, macht sich verd\u00e4chtig, dem linken Zeitgeist kritisch gegen\u00fcber zustehen, m\u00f6glicherweise sogar selbst ein &#8222;Nazi&#8220; zu sein.<br \/>\nZum anderen ist die Arch\u00e4ogenetik selbst ein sehr komplexes Feld, auf dem jeder Laie leicht ins Straucheln geraten kann. Jeder nicht-Genetiker meidet also auf Grund der Gefahr, sich als Nichtfachmann auf einem fachfremden Gebiet angreifbar zu machen.<br \/>\nDabei zeigt schon ein oberfl\u00e4chlicher Blick auf die Beweise f\u00fcr die Maixmalpigmentierung der jungsteinzeitlichen Europ\u00e4er, da\u00df die These nicht stimmig ist. Denn wenn, wie neuerdings behauptet, die Hellf\u00e4rbung der Haut dadurch entstand, da\u00df einstige J\u00e4ger-Populationen zum Ackerbau \u00fcbergingen und dadurch ihren Vitamin-D-Bedarf nicht mehr \u00fcber die Jagd decken konnten, stellt sich die Frage, warum dieser Proze\u00df nicht \u00fcberall auf der Welt gleichm\u00e4\u00dfig verlief? Warum sind die Bauern Afrika, in Mittel- und S\u00fcdamerika oder in weiten Teilen Asiens nicht deutlich heller als ihre jagenden Vorfahren? Und selbst in Afrika unterschieden sich \u00fcberwiegend vom Ackerbau lebende Populationen nicht signifikant von solchen, die vornehmlich auf die Jagd  setzen. Auch zeitlich pa\u00dft die These nicht ins Bild. Den die Genetiker selbst haben errechnet, da\u00df die Entstehung der beiden prim\u00e4ren Genmarker, die f\u00fcr helle Haut verantwortlich gemacht werden, bereits vor mehr als 12.000 Jahren abgeschlossen gewesen sein mu\u00df &#8211; also einige Zeit bevor der Fr\u00fchmensch seinen Speer gegen die Sense eintauschte. <\/p>\n<p><strong>Die Wahrheit \u00fcber die Hautfarbenvererbung<\/strong><\/p>\n<p>Alle Indizien weisen darauf hin, da\u00df die Jagd alleine dem Menschenk\u00f6rper nicht gen\u00fcgend Vitamin-D zuf\u00fchren konnte. Ja selbst die prim\u00e4re Ern\u00e4hrung durch Fisch scheint nicht verhindert zu haben, da\u00df hellh\u00e4utigere Menschen in Nordeuropa l\u00e4nger lebten und mehr Nachkommen zeugten, wie Funde aus dem schwedischen Motala beweisen. Von den dort aufgefundenen Menschen waren alle hellh\u00e4utig und einige zudem blondhaarig und blau\u00e4ugig. Und da\u00df, obwohl gerade die Menschen im Norden sehr viel mehr Meerestiere verspeisten, als ihre binnenl\u00e4ndischen Cousins. Warum aber weisen die meisten Fr\u00fcheurop\u00e4er, deren Lebensraum ja ebenfalls nicht gerade sonnenverw\u00f6hnt war, nicht die klassischen Genmarker f\u00fcr helle Haut &#8211; SLC45A2 und SLC24A5 \u2013 auf? Die Antwort ist ebenso einfach wie naheliegend: Weil sie \u00fcber andere Gene verf\u00fcgten, die f\u00fcr eine Aufhellung der Haut sorgten und die, anders als SLC45A2 und SLC24A5 noch vom Neandertaler \u00fcbernommen wurden. Da\u00df dieser nach Jahrzehntausenden der Anpassung an einen eher sonnenarmen Lebensraum eher hellh\u00e4utig gewesen sein m\u00fcssen, ist eigentlich eine Binsenwahrheit, wurde aber zuletzt unter Verweis auf des Fehlen jener SLC-Marker in Frage gestellt. Die Konsequenz, nach anderen Genmarkern f\u00fcr helle Haut bei den Neandertalern zu suchen, kam vielen Arch\u00e4ogenetikern offensichtlich nicht in den Sinn. Erst nach und nach setzt sich die Erkenntnis durch, da\u00df auch andere Genmarker f\u00fcr helle Haut sorgen, zum Beispiel das mehr als 30.000 Jahre alte Gen KITLG, das lange Zeit lediglich als Indikator f\u00fcr helle Haare aufgefa\u00dft worden war. Heute wissen wir, da\u00df dieses Gen entscheidend an der Erwerbung genetischer Voraussetzungen f\u00fcr die Aufhellung der Haut beteiligt gewesen sein d\u00fcrfte. Noch \u00e4lter ist das MC1-R-Gen, das lange Zeit ebenfalls nur als Haarfarben-Gen erkannt worden war. Das zwischen 50 und 100.000 Jahre alte Gen trat bei mindestens einem Prozent der Neandertaler auf und verlieh den Tr\u00e4gern rote Haare und der Haut einen blassen Schimmer. Es trat sogar bei Mammuts auf. Trotz dieser neueren Erkenntnisse, werden Menschen, denen die SLC-Gene fehlen  als dunkelh\u00e4utig dargestellt. Und selbst wo die Genauslesung unvollst\u00e4ndig bleibt, werden urzeitliche Verstorbene kurzerhand als dunkelh\u00e4utig kategorisiert, da sie einer bestimmten Gruppe zugeordnet werden, die eben als dunkelh\u00e4utig gilt &#8211; zumeist der Gruppe der Western European Hunter.-Gatherer (Westeurop\u00e4ischen J\u00e4ger &#8211; kurz WHG). Wo bleibt dabei die Wissenschaftlichkeit, die eben auch Zur\u00fcckhaltung in der Deutung bei unsicherer Befundlage einschlie\u00dft?  Sie wird Opfer der ideologischen Pr\u00e4gung, der gerade der Wissenschaftszweig der Arch\u00e4ogenetik ausgesetzt ist. Wie weit der ideologische Irrsinn im wissenschaftlichen Gewand der Arch\u00e4ogenetik reichen kann, beweist ein Pionier der Zunft, der \u201eEntdecker\u201c der afrikanischen Ur-Eva, Luigi Cavalli-Sforza. In einer Ver\u00f6ffentlichung fordert er unverhohlen die &#8222;Vermischung der V\u00f6lker&#8220;, damit sie so werden wie vorgeblich vor 100.000 Jahren: von mehr oder minder brauner Hautfarbe.&#8220; (Luca und Francesco Cavalli-Sforza: \u201eVerschieden und doch gleich.\u201c Unter: www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-13685039.html. )<\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrend:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/parzifal-versand.de\/product_info.php?products_id=260\">Dennis Kr\u00fcger: Arch\u00e4ogenetische Irrwege.   <\/a><\/p>\n<p><em>Bildrechte: Schwarze J\u00e4gerin: \u00a9 Brandon Pilche, Wikimedia Commons \/ Eiszeitliche Fauna Nordspaniens: \u00a9 Mauricio Ant\u00f3n (Wikimedia Commons)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die moderne Forschung macht es m\u00f6glich: Dank der Arch\u00e4ogenetik, der auf die Vorgeschichte spezialisierten Sparte der Erbgutforschung, wissen wir heute viel mehr \u00fcber unsere Vorfahren, als noch vor reinigen Jahrzehnten. 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