{"id":247,"date":"2025-07-27T15:56:01","date_gmt":"2025-07-27T15:56:01","guid":{"rendered":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=247"},"modified":"2025-07-27T15:57:03","modified_gmt":"2025-07-27T15:57:03","slug":"das-ahnenerbe-wissenschaftsinstitut-der-ss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=247","title":{"rendered":"Das Ahnenerbe &#8211; Wissenschaftsinstitut der SS"},"content":{"rendered":"<p><em>Ahnenerbe-Forscher trafen den Panchen-Lama in Tibet, reisten in geheimer Mission durch den Vorderen Orient, erkundeten Strandlinien in afrikanischen W\u00fcsten, f\u00fchrten arch\u00e4ologische Grabungen in ganz Europa durch und arbeiteten an geheimen Waffenprojekten \u2013 bis heute z\u00e4hlt die Organisation \u201eAhnenerbe\u201c zu jenen wenig bekannten Institutionen des Dritten Reiches, denen eine Schl\u00fcsselrolle in der okkulten Geschichte des 3. Reiches zugemessen wird.<br \/>\nDoch was steckt wirklich hinter den abenteuerlichen Geschichten \u00fcber das Ahnenerbe, die es in fiktionalem Gewand \u2013 etwa die Spielfilme \u201eIndiana Jones\u201c, \u201eHellboy\u201c u.a. \u2013 sogar bis in die US-Filmindustrie Hollywoods geschafft haben?<\/em><\/p>\n<p><strong>Der Forschungsstand<\/strong><\/p>\n<p>Bis zur Fertigstellung der ersten wissenschaftlichen Abhandlung \u00fcber das Forschungsamt im Jahre 1974, aber ungeachtet der wissenschaftlichen Erkenntnisse auch dar\u00fcber hinaus, haftete dem Ahnenerbe stets der Schleier eines \u201eGeheimbundes\u201c an.  Gemeinsam mit der Thule-Gesellschaft soll das Ahnenerbe den \u201eexoterischen Teil\u201c eines geheimen Bundes dargestellt haben, der hinter dem Dritten Reich stand: \u201eDie Arbeiten des Forschungsamtes Ahnenerbe&#8230; bilden gewisserma\u00dfen die theologische Seite, w\u00e4hrend der Schwarze Orden den mystischen Aspekt der Religion der Herren von Thule verk\u00f6rpert\u201c geben Pauwels und Bergier, die Sch\u00f6pfer einer ganzen Reihe von Legenden um das Ahnenerbe, ihren Lesern kund.  Die \u201esektiererischen Urspr\u00fcnge\u201c der NSDAP sollen im Ahnenerbe \u201eUnterschlupf\u201c gefunden haben, wei\u00df auch eine j\u00fcngere Ver\u00f6ffentlichung zu berichten, die mit ihrer politisch motivierten Verquickung von Halbwahrheiten und Ungenauigkeiten ein gutes Beispiel f\u00fcr die Bewertung des Ahnenerbes in popul\u00e4rwissenschaftlichen Ver\u00f6ffentlichungen darstellt.<br \/>\nWie weit sich diese Gedankeng\u00e4nge spinnen, ist an einem weiteren \u201eStandardwerk\u201c der Verschw\u00f6rungstheorien zum dritten Reich \u201eDie heilige Lanze\u201c von Trevor Ravenscroft  zu beobachten, das allerdings eifrig aus dem Fundus von Pauwels und Bergier sch\u00f6pfte, welches wiederum stark von Rauschnings angeblichen Gespr\u00e4chen mit Hitler beeinflu\u00dft wurde. Diese \u201eGespr\u00e4che\u201c geistern dabei \u2013 obgleich 1984 als wissenschaftlich unbrauchbar erwiesen  \u2013 munter durch die gesamte Literatur der NS-Forschung.<br \/>\nAndere Autoren bezeichnen das Ahnenerbe dagegen wahlweise als \u201epseudowissenschaftliches Forschungsinstitut\u201c oder als \u201ewilliges Werkzeug der verbrecherischen Hitlerdiktatur\u201c, wobei die Mehrzahl die Begr\u00fcndung f\u00fcr diese Werturteile schuldig bleibt.<br \/>\nEin besonderes Detail bez\u00fcglich der Rolle des Ahnenerbe schlie\u00dflich, ist die Behauptung der Beteiligung an der Errichtung deutscher Geheimbasen im Ausland, insbesondere in \u201eNeuschwabenland\u201c, sowie am Bau deutscher Flugscheiben.<br \/>\nBemerkenswert in Hinblick auf die Arbeiten des Ahnenerbes insgesamt gesehen, ist zweifellos der Versuch, verschiedene Wissenschaften und Teilwissenschaften ganzheitlich, aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, was aufgrund der Vielzahl der voneinander abgeschiedenen Wissenschaftsbereiche zuvor versagt bleiben mu\u00dfte. Zwar stand hier sicherlich ein politischer Anspruch hinter diesem neuen Weg der Wissenschaft, formell betrachtet stie\u00df dieser Ansatz jedoch nicht nur bei damaligen Nationalsozialisten auf Zustimmung, sondern wurde auch von anderen Pers\u00f6nlichkeiten im Hinblick auf eine Neuausrichtung der Wissenschaft gefordert. <\/p>\n<p><strong>T\u00e4tigkeitsbereiche des Ahnenerbe<\/strong><\/p>\n<p>Gegr\u00fcndet wurde das Ahnenerbe offiziell am 1. Juli 1935 als eingetragener Verein unter der Firmierung: \u201eDeutsches Ahnenerbe. Studiengesellschaft f\u00fcr Geistesurgeschichte\u201c.<br \/>\nZu Beginn bestand eine enge Anlehnung an das von Richard  Walther Darr\u00e9 gef\u00fchrte  RuSHA, die Himmler im Februar 1936 per Weisung als verbindliche Zusammenarbeit fixierte.<br \/>\nIm Mai 1936 erfolgte die Namens\u00e4nderung des Vereins in \u201eDeutsches Ahnenerbe\u201c e. V., Himmler wurde offiziell Vorsitzender eines \u201eKuratoriums\u201c (Erster Kurator) und Vorstand. Am 24. 2. 1937 erfolgte eine erneute Namens\u00e4nderung in \u201eDas Ahnenerbe e. V\u201c. Am 1.1. 1939 kam es zu einer erneuten Satzungs\u00e4nderung und Himmler wurde als Vorstand nun Pr\u00e4sident. Seit 1942 besa\u00df das \u201eAhnenerbe\u201c den Charakter eines eigenen SS-Amtes als \u201eAmt A\u201c. Amtschef wurde Prof. Walther W\u00fcst und sein Stellvertreter Wolfram Sievers.<br \/>\nOffiziell sollte das Ahnenerbe als kulturpolitisches Referat der SS verschiedene Wissenschaften \u201eaus dem Blickwinkel der germanisch-deutschen Geschichte b\u00fcndeln\u201c und als \u201eVorhut der NS-Bewegung zur Aufwertung der deutschen Seele\u201c nutzen. Es bestand aus verschiedenen wissenschaftlichen Abteilungen, die sich vornehmlich mit Germanenkunde, indogermanischer Sprachwissenschaft, indogermanischer Volkskunde, Kulturgeschichte und Arch\u00e4ologie besch\u00e4ftigten, war aber bestrebt, die verschiedenen Fachgebiete in Hinblick auf eine indogermanisch-germanische Weltanschauung zu einem Gesamtergebnis zusammenzufassen, welches \u201eden Forschungsstand als Ganzes erfa\u00dft und begreifbar macht,\u201c wie der RF-SS formulierte.<br \/>\nVon sechs w\u00e4hrend der Gr\u00fcndungsphase bis zur Satzungs- und Namens\u00e4nderung im M\u00e4rz 1937 eingerichteten sogenannten Pflegest\u00e4tten (\u201eSchrift- und Sinnbildkunde\u201c [Wirth \u2013 seit Juli 1935], \u201eGermanenkunde\u201c [Teudt \u2013 Oktober 1936], \u201e(Indoarische) Wortkunde\u201c [W\u00fcst \u2013 Oktober 1936], \u201eM\u00e4rchen- und Sagenkunde\u201c [Plassmann \u2013 Februar 1937], \u201eIndogermanisch-Finnische Kulturbeziehungen\u201c [von Gr\u00f6nhagen \u2013 Februar 1937], \u201eWetterkunde und Welteislehre\u201c [Scultetus \u2013 Februar 1937]), erh\u00f6hte sich deren Zahl bis zum Jahr 1939 auf 34 verschiedene Forschungsabteilungen; 21 davon im Inland, sowie weitere au\u00dfereurop\u00e4ische St\u00e4tten.  1945 existierten schlie\u00dflich 45 offizielle Forschungsst\u00e4tten.<br \/>\nDarunter befanden sich Themengebiete wie etwa Wetterkunde und Astronomie, welche im Hinblick auf die Erforschung der Welteislehre H\u00f6rbigers t\u00e4tig wurden und rasch an Bedeutung zunahmen. Michael Kater weist darauf hin, da\u00df einige der aufgef\u00fchrten Abteilungen (Osteologie, Volksmedizin, Tiergeographie, Indogermanisch-deutsche Musikwissenschaft, Urgeschichte, Wurtenforschung, Geheimwissenschaften) lediglich auf dem Papier existierten, da sie nicht \u201enachgewiesen werden konnten\u201c.  Gerade diese offensichtliche L\u00fccke in der Dokumentation der letztgenannten Forschungsrichtungen, insbesondere in Bezug auf die Geheimwissenschaften, d\u00fcrften den Ansto\u00df f\u00fcr zahlreiche Spekulationen in dieser Richtung geliefert haben.<br \/>\nIm Rahmen der Ahnenerbe-Schriftenreihe wurden in den der SS nahestehenden Verlagen, Widukind-Verlag und Hase &#038; Koehler, ab 1938 dann im eigenen Ahnenerbe-Stiftung-Verlag, zahlreiche Schriften publiziert, die das Wirken der Vereinigung publizistisch unterf\u00fctterten.<\/p>\n<p><strong>Himmlers Privatforscher <\/strong><\/p>\n<p>In zahlreichen Weisungen Himmlers an das Ahnenerbe wird deutlich, wie er sich diese Zusammenarbeit vorstellte: N\u00e4mlich als ein gemeinsames Wirken von Fachleuten der verschiedensten Fachgebiete, wo angebracht, unter Hinzuziehung von Privat- und Laienforschern, die gemeinsam die oft von Himmler selbst erteilten Auftr\u00e4ge erf\u00fcllen sollten. Heftige Kritik \u00e4u\u00dferte Himmler vor allem dann, wenn von ihm gestellte Forschungsersuchen seine Erwartungen sowohl vom Ergebnis als auch von der Art der Durchf\u00fchrung nicht erf\u00fcllten. So \u00e4u\u00dferte er anl\u00e4\u00dflich einer H\u00f6hlenergrabung in Busau: \u201eDer Reichsf\u00fchrer erwartet, da\u00df die Zusammenarbeit im Ahnenerbe umgehend so wird, wie er sich das vorstellt. Er w\u00fcnscht zun\u00e4chst einmal den Bericht \u00fcber die Tropfsteinh\u00f6hle und weiterhin die Einschaltung der anderen beiden Abteilungen und dann m\u00f6glichst bald einen Bericht \u00fcber das, was sie dort gefunden haben. Den augenblicklichen Zustand vergleicht der RF-SS mit der eifers\u00fcchtigen Abkapselung eines jeden wissenschaftlichen Gebietes, wie es ja auf den Universit\u00e4ten und in der gesamten deutschen Wissenschaft bisher der Fall ist, da\u00df jeder Kollege eifrig dar\u00fcber wacht, sein Gebiet vor seinen Kollegen abzuschlie\u00dfen.\u201c<br \/>\nEin weiterer Zweck der Arbeit des Ahnenerbe lag in der Rekonstruktion des Ahnen- und Sippenkultes sowie der Glaubenswelt der fr\u00fchen Germanen. Letztere sollte auf l\u00e4ngere Sicht wiederbelebt werden und langfristig auch eine Rolle als \u201eErsatzreligion\u201c f\u00fcr das Christentum spielen. Dabei wurde allerdings nicht auf den Wotanismus, bzw. die G\u00f6tterwelt der Edda-\u00dcberlieferung abgezielt, die einigen Forschern als \u201eReligion der Verfallszeit\u201c galt, sondern auf den Lichtbringerkult der fr\u00fchgermanischen Zeit.<br \/>\nZu Beginn lag der Schwerpunkt der Ahnenerbe-Arbeiten auf den pers\u00f6nlichen Steckenpferden Wirths \u2013 der Sinnbildkunde \u2013 sowie der Germanenkunde von Wilhelm Teudt, dem Wiederbegr\u00fcnder der modernen Externsteinforschung. <\/p>\n<p>Weiterf\u00fchrend:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/parzifal-versand.de\/product_info.php?products_id=266\"> D. Kr\u00fcger: Der Aufgang der Schwarzen Sonne<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/parzifal-versand.de\/product_info.php?products_id=171\">D. Kr\u00fcger: Indogermanisches Erbe und 3. Reich<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ahnenerbe-Forscher trafen den Panchen-Lama in Tibet, reisten in geheimer Mission durch den Vorderen Orient, erkundeten Strandlinien in afrikanischen W\u00fcsten, f\u00fchrten arch\u00e4ologische Grabungen in ganz Europa durch und arbeiteten an geheimen Waffenprojekten \u2013 bis heute z\u00e4hlt die Organisation \u201eAhnenerbe\u201c zu jenen wenig bekannten Institutionen des Dritten Reiches, denen eine Schl\u00fcsselrolle in der okkulten Geschichte des 3. 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