{"id":96,"date":"2023-09-01T18:01:16","date_gmt":"2023-09-01T18:01:16","guid":{"rendered":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=96"},"modified":"2024-09-04T10:15:32","modified_gmt":"2024-09-04T10:15:32","slug":"jaeger-und-bauerntum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=96","title":{"rendered":"J\u00e4ger und Bauerntum"},"content":{"rendered":"<p>Waren die Germanen urspr\u00fcnglich zwar wehrhafte aber grunds\u00e4tzlich friedliche Bauern oder wurde das Germanentum im Wesentlichen durch kriegerische J\u00e4gerb\u00fcnde gepr\u00e4gt?<br \/>\nAn der Beantwortung dieser Frage versuchten sich nicht nur zahlreiche deutsche Historiker im 20. Jahrhundert, sondern die Frage sorgte auch f\u00fcr tiefgreifende Kontroversen, die sich bis in die damalige Politik erstrecken sollten.<br \/>\n\u00ad<\/p>\n<p><strong>Streitfall Kummer-H\u00f6fler<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die Meinung, da\u00df die Germanen urspr\u00fcnglich friedfertige Bauern waren, die nur in Zeiten \u00e4u\u00dferer Einfl\u00fcsse oder Bedrohungen zur Waffe griffen, stand exemplarisch der Forscher Bernhard Kummer, der 1930 sein Werk &#8222;Midgards Untergang&#8220; ver\u00f6ffentlichte. Der gr\u00f6\u00dfte Widersacher Kummers war der Begr\u00fcnder der  &#8222;M\u00e4nnerbund-Tradition&#8220;, der Wiener Pr\u00e4historiker Otto H\u00f6fler.<br \/>\nH\u00f6fler wies in seiner vielbeachteten Studie &#8222;Die kultischen Geheimb\u00fcnde der Germanen&#8220; eine lange Traditionslinie sogenannter M\u00e4nnerb\u00fcnde nach &#8211; junge M\u00e4nner, die sich zu Kampf- und Jagdb\u00fcnden zusammenschlossen, und bis in den kultischen Bereich hinein wirkten &#8211; ihr Gott war Odin \/ Wotan, der &#8222;F\u00fchrer der Wilden Jagd&#8220; und des Totenheeres. W\u00e4hrend Kummer diesen Gott und seine Weltanschauung noch als fr\u00fchmittelalterlichen &#8222;Totengr\u00e4ber der urspr\u00fcnglichen germanischen Religion&#8220; bezeichnete, erkannte H\u00f6fler eine weiter zur\u00fcckreichende Tradition dieser Gottheit und seines Kultes.<br \/>\nInnerhalb des 3. Reiches vermochte sich die H\u00f6fler-Linie durchsetzen &#8211; pa\u00dfte sie doch besser zur ideologischen politischen Ausrichtung insbesondere der SS.<br \/>\nNun werfen neue Erkenntnisse, die auch durch arch\u00e4ogenetische Forschungen zutage traten, neues Licht auf die alte Kontroverse, ohne bislang Beachtung durch moderne Historiker gefunden zu haben.<\/p>\n<p><strong> Progressive Bauern &#8211; r\u00fcckschrittliche J\u00e4ger?<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber Zehntausende von Jahren lebten die Menschen als J\u00e4ger und Sammler &#8211; \u00fcberall auf der Welt. Vor etwa 12.000 Jahren fingen dann die ersten Menschen an, gezielt Pflanzensamen zu s\u00e4en und die Fr\u00fcchte zu ernten (Die Anf\u00e4nge des Getreideanbaus liegen allerdings mehr als 23.000 Jahre zur\u00fcck: https:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/umwelt\/article144395334\/Schon-vor-23-000-Jahren-wurde-Getreide-gesaet.html) Entgegen der g\u00e4ngigen Darstellungen war die Nutzung<br \/>\nvon Gartenbau mit alten Getreidesorten auch im Norden bekannt. Dies legen Funde<br \/>\nvon Holzspaten in Norddeutschland ebenso nahe, wie noch \u00e4ltere Hacken. Auch ist schon innerhalb der Erteb\u00f8lle-Kultur mit der Z\u00e4hmung einiger Haustiere zu rechnen. (Kr\u00fcger 2023, S. 74). Vor allem die Wildformen von Hafer, Gerste und Emmer eigneten sich f\u00fcr einen gezielten Anbau. Durch diesen Anbau von Getreide verblieben die Menschen an einem Ort , sie wurden se\u00dfhaft. Durch die Steigerung der Ertr\u00e4ge konnten nun mehr Menschen ern\u00e4hrt werden, die Populationsgr\u00f6\u00dfe stieg an. Neben den Anbaufl\u00e4chen entstanden Siedlungen, die kontinuierlich bis zu kleinen St\u00e4dten anwuchsen.<br \/>\nIm modernen Verst\u00e4ndnis stellte  der Beginn des Ackerbaus die Geburt der Zivilisation dar. Lange Zeit wurde die pr\u00e4historische  Forschung durch das Dogma geleitet, demzufolge das J\u00e4gertum archaisch und damit r\u00fcckst\u00e4ndig sei, w\u00e4hrend der Ackerbau und damit das Bauerntum modern und fortschrittlich zu betrachten sei. Erst in den letzten Jahren wurden die Stimmen wieder lauter, die diese Sichtweise nicht teilen:<br \/>\nUnzweifelhaft entstanden durch die Umstellung von der Jagd auf den Ackerbau nicht nur neue Krankheiten, sondern auch neue Konfliktherde und vor allem neue Abh\u00e4ngigkeiten. Die Steigerung der Ernteertr\u00e4ge sorgte erstmals daf\u00fcr, da\u00df Getreide gelagert wurde und so neue &#8222;Begehrlichkeiten&#8220; entstanden, wie der Forscher Carl-Heinz Boettcher es formulierte. Wohlstand lockt R\u00e4uber an, so ist es bis heute. Auch die gut gef\u00fcllten Lager und die Tierst\u00e4lle der ersten Bauern, die um die Mitte des 6. Jahrtausends nach Mitteldeutschland vorstie\u00dfen, weckten das Interesse der schon l\u00e4nger dort lebenden J\u00e4gergruppen. Diese werden wohl zu Beginn Handel mit den landwirtschaftlich versierten, aufgrund der Verzierung ihrer T\u00f6pferwaren &#8222;Bandkeramiker&#8220; genannten Menschen getrieben haben. Schlie\u00dflich aber, so die heutige Lehrmeinung &#8211;  wurden die zahlenm\u00e4\u00dfig deutlich unterlegenen J\u00e4gergruppen Mitteldeutschlands vertrieben oder wurden innerhalb der Bauerngemeinschaften aufgesogen. Dies stellt die bis heute vorherrschende These der Pr\u00e4historiker dar. <\/p>\n<p><strong>Die se\u00dfhaften J\u00e4ger des Doggerlandes<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Szenario der kulturell fortschrittlichen Bauern, die die r\u00fcckst\u00e4ndigen J\u00e4ger in unwirtliche Regionen vertrieben gilt zwar, jedoch nur f\u00fcr S\u00fcd- und Mitteleuropa, wo die J\u00e4gerpopulationen zahlenm\u00e4\u00dfig den Bauerngesellschaften deutlich unterlegen waren. Ausgeklammert aus der Betrachtung werden bei diesem Blick allerdings die Populationen an den K\u00fcsten Nordeuropas: Sp\u00e4testens um 14.000 v. Zw. hatten sich J\u00e4gergruppen im damaligen, zwischen den britischen Inseln und dem heutigen Norddeutschland gelegenen  Doggerland niedergelassen, das als fruchtbares Siedlungsgebiet f\u00fcr die damalige Gro\u00dffauna galt. Der reiche Bestand an Jagdbeute machte dieses Gebiet auch sehr attraktiv f\u00fcr den Menschen des Nordens. Die N\u00e4he zur K\u00fcste und die Nutzung der maritimen Ressourcen sorgte zudem f\u00fcr ein Novum in der Geschichte des Menschen: Erstmals erm\u00f6glichte ein Lebensraum den damaligen J\u00e4gern, sich dauerhaft an einem Ort niederzulassen. Die H\u00fctten der Menschen wurden stabiler, Inneneinrichtungsgegenst\u00e4nde hielten Einzug: Die ersten Fu\u00dfb\u00f6den entstanden, Feuerstellen in den H\u00fctten sorgten daf\u00fcr, da\u00df auch kalte N\u00e4chte in wohliger W\u00e4rme verbracht werden konnten. Die Doggerl\u00e4nder begannen mit dem Bau von Booten, um auch auf See jagen zu k\u00f6nnen. Bootsbau wiederum setzt Se\u00dfhaftigkeit voraus. Die J\u00e4ger des Nordens, so die paradoxe Realit\u00e4t, waren damals se\u00dfhafter als die Bauern Mitteleuropas, die maximal ein Jahr an einem Ort verbrachten, bevor sie ihre Langh\u00e4user um einige Kilometer verlegten, um neue Getreidefl\u00e4chen zu erschlie\u00dfen.<br \/>\nMit den Booten befuhren die J\u00e4ger aber nicht nur die Hochsee , sondern auch die nach S\u00fcden f\u00fchrenden Flu\u00dfl\u00e4ufe des Binnenlandes. An den Flu\u00dfl\u00e4ufen stie\u00dfen die Menschen des Nordens, die  auf Siedlungen anderer Populationen, mit denen Handel getrieben werden konnte. Um den Menschen im Binnenland etwas anzubieten, begannen die Nordmenschen nicht nur Flintwerkzeuge zu &#8222;exportieren&#8220;, sondern auch Ausgangsmaterial f\u00fcr Schmuck, das sich woanders nicht fand: Roter Flintstein aus Helgoland und vor allem der in der Sonne geheimnisvoll schimmernde Bernstein, der fortan fester Bestandteil des europ\u00e4ischen Handelsgutes wurde.<\/p>\n<p><strong>\u00dcberschichtung und Ausbeutung der Bauern<\/strong><\/p>\n<p>Im 6. Jahrtausend stie\u00dfen die Bootsbesatzungen aus dem Norden nun auch auf die Ackerbauern aus dem S\u00fcden Europas (Anatolien?). Auch mit diesen wurde zu Beginn Handel getrieben. Zumindest so lange, bis die jagderprobten, k\u00f6rperlich gest\u00e4hlten jungen M\u00e4nner feststellten, da\u00df sie selbst nicht nur die Umtauschquoten diktieren konnten, sondern schlie\u00dflich sogar Waren erhielten, ohne etwas daf\u00fcr zu geben. Denn mit den Menschen der Bandkeramik und denen der Erteb\u00f8lle-Kultur trafen zwei ungleiche Typen aufeinander: Hier die zwar wagemutigen aber eher friedfertigen Bauern, dort die in Jagd und Waffengebrauch ge\u00fcbten und k\u00f6rperlich sowohl an K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe als auch an Kraft \u00fcberlegenen Nordmenschen.&#8220; (Kr\u00fcger 2023, S. 79) Schnell werden die Nordmenschen gelernt haben, da\u00df es keinen Sinn machte, die Bauern niederzumachen und sie auszurauben. Denn begn\u00fcgte man sich damit, die Bauern nur zu bedrohen und hin und wieder mal einen zu t\u00f6ten, ergab sich die Gelegenheit, ein bis zweimal im Jahr Beute zu machen. Nachdem Bootsbesatzungen aus dem Norden immer \u00f6fter reich beladen in die Heimat zur\u00fcckkehrten, f\u00fchlten sich auch andere Gruppen auf den Plan gerufen. Es begann eine Konkurrenz verschiedener Sippen, die in den S\u00fcden vorstie\u00dfen und den Ackerbauern ihren Getreide\u00fcberschu\u00df und Produkte der Haustiere abnahmen. So wird es vorgekommen sein, da\u00df eine Gruppe &#8222;ihre&#8220; Bauern im S\u00fcden besuchte, und erfahren mu\u00dfte, da\u00df ihnen eine andere Gruppe zuvorgekommen war. Nun war nichts mehr zu holen, ohne bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen, da\u00df die Bauern wegzogen. So wird es dazu gekommen sein, da\u00df die J\u00e4ger feste St\u00fctzpunkte zum Mi\u00dffallen der Bauern nahe der Bauernsiedlungen errichteten und eine Besatzung installierte, welche die Bauern gegen andere J\u00e4gergruppen verteidigen konnte. Damit war der Grundstein zu einer neuen Gesellschaftsordnung gelegt. Die J\u00e4ger bildeten eine Art Adelsschicht innerhalb einer Gesellschaft von abh\u00e4ngigen Bauern bzw. Arbeitskr\u00e4ften, die auch zu anderen Arbeiten genutzt werden konnten. Zugleich kam es zu einer Vermischung zwischen J\u00e4gern und Bauern, da sich die neuen Herren der sch\u00f6nsten Bauernt\u00f6chter bem\u00e4chtigten und Nachkommen zeugten. Schon der Forscher Oppenheimer wies 1909 darauf hin: \u201eAus allen diesen Gr\u00fcnden geht dem primitiven Bauern der kriegerische Offensivgeist g\u00e4nzlich ab, der den J\u00e4ger und Hirten auszeichnet &#8230; Er ist wohl muskelstark und ausdauernd, aber von langsamen Bewegungen und z\u00f6gerndem Entschlu\u00df, w\u00e4hrend der J\u00e4ger und der Hirt durch ihren Beruf zu Schnelligkeit und rascher Tatkraft erzogen werden\u2026 der Bauer kann mit seiner undisziplinierten Landwehr, die aus unge\u00fcbten Einzelk\u00e4mpfern besteht, dem Anprall der reisigen Hirten nicht auf die Dauer widerstehen, selbst wenn er in starker \u00dcberzahl ficht. Aber der Bauer weicht nicht aus, denn er ist bodenst\u00e4ndig; und der Bauer ist an regelm\u00e4\u00dfige Arbeit schon gew\u00f6hnt. Er bleibt, l\u00e4\u00dft sich unterwerfen und steuert seinem Besieger:<br \/>\ndas ist die Entstehung des Landstaates in der Alten Welt!\u201c<br \/>\nIn diesem Sinne vollzieht sich in den folgenden Jahrhunderten die Organisation der meisten staatlichen Organisationen in Europa und anderen Teilen der Welt. Starke J\u00e4gergruppen unterwerfen sich milit\u00e4risch unterlegene Bauern und bilden eine Adelsschicht, wobei sich die Herren dort st\u00e4rker von den Unterworfenen abgrenzten, wo sie ethnisch stark differierten. <\/p>\n<p><strong>Beweise f\u00fcr das \u00dcberschichtungsszenario<\/strong><\/p>\n<p>Beweise f\u00fcr dieses plausible Szenario waren lange Zeit, abgesehen von der Plausibilit\u00e4t, Mangelware. Und selbst die Ergebnisse der Arch\u00f6ogenetik schienen gegen die \u00dcberlegenheit der J\u00e4ger zu sprechen, sondern deuteten vielmehr auf eine Verdr\u00e4ngung dieser durch die Bauern hin. Allerdings nur, weil man die Daten falsch interpretiert hatte. Tats\u00e4chlich stiegn die Anteile sogenannter Bauern-DNA innerhalb mitteleurop\u00e4ischer Populationen kontinuierlich an, w\u00e4hrend die J\u00e4geranteile zu Beginn gering waren und dann sogar abnahmen. Dies spiegelt jedoch die oben beschriebene Realit\u00e4t wider: Kleine J\u00e4gergruppen siedeln dauerhaft neben den unterworfenen Bauern. J\u00e4ger nehmen sich Bauernfrauen zum Weib und zeugen Kinder, die widerum Frauen aus der Bauerngesellscaft nahmen. Der Anteil der Bauern-DNA steigt nat\u00fcrlich an, obgleich die J\u00e4ger weiterhin die Herrenschicht bilden. Erst als zunehmend J\u00e4gergriuppen nach S\u00fcden dr\u00e4ngen und sich nun auch mitsamt Familien ansiedeln, steigt die Anzahl der J\u00e4ger-DNA in diesen Gebieten an. Den Beweis f\u00fcr die Richtigkeit dieser Deutung stellen die Befunde aus Megalithgr\u00e4bern dar, die allesamt die genetischen Linien m\u00e4nnlicher J\u00e4ger repr\u00e4sentieren. Der Adel wird in prunkvollen Steingr\u00e4bern bestattet, die einfachen Bauern in Erdgr\u00e4bern, wie es typisch f\u00fcr die Trichterbecherkultur ist, mit der die Gesellschaft in Nord- und Mitteleuropa seit dem sp\u00e4ten 5. Jahrtausend als Kultur erfa\u00dft wird. Auch in anderen Teilen Europas, wie in Gro\u00dfbritannien, Frankreich und selbst innerhalb der Megalithbauten auf den Mittelmeerinseln erbrachten genetische Untersuchungen stets die m\u00e4nnlichen Hapologruppen der alten europ\u00e4ischen J\u00e4ger. <\/p>\n<p><strong>Das Bauerntum &#8211; unterdr\u00fcckt seit der Jungsteinzeit<\/strong><\/p>\n<p>Wenn die Deutung der \u00dcberschichtung der fr\u00fchen Ackerbauern durch Gruppen kriegerischer J\u00e4ger zutreffend ist &#8211; und wir haben anhand der Befunde keinen Grund daran zu zweifeln &#8211; dann ergibt sich ein von der \u00fcblichen Lesart abweichendes Szenario: Die in Europa vorherrschende Elite entstammte dem nordeurop\u00e4ischen J\u00e4gertum, Bauern waren keine fortschrittlichen Kulturbringer, sondern in weiten Teilen Europas bereits in der Jungsteinzeit in Abh\u00e4ngigkeit von diesen, zur Herrenschicht aufsteigenden J\u00e4gergruppe. In Teilen Europas und sogar der Welt, in die nordische Krieger und Eroberer vorsto\u00dfen, etabliert sich Gesellschaften mit strikter Kastentrennung   Zwar wechswelten regelm\u00e4\u00dfig die Herren der abh\u00e4ngigen Bauern durch neu auftretende Eroberer, allein die Situation der Bauern \u00e4nderte sich wenig. Lediglich in Skandinavien, dem Ursprungsraum der ausschw\u00e4rmenden Kriegergruppen stellt sich die Situation anders dar: Hier entwickelte sich ein unabh\u00e4ngiges Kleinbauerntum, das bis zum Mittelalter frei von \u00dcberschichtungen blieb. Auch in Nord- und Mitteldeutschland unterschied sich die Situation vom Mittelmeerraum und Teilen Asiens, in welche die nordeurop\u00e4ischen Kriegerb\u00fcnde gelangt waren. Hier vollzog sich &#8211; beg\u00fcnstigt durch eine gewisse Homogenit\u00e4t \u00ad- durch die Vermischung zwischen J\u00e4gern und Bauern aber im Laufe der Jahrhunderte ein Wandel: Der Adel ist nicht mehr abgeschottet, sondern f\u00e4hige Bauernkinder steigen auf, es kommt zu einer Gesellschaft, die von Familiensippen gepr\u00e4gt ist, in der der Vater \u00fcber eine Anzahl von Knechten gebietet, die ebenfalls aufsteigen k\u00f6nnen. Es besteht keine genetisch determinierte Schichttrennung mehr. Was blieb, ist die Beschr\u00e4nkung der mit Jagd verbundenen Vorrechte auf den Adel. Noch im Mittelalter ist den Knechten die Jagd verboten, Wilddiebe werden schwer bestraft. Bis in die heutige Zeit fr\u00f6nen die Adelsh\u00e4user Europas der Jagd &#8211; ein Relikt, das auf eine Jahrtausende alte Tradition zur\u00fcckblickt und an die Zugeh\u00f6rigkeit des urspr\u00fcnglichen Adels zu den J\u00e4gergruppen Nordeuropas erinnert.<\/p>\n<p>Mehr dazu in dem Buch <a href=\"https:\/\/parzifal-versand.de\/product_info.php?products_id=199\">Hyperborea &#8211; Der Mensch aus dem Norden in der Fr\u00fchgeschichte<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Waren die Germanen urspr\u00fcnglich zwar wehrhafte aber grunds\u00e4tzlich friedliche Bauern oder wurde das Germanentum im Wesentlichen durch kriegerische J\u00e4gerb\u00fcnde gepr\u00e4gt? An der Beantwortung dieser Frage versuchten sich nicht nur zahlreiche deutsche Historiker im 20. 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