{"id":100,"date":"2026-09-19T22:19:44","date_gmt":"2026-09-19T20:19:44","guid":{"rendered":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=100"},"modified":"2026-10-19T22:23:03","modified_gmt":"2026-10-19T20:23:03","slug":"die-reise-unserer-gene-propagandaelaborat-mit-wenig-wissenswerten-fakten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/2026\/09\/19\/die-reise-unserer-gene-propagandaelaborat-mit-wenig-wissenswerten-fakten\/","title":{"rendered":"Die Reise unserer Gene &#8211; Propagandaelaborat mit wenig wissenswerten Fakten"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext\">Es gibt Autoren, die ihren Lesern neue Erkenntnisse erm\u00f6glichen wollen, sie mitnehmen wollen auf eine Reise durch literarisches oder wissenschaftliches Neuland. Und es gibt Autoren, die Leser propagandistisch instruieren wollen, ihnen die Gedanken einimpfen wollen, die sie selbst bewegen. Zu letzteren geh\u00f6ren der freie Autor Thomas Trappe, der erst k\u00fcrzlich auf seinem Blog die Existenz von V\u00f6lkern verneinte, und der Biochemiker Johannes Krause, der heute als Direktor des Max-Planck-Instituts f\u00fcr Menschheitsgeschichte in Jena zu den f\u00fchrenden Arch\u00e4ogenetikern in Deutschland z\u00e4hlt. Unbestritten ist Krause auf seinem Gebiet eine Kapazit\u00e4t: Er war an der Entschl\u00fcsselung des Neandertaler-Genoms beteiligt und entdeckte 2010 mit Kollegen anhand von Genanalysen die neue Urmenschenform\u00a0des \u201eDenisovaners\u201c. Doch daneben gibt es noch den Ideologen Krause. Im August 2020 war Krause Mitinitiator der Jenaer Erkl\u00e4rung, mit der die Deutsche Zoologische Gesellschaft den Pfad der Wissenschaft verlassen und Rasse als \u201edas Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung\u201c bezeichnet und sich f\u00fcr eine Entfernung des Rassebegriffs aus dem Grundgesetz eingesetzt hatte.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Wenige Monate zuvor ver\u00f6ffentlichte der \u201eChristian Drosten der Arch\u00e4ogenetik\u201c das Buch \u201eDie Reise unserer Gene\u201c. Entsprechend unwissenschaftlich pr\u00e4sentiert sich auch dieses Buch, das sich vor allem als politische Kampfschrift versteht: \u201eWohlgemerkt sollen mit diesem Buch\u201c, so das Autorenduo entlarvend, \u201e<b>nicht nur politische Kontroversen<\/b> addressiert werden, <b>sondern auch<\/b> erstmals die Erkenntnisse der Arch\u00e4ogenetik \u00fcber die Geschichte Europas&#8230; zusammengefa\u00dft werden.\u201c (S. 10) Schon im Vorspann ebenso wie in den einzelnen Kapitel\u00fcberschriften wird die Kernbotschaft erkennbar. Ohne die Einwanderer, die \u00fcber Jahrtausende aus allen Richtungen nach Europa kamen und immer wieder Innovationen mitbrachten, w\u00e4re unser Kontinent nicht denkbar, ja ohne Migration g\u00e4be es uns nicht.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Obgleich auch interessante Fakten vorkommen, wie etwa der Hinweis, da\u00df die Umstellung von der Jagd auf den Ackerbau viele Nachteile mit sich brachte, unterlaufen dem gelernten Biochemiker Fehler nicht nur innerhalb der ihm auff\u00e4llig fachfremden Arch\u00e4ologie, sondern auch in seiner eigenen Profession: So ist beispielsweise die Behauptung, da\u00df das Erbgut eines zehn Generationen zur\u00fcckliegenden Ahnen \u201e<i>mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr in einem aktuellen Genom aufzusp\u00fcren<\/i>\u201c (S. 36) sei, falsch. <a class=\"external-link-new-window\" title=\"\u00d6ffnet externen Link in neuem Fenster\" href=\"https:\/\/gcbias.org\/...\/how-much-of-your-genome-do-you...\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vielmehr betr\u00e4gt diese Wahrscheinlichkeit etwa 50 %<\/a>. Auch der Satz, demzufolge die <i>\u201egenetischen Komponenten der Ackerbauern und der J\u00e4ger und Sammler fast vollst\u00e4ndig vor 4800 Jahren verschwanden<\/i>\u201c ist schlichtweg unrichtig. Es sank lediglich deren Anteil im Vergleich zu den Gr\u00e4bern, die mehr \u00f6stliches Erbgut enthielten, das \u00f6stlichen J\u00e4gern und Sammlern zugeordnet wird (&#8222;Eastern Hunter Gatherer&#8220; &#8211; EHG).<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Ethnien nicht genetisch nachweisbar?<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Besonders bemerkenswert erscheint Krauses Behauptung, wir tr\u00fcgen keine Gene in uns, die uns als \u201e<i>Angeh\u00f6rige einer bestimmten Volksgruppe<\/i>\u201c oder gar einer Nation auswiesen, obgleich er genau dies selbst an einer Stelle seines Buches einr\u00e4umt (S. 36): <i>\u201eJe n\u00e4her Menschen r\u00e4umlich beieinander leben, desto n\u00e4her sind sie untereinander verwandt&#8230; Zeichnet man die genetische Entfernung zwischen Europ\u00e4ern auf einer X- und Y-Achse auf, sind diese Koordinaten deckungsgleich mit einer Landkarte Europas.<\/i>\u201c Genau das aber erm\u00f6glicht eben ziemlich genau die Zuordnung eines Menschen zu einer Ethnie oder einem Volk. Mit Urv\u00f6lkern, habe dies aber nichts zu tun, obwohl die letzte gro\u00dfe genetische Verschiebung 5000 Jahre her sei. Um seine selbst in Frage gestellte Behauptung der Nichtexistenz von V\u00f6lkern und Ethnien zu retten, w\u00e4hlt Krause ausgerechnet das Beispiel der Farben: und legt sich so selbst noch ein Ei ins Nest: Denn obgleich die Farben an ihren R\u00e4ndern ineinander \u00fcbergehen, w\u00fcrde niemand behaupten, da\u00df Farben nicht existieren. Im Gegenteil: die verschiedenen Farben sind ebenso Ausgangspunkt der Mischung wie unvermischte Rassen Ausgangsmaterial f\u00fcr die sp\u00e4teren Rassemischungen vor allem in Europa sind \u2013 damit wird aber deutlich, da\u00df es Rassen eben doch gibt.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Helle Haut durch Ackerbau?<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">Gleich mehrere Denkfehler begeht Krause bei der Behauptung, die den Ackerbau nach Europa bringenden Menschen aus Anatolien (&#8222;Early Neolithic Farmer&#8220;- ENF) h\u00e4tten eine \u201eweitaus hellere Haut\u201c gegen\u00fcber den \u2013 von ihnen verdr\u00e4ngten \u2013 Einheimischen besessen. Krauses Zirkelschlu\u00df: \u201eIm Gegensatz zu den J\u00e4gern und Sammlern nahmen sie kaum Vitamin\u00a0D \u00fcber Fisch oder Fleisch zu sich, sondern ern\u00e4hrten sich fast durchweg vegetarisch, erg\u00e4nzt durch Milchprodukte&#8230; Dank ihrer helleren Haut konnten sie das lebenswichtige Vitamin\u00a0D, das in der Nahrung fehlte, in ihrem eigenen K\u00f6rper bilden\u00a0\u2013 vermittelt durch das Sonnenlicht.\u201c Erst einmal waren die in Skandinavien beheimateten und keineswegs verdr\u00e4ngten J\u00e4ger (&#8222;Scandinavian Hunter Gatherer&#8220; &#8211; SHG) mit mehr als drei f\u00fcr helle Hautfarbe zust\u00e4ndigen Gensequenzen deutlich heller als ihre s\u00fcdwestlichen Vettern (&#8222;Western Hunter Gatherer&#8220; &#8211; WHG), und sogar heller als die Einwanderer vom Mittelmeer (ENF), die nur eine entsprechende Gensequenz aufwiesen. Zudem war aufgrund der starken Sonnenaktivit\u00e4t in Anatolien eine Aufhellung der Haut zur Vitamin-D Bildung nur bedingt notwendig. Anders im Norden Europas, wo die Sonne weitaus weniger und wesentlich schw\u00e4cher scheint und die Aufhellung der Haut zwingend notwendig zur Vitamin-D-Produktion ist. Wenn die Umstellung von der Jagd auf den Ackerbau \u00fcberall auf der Welt zu einer Aufhellung der Haut f\u00fchren w\u00fcrde, dann m\u00fc\u00dften wir unabh\u00e4ngig von der Einwanderung von Europ\u00e4ern weltweit sehr viele hellfarbige Bev\u00f6lkerungen vorfinden, was nicht der Fall ist.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Steppenmythen<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\">In guter Gesellschaft aber dennoch auf einer falschen F\u00e4hrte befindet sich Krause bei der Interpretation der Entstehung der Trichterbecherkultur um 4300 v. Chr. Diese gilt als erste nordeurop\u00e4ische Ackerbau-Kultur und stand in Verbindung mit der Errichtung der Megalith- oder H\u00fcnengr\u00e4ber. \u201eDie alteingesessenen J\u00e4ger und Sammler Skandinaviens wurden nicht von den Neuank\u00f6mmlingen verdr\u00e4ngt, was aber nicht an deren besonderer Resistenz gegen fremde Einfl\u00fcsse lag, sondern im Gegenteil an einer Offenheit f\u00fcr die importierten Techniken.\u201c So erscheint auch das Rad, das \u201edie fr\u00fchen Skandinavier kannten\u201c als Import. Immerhin erkennt der Autor an, da\u00df die Skandinavier den \u201efr\u00fchen Traktor\u201c erfanden, bei dem zwei Rinder mit einem Joch an einen Pflug gespannt wurden. Tats\u00e4chlich kann davon ausgegangen werden, da\u00df die kampft\u00fcchtigen J\u00e4ger aus dem Norden, dem Gebiet der Ertebolle-Kultur, die bandkeramischen Ackerbauern \u00fcberschichteten. In den m\u00e4nnlichen Linien \u00fcberwiegt daher bei den Trichterbecherleuten, die man in Gro\u00dfsteingr\u00e4bern fand, die alteurop\u00e4ische I2-Haplogruppe. Die genetische Zusammensetzung insgesamt aber verschiebt sich zugunsten der Anatolier. Den gleichen Fehler begeht Krause bez\u00fcglich der vermeintlichen Invasion aus der Steppe um 3000 v. Chr. Die setzt sich aus einer Aneinanderreihung von Unwahrscheinlichkeiten und Absurdit\u00e4ten zusammen und wurde arch\u00e4ologisch schon vor l\u00e4ngerer Zeit zu den Akten gelegt, da alle angeblichen Importe aus der Steppe schon zuvor in Nordeuropa bekannt waren. So sollen die Halbnomaden aus der Steppe schon gro\u00dfe St\u00e4dte errichtet haben, die sie aber nur halbj\u00e4hrlich bewohnten. Sie sollen schon Bronze gekannt und verarbeitet haben, verga\u00dfen diese auf dem Weg nach Europa aber irgendwo unterwegs. Sie sollen physiognomischen Merkmale der Menschen besessen haben, die man fr\u00fcher als nordisch bezeichnet h\u00e4tte, sie sollen die indogermanische Sprache entwickelt haben, die sehr viele Ausdr\u00fccke f\u00fcr Landwirtschaft, Gew\u00e4sser und Schiffahrt kannte, obwohl dies alles in der Steppe keine Rolle spielte. Sie sollen gleichzeitig nach Nordeuropa, nach Mitteleuropa, auf den Balkan und auch nach Osten ausgewandert sein. Doch nur in Nord- und Mitteleuropa kam die indogermanische Sprache an, im benachbarten Anatolien und im Iran dauerte es noch mehr als 1000 Jahre bis die indogermanische Sprache Einzug hielt. Es mu\u00df also eine andere Erkl\u00e4rung geben f\u00fcr den starken Zuwachs an genetischem Potential aus dem Osten (EHG bzw. Y-Haplogruppen R1a und R1b). Die wahrscheinlichste, von Krause nicht thematisierte Erkl\u00e4rung: Aus dem Nordosten, dem \u00f6stlichen Baltikum erfolgte eine Westbewegung von Menschen, die kulturell den Nordeurop\u00e4ern eng verwandt waren und auch die aus der Trichterbecherkeramik ableitbare Schnurkeramik mit sich f\u00fchrten. Auch wenn es derzeit als das deutschsprachige Standardwerk der Arch\u00e4ogenetik gehandelt wird, kann angesichts der starken propagandistischen Tendenz im Dienste der Eine-Welt-Propaganda vom Kauf nur abgeraten werden.<\/p>\n<p>Hintergr\u00fcnde zur Arch\u00e4ogenetik: <a href=\"https:\/\/parzifal-versand.de\/product_info.php?products_id=260\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Arch\u00e4ogenetische Irrwege<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Autoren, die ihren Lesern neue Erkenntnisse erm\u00f6glichen wollen, sie mitnehmen wollen auf eine Reise durch literarisches oder wissenschaftliches Neuland. 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