{"id":45,"date":"2026-09-24T18:45:56","date_gmt":"2026-09-24T16:45:56","guid":{"rendered":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=45"},"modified":"2026-09-24T18:51:13","modified_gmt":"2026-09-24T16:51:13","slug":"atlantis-im-rheinland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/2026\/09\/24\/atlantis-im-rheinland\/","title":{"rendered":"Atlantis und Asgart im Rheinland?"},"content":{"rendered":"<p>Im Jahr 1902 erschienen im Zuge der erwachenden Begeisterung f\u00fcr die deutsch-germanische Vorzeit gleich zwei B\u00fccher, die Atlantis, den Garten Eden, das Asgart der Edda und der Kern der Odyssee in das Rheinland verlegten: \u201eAsgart und Mitgart\u201c von Friedrich Fischbach und \u201eDas Paradies der Bibel\u201c von Ernst Hymmen. Inspiriert von Jakob Grimm vertrat bereits 1891 der Autor Ernst Krause (1839 \u2013 1903) die These, da\u00df viele Geschehnisse der \u00dcberlieferungen Homers aus der Illias und der Odyssee tats\u00e4chlich im Nordseeraum lokalisiert werden m\u00fcssen und die Heimat der griechischen G\u00f6tter in Nordeuropa gelegen habe. Fischbachs 1902 ver\u00f6ffentlichtes \u201eAsgart und Mittgart\u201c, verlegte nicht nur die Heimat der griechischen G\u00f6tter, sondern auch die der sagenhaften Insel Atlantis in die Gegend zwischen den Fl\u00fcssen Rhein, Wupper und Sieg. Ausgerechnet in jener Gegend, in der der Verfasser lebte, war demnach auch die Urheimat der Indogermanen zu suchen. \u201eMittgart\u201c, so Fischbach, \u201eist das Gebiet zwischen dem Berger Land, dem Vorgebirge und den M\u00fcndungen der Sieg und Wupper. Auf den angrenzenden \u00f6stlichen H\u00f6hen liegt Asgart.\u201c Dem Verfasser zufolge reichen die in der Edda bewahrten \u00dcberlieferungen \u00fcber diese Urheimat bis in die Zeit zur\u00fcck, als das Meer bis in den Raum der heutigen Stadt K\u00f6ln reichte. Fischbach zufolge ging Atlantis dann in Folge des Ausbruchs der Vulkane der Eifel und des Siebengebirges unter. Allerdings liegt der letzte Ausbruch der Vulkane der Eifel etwa 200.000 Jahre zur\u00fcck, der des Siebengebirges sogar mehr als 2 Millionen Jahre.<\/p>\n<p>Nun ist diese Theorie bereits deshalb zum Scheitern verurteilt, da die angesprochenen Vulkane bereits vor mehr als einigen Hunderttausend Jahren zum letzten Mal aktiv waren und ein so hohes Alter von Atlantis definitiv auszuschlie\u00dfen ist. Zudem hat der Forscher J\u00fcrgen Spanuh seit den 1950er Jahren zahlreiche Belege pr\u00e4sentiert, da\u00df mit Atlantis sehr wahrscheinlich das bronzezeitliche Reich Nordeuropas gemeint war, das um 1200 v. Chr. in Folge von Naturkatastrophen unterging.<\/p>\n<p>Vermutlich inspiriert von Ernst Krause, der bereits auf Parallelen zwischen griechischer und nordischer Sagen\u00fcberlieferung hingewiesen und eine Herkunft vieler Elemente Homers aus Nordeuropa konstatiert hatte, lokalisiert Fischbach zudem Homers Meerenge Skylla und Charybdis im Binger Loch des Rheins sowie den Sitz der Sirenen auf einer Insel nahe des Drachenfelses. Sowohl der griechische Heros Odysseus als auch die Argonauten h\u00e4tten bereits den Rhein befahren. Fischbach erg\u00e4nzt dazu: \u201eVon der Trift des Helios Trinakia (Ingelheimer Au) kommt man zur Scylia und Charybdis, dann zu den Plankten an der Loreiei, dann zu den Symplejaden des Sieben\u00adgebirges und zu den Sirenen-Inseln und Hesperiden-G\u00e4rten. Herkules, die Argonauten und Odysseus ziehen diesen Weg, um nach Aea zu gelangen.\u201c Aea (Gaea), auch als Gefilde der Seligen oder G\u00e4rten der Hesperiden bezeichnet, bedeutet dem Autor zufolge das Rheinland.<br \/>\n\u201eNach J. Grimm\u201c, so Fischbach weiter, \u201estammen die vorhomerischen Odysseen (vom Orendel und Hadding) vom Rhein. Wir d\u00fcrfen daher mit stol\u00adzestem Hoch- und Wahrheitsgef\u00fchl sagen, da\u00df weit vor Homer schon ein Odysseus aus Asgart (Bensberg) auszog, der sp\u00e4ter zu\u00adr\u00fcckkehrte und piet\u00e4tvoll dem hehren Himmelsvater opferte.\u201c<\/p>\n<p>Wie die meisten der um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert \u00fcber die Mythenwelt der Germanen publizierenden Autoren war auch Fischbach Laienforscher. Der mit seinem Vater, einem Sagenforscher und Abgeordneten, seiner Mutter und vier Geschwistern in Bensberg (Kreis M\u00fclheim am Rhein Heute K\u00f6ln-M\u00fclheim) aufwachsende Autor war eigentlich Musterzeichner im textilverarbeitenden Gewerbe, Lithograf und ein an Kunstgewerbeschulen wirkender Lehrer war, bevor er sich der germanischen Mythologie zuwandte.<br \/>\nBis 1859 besuchte er das Gymnasium in K\u00f6ln bis zur Prima und zog dann 1862 nach Berlin, wo er eine Ausbildung an der Musterzeichenschule beim K\u00f6niglichen Gewerbeinstitut Berlin begann. Nach seinem Abschlu\u00df fungierte er von 1863 bis 1865 in Wien als k\u00fcnstlerischer Leiter eines Dekorationsgesch\u00e4fts und schuf Entw\u00fcrfe, unter anderem f\u00fcr das Wiener Unternehmen Philipp Haas &amp; S\u00f6hne. Zugleich besuchte er Vorlesungen von Rudolf Eitelberger an der Universit\u00e4t Wien, schrieb Feuilletons in der Wiener Zeitung und bet\u00e4tigte sich in einer Kommission in Bezug auf Sammlungen des 1864 gegr\u00fcndeten \u00d6sterreichischen Museums f\u00fcr Kunst und Industrie. Hier wirkte er auch als Korrespondent und Zeichner. Von 1865 bis 1870 betrieb Fischbach neben dieser musealen T\u00e4tigkeit eine Werkst\u00e4tte, die unter Anlehnung an historischen Muster und Zeugnisse lebendiger Hausindustrien Vorlagen f\u00fcr Tapeten und Heimtextilien von Industrie und Kunstgewerbe entwickelte. 1866 entfaltete er eine rege publizistische T\u00e4tigkeit, zeichnete und lithografierte Tafelwerke von Mustern. Ab 1867 war er Wiener Berichterstatter der Didaskalia, au\u00dferdem schrieb er f\u00fcr die Deutsche Zeitung in Wien und die Rheinische Zeitung in K\u00f6ln.<\/p>\n<p>Aufgrund einer schweren Erkrankung seiner Ehefrau verlie\u00df er 1870 Wien und \u00fcbernahm kurzzeitig eine Stelle in Einbeck. Im Herbst 1870 bekleidete er die Stelle eines Lehrers f\u00fcr Ornamentik an der K\u00f6niglich Preu\u00dfischen Zeichenakademie in Hanau. 1873 vertrat er in der deutschen Abteilung das Kunstgewerbe bei der Wiener Weltausstellung. In seinem Hanauer Atelier bot er seit 1877 auch einen privaten \u201eCursus im kunstgewerblichen Zeichnen, namentlich auch f\u00fcr weibliche Handarbeiten\u201c f\u00fcr \u201ejunge Damen\u201c an. Vom 1. Mai 1883 bis zu seinem R\u00fccktritt am 30. April 1888 fungierte er dann als Direktor der 1865 gegr\u00fcndeten, 1883 neuorganisierten Kunstgewerbeschule (Zeichnungsschule f\u00fcr Industrie und Gewerbe) in St. Gallen.<br \/>\nAb 1889 lebte er in Wiesbaden, wo er am 12. September 1908 im Alter von 69 Jahren starb.<br \/>\nSein parallel zu seiner beruflichen T\u00e4tigkeit ausgebildetes, durch die T\u00e4tigkeit des Vaters unterst\u00fctztes Interesse Fischbachs an der germanischen Mythologie und Fr\u00fchgeschichte f\u00fchrte dazu, da\u00df er Vorstands- und Ehrenmitglied des Vereins f\u00fcr Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung wurde. Zudem wirkte er schon fr\u00fch innerhalb der Guido-von-List-Gesellschaft, wo er zum Ehrenmitglied aufstieg. Aufgrund seiner Verbindung zu Guido von List wird Fischbach heute stark verk\u00fcrzt den esoterischen Ariosophen und der v\u00f6lkischen Bewegung zugerechnet.<\/p>\n<p>Ein Jahr nach der Erscheinung von Fischbachs Buch publizierte der lange Zeit mit dem genannten zusammenarbeitende Ernst Hymmen sein Buch \u201eDas Paradies der Bibel, der arischen V\u00f6lker und G\u00f6tter Urheimat, ultima Thule sowie das varianische Schlachtfeld mit H\u00fclfe niederrheinisch-bergischer Mythenforschung\u201c. \u00dcber seinen einstigen Partner schrieb Fischbach: \u201eDa ich ihn oft als Mitarbeiter bezeichnete, mu\u00dfte ich mit\u00adteilen, da\u00df er durch seine unvorsichtige Publication \u00fcber das biblische Paradies dem Ansehen meiner Forschungen sehr geschadet hat.\u201c Dennoch, so der Bensbacher, \u201everdanke er ihm sehr viel.\u201c<br \/>\nHymmen seinerseits kritisierte, da\u00df sich sein ehemaliger Partner \u201enicht weit genug vorgewagt habe\u201c, l\u00e4gen doch auch die Heimat Siegfrieds und der Nibelungen sowie der Ort der Varusschlacht in diesem Gebiete.<br \/>\nFischbachs Schuld bestand nach Hymmen auch darin, \u201eda\u00df er seine Untersuchungen zu einseitig auf die Gebirgsgegend beschr\u00e4nkte, und die zwischen dem Rheine, dem S\u00fcdabhange des bergischen Gebirgslandes und dem K\u00f6nigsforste gelegene uralte Kulturebene fast garnicht in den Kreis seiner Unter\u00adsuchungen hineinzog.\u201c<\/p>\n<p>Mehr noch als Fischbach verkn\u00fcpfte Hymmen sein Werk mit regionalem Stolz und patriotischem Pathos, wenn er konstatierte, da\u00df, \u201evon Rom, Athen und Jerusalem abgesehen, [&#8230;] es auf dem Erdenrund kein Fleckchen Erde [gebe], das bei gleicher Gr\u00f6\u00dfe eine solch gewaltige Rolle gespielt, keines, das so sehr die Geister aller Zeiten besch\u00e4ftigt, keines, das eine solche geradezu unabsehbare Literatur gezeitigt h\u00e4tte, als unsere niederrheinisch-bergische Heimat.\u201c<br \/>\nFolgerichtig wollte der Autor sein Buch daher auch als vaterl\u00e4ndischen Dienst verstanden wissen, der mit der lange gehegten Geschichtsl\u00fcge aufr\u00e4umen sollte, da\u00df \u201edie alten Germanen Barbaren gewesen\u201c seien. \u201eAn die Stelle dieser Geschichtsl\u00fcge\u201c, so der Autor, \u201ewird treten die geschicht\u00adliche Wahrheit, da\u00df der Ursitz der Germanen am Niederrhein \u2014 der Ursitz der arischen V\u00f6lkerrasse \u2014 der Ursitz einer bl\u00fchenden Kultur war, die uns in Tiefen der Zeit zur\u00fcck\u00adf\u00fchrt, in die kein Senkblei reicht.<br \/>\nZur Geltung wird kommen die geschichtliche Wahrheit, da\u00df die niederrheinischen Deutschen es waren, die in Jahr\u00adtausende langer Denkarbeit den gewaltigen Sprach- und Mythenschatz schufen, von dem die ganze arische Rasse zehrt.\u201c<\/p>\n<p>So sehr die Thesen der beiden hier vorgestellten Autoren Widerspruch hervorrrufen m\u00fcssen, ist ihre Arbeit dennoch von nicht zu unter\u00adsch\u00e4tzender Bedeutung, unternehmen sie doch zahlreiche, von der germanischen Mythologie inspirierte Namensdeutungen alter Orte in der Gegend zwischen Wupper, Sieg und Rheinland und liefern wichtige Impulse f\u00fcr die mythologische Forschung. So enth\u00e4lt etwa Fischbachs Werk eine Reihe von Orten mit Namen, die tats\u00e4chlich an mythologische Orte oder Protagonisten aus der Edda erinnern: Herkenrath (auch Erkenrath) als Hemat der Herka-Frigga, Alkenrath als Sitz der Alken, Idelseld als Iduna-Feld, der Asenborn (auch Asselborn) als Asenbach oder die Ortschaft Bensberg mit dem Zienberg, Hackberg und Bockenberg.<br \/>\nAuch wenn die Gegend sicherlich nicht dem Atlantis der \u00dcberlieferungen Solons entspricht, sind dennoch viele Benennungen nach mythologischen Personen und Orten nicht von der Hand zu weisen und auch f\u00fcr andere Gegenden des germanischen Sprachraumes belegt. Schlie\u00dflich k\u00f6nnen die so enth\u00fcllten Orte auch Hinweise auf alte Kultst\u00e4tten liefern, die noch ihrer Entdeckung harren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/parzifal-versand.de\/product_info.php?products_id=385\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">B\u00fccher ansehen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 1902 erschienen im Zuge der erwachenden Begeisterung f\u00fcr die deutsch-germanische Vorzeit gleich zwei B\u00fccher, die Atlantis, den Garten Eden, das Asgart der Edda und der Kern der Odyssee in das Rheinland verlegten: \u201eAsgart und Mitgart\u201c von Friedrich Fischbach und \u201eDas Paradies der Bibel\u201c von Ernst Hymmen. 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