{"id":88,"date":"2026-03-19T17:54:23","date_gmt":"2026-03-19T16:54:23","guid":{"rendered":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/?p=88"},"modified":"2026-10-19T18:01:01","modified_gmt":"2026-10-19T16:01:01","slug":"ist-die-out-of-africa-these-widerlegt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/forsite-verlag.de\/aktuell\/2026\/03\/19\/ist-die-out-of-africa-these-widerlegt\/","title":{"rendered":"Ist die Out-of-Africa-These widerlegt?"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext\"><strong><em>Neue Funde st\u00e4rken Zweifel an klassischer Out-of-Africa-These<\/em><\/strong><\/p>\n<table border=\"0\" width=\"1\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" align=\"right\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.parzifal.info\/clear.gif\" width=\"15\" height=\"1\" border=\"0\" \/><\/td>\n<td><a target=\"thePicture\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Apidima 1-Sch\u00e4del und Neandertalerin\" src=\"https:\/\/www.parzifal.info\/typo3temp\/pics\/ac2aebc9e9.jpg\" alt=\"Apidima 1-Sch\u00e4del und Neandertalerin\" width=\"240\" height=\"108\" border=\"0\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"spacer-gif\" title=\"\" src=\"https:\/\/www.parzifal.info\/clear.gif\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"10\" border=\"0\" \/><br \/>\n<span style=\"font-family: verdana; font-size: xx-small;\">Rekonstruktion des Apidima 1-Sch\u00e4dels, der in Griechenland gefunden wurde und plastische Rekonstruktion einer Neandertaler-Frau<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"spacer-gif\" title=\"\" src=\"https:\/\/www.parzifal.info\/clear.gif\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"5\" border=\"0\" \/><br \/>\n<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p class=\"bodytext\">Die \u201eOut-of-Africa\u201c-These schien in den letzten Jahren dank genetischer Erkenntnisse zunehmend unangreifbarer zu werden. Denn durch die M\u00f6glichkeit, die Abstammungslinie \u00fcber einen Abschnitt des Y-Chromosoms zur\u00fcckzuverfolgen, der nur von einem Vater auf seine m\u00e4nnlichen Nachkommen \u00fcbertragen wird, rekonstruierten Genetiker eine chronologische Verbreitung. Diese soll mit dem sogenannten \u201eAdam des Y-Chromosoms\u201c, also dem \u00e4ltesten gemeinsamen Vorfahren aller heute lebender M\u00e4nner, vor ca. 150.000 Jahren in Afrika begonnen haben und sich dann \u00fcber den Nahen Osten bis nach Asien und Europa nachverfolgen lassen (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adam_des_Y-Chromosoms#Das_Alter_von_Adam\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adam_des_Y-Chromosoms#Das_Alter_von_Adam<\/a>) . Analog zum \u201eAdam\u201c wurde schon zuvor eine \u201eUr-Eva\u201c ermittelt, die wiederum Ur-Ahnin aller heute lebenden Frauen gewesen sein soll und vor 150- 200.000 Jahren in Afrika gelebt h\u00e4tte.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Kritische Stimmen, die diese haupts\u00e4chlich auf Computerberechnungen basierenden Erkenntnisse bezweifelten, kamen in den vergangenen Jahren immer seltener zu Wort, obgleich es schon damals berechtigte wissenschaftliche Einw\u00e4nde gab.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Nun ersch\u00fcttern neue arch\u00e4ologische und genetische Erkenntnisse diese vorherrschende Out-of-Africa-These erneut.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die erste dieser Meldungen stammt bereits aus dem Jahr 2017. Damals hatte ein Forschungsteam unter Federf\u00fchrung des Max-Planck-Instituts f\u00fcr Menschheitsgeschichte in Jena und der Universit\u00e4t T\u00fcbingen bei der Untersuchung mitochondrialer (von M\u00fcttern auf T\u00f6chter \u00fcbertragene) DNA aus dem Oberschenkelknochen eines Neandertalers festgestellt, da\u00df dieses bereits Erbgut des modernen Menschen enthielt. Zwischen 470.000 und 220.000 Jahren vor heute m\u00fcssen sich demnach moderne Menschen mit in Europa lebenden Neandertalern vermischt und in der weiblichen DNA-Linie Spuren hinterlassen haben, wie die Zeitschrift \u201eNature Communications\u201c berichtete (<a href=\"https:\/\/www.archaeologie-online.de\/nachrichten\/alte-dna-wirft-neues-licht-auf-neandertaler-evolution-3659\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.archaeologie-online.de\/nachrichten\/alte-dna-wirft-neues-licht-auf-neandertaler-evolution-3659\/<\/a> ).<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Da das Erbgut der heutigen Menschen in Europa aber einen Anteil von Neandertaler-Genen aufweist, der zwischen 1,5 und 4% liegt, bedeutet dies, da\u00df die gemeinsame Vorfahrin zumindest der europ\u00e4ischen Frauen \u00e4lter als 200.000 Jahre sein mu\u00df. Denn bei der heute wissenschaftlich favorisierten sp\u00e4teren Vermischung zwischen Neandertalern und einer weiteren Einwanderungswelle moderner Menschen m\u00fc\u00dften zumindest einige Neandertaler-M\u00fctter ihre Gene innerhalb der weiblichen Linie der Menschen in Europa verewigt haben.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Nun st\u00fctzt eine weitere Studie die These, derzufolge der moderne Mensch schon viel fr\u00fcher au\u00dferhalb Afrikas lebte. Neue Analysen eines Sch\u00e4dels aus einem griechischen Fundort bei Apidima durch die Universit\u00e4ten T\u00fcbingen und Athen ermittelten ein Alter von rund 210.000 Jahren (<a href=\"https:\/\/www.archaeologie-online.de\/nachrichten\/der-frueheste-nachweis-von-homo-sapiens-ausserhalb-afrikas-ist-ein-fund-aus-griechenland-4351\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.archaeologie-online.de\/nachrichten\/der-frueheste-nachweis-von-homo-sapiens-ausserhalb-afrikas-ist-ein-fund-aus-griechenland-4351\/<\/a> ). Damit ist der sogenannte \u201eApidima 1\u201c-Sch\u00e4del der Nachweis des \u00e4ltesten modernen Mensch, der au\u00dferhalb Afrikas lebte. Gemeinsam mit diesem Sch\u00e4del aufgefundene Skelettreste von Neandertalern weisen zugleich darauf hin, da\u00df diese fr\u00fche Population anatomisch moderner Menschen (\u201eApidima 1\u201c) von Neandertalern verdr\u00e4ngt wurde, die wiederum gegen 40.000 von weiteren Gruppen moderner Menschen verdr\u00e4ngt worden seien.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Beide Studien best\u00e4tigen aber die M\u00f6glichkeit, da\u00df sich eine Population des modernen Menschen schon fr\u00fch in Europa verbreitet und ihr Erbgut auch im heutigen Menschen hinterlassen haben k\u00f6nnte.<\/p>\n<h3 class=\"bodytext\"><strong>Neue Hinweise auf Ur-Homo-Typ<\/strong><\/h3>\n<p class=\"bodytext\">Mittlerweile liegen nun auch gewichtige Argumente gegen die Entstehung des UR-Homo-Typs, also des ersten Exemplars der Menschen-Art in Afrika vor:<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Bereits im Juni 2009 hatten Wissenschaftler\u00a0 in Spanien die fossilen \u00dcberreste eines m\u00f6glichen Vor-Vorfahren des Menschen entdeckt. Der \u201eAnoiapithecus brevirostris\u201c hat sich vor rund zw\u00f6lf Millionen Jahren in Europa entwickelt und wanderte von dort aus nach Afrika ein. Allerdings war nicht klar, ob es sich hier um einen direkten Vorfahren des Menschen oder eine Parallelentwicklung handelte.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Im Mai 2017 untersuchten Wissenschaftler aus T\u00fcbingen dann aber zwei etwa 7,2 Mio Jahre alte in Griechenland und Bulgarien gefundene Fossi\u00adlien des Hominiden \u201eGraecopithecus freyberg\u201c neu und stellten anhand der verschmolzenen Zahnwurzeln festgestellt, da\u00df es sich bei dem Ho\u00adminiden um eine bislang unbekannte Vormenschenart handelt. Damit erh\u00e4rtete sich der Zweifel, ob der Ur-Mensch wirklich in Afrika entstand.<br \/>\nIm September 2017 untermauerten dann Funde von Fu\u00dfabdr\u00fccken eines Hominiden im kretischen Trachilos die ur-europ\u00e4ische Herkunft des Ur-Menschen. Die Abdr\u00fccke liegen in einer Schicht Sedimentgestein, die bereits 5,7 Millionen Jah\u00adre alt ist, wie Datierungen von winzigen Meeresorganismen in dieser Schicht belegen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Nun kommt ein neuer Fund dazu, der erstmals von verschiedenen Medien aufgriffen wurde, und als\u00a0 Meilenstein der Pal\u00e4oanthropologie dazu geeignet ist, die bisherige Sichtweise auf die Evolution der gro\u00dfen Menschenaffen und des Menschen grundlegend in Frage zu stellen. Ein internationales Forschungsteam um Professorin Madelaine B\u00f6hme vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen hat in S\u00fcddeutschland\u00a0 Fossilien einer bislang unbekannten Primatenart entdeckt, die vor 11,62 Millionen Jahren lebte und bereits den aufrechten Gang praktizierte. Der \u201eDanuvius guggenmosi\u201c, so der Name der neu entdeckten Art, wurde in der Tongrube \u201eHammerschmiede\u201c im Landkreis Ostallg\u00e4u gemeinsam mit mehr als 15.000 fossilen Wirbeltierknochen gefunden. Der Lebensraum von Danuvius waren feuchte und bewaldete \u00d6kosysteme, die vor etwa 12 Millionen Jahren in S\u00fcddeutschland vorherrschten. Die Fossilfunde konnte das Team mindestens vier Individuen zuordnen. Das am besten erhaltene Skelett eines m\u00e4nnlichen Danuvius verf\u00fcgt \u00fcber Proportionen, die einem Bonobo \u00e4hneln. Dank vollst\u00e4ndig erhaltener Arm- und Beinknochen, Wirbel, Finger- und Zehenknochen lie\u00df sich rekonstruieren, da\u00df sich Danuvius auch auf zwei Beinen fortbewegte, aber auch klettern konnte wie ein Menschenaffe. Den Rumpf hielt er durch eine S-f\u00f6rmig gebogene Wirbels\u00e4ule aufrecht. K\u00f6rperbau, K\u00f6rperhaltung und Fortbewegungsweise sind f\u00fcr einen Primaten bislang einzigartig. Diese Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass sich der aufrechte Gang des Menschen in B\u00e4umen und vor \u00fcber 12 Millionen Jahren entwickelte. \u201eIm Gegensatz zu sp\u00e4teren Menschen hatte Danuvius eine kr\u00e4ftige, abgespreizte gro\u00dfe Zehe, mit der er gro\u00dfe und kleine \u00c4ste sicher greifen konnte\u201c, erkl\u00e4rte Professor Nikolai Spassov, von der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften. Die Fossilien zeigen, dass Danuvius etwa einen Meter gro\u00df war. Die Weibchen d\u00fcrften gerade mal 18 Kilogramm gewogen haben, weniger als die heutigen Menschenaffen.<\/p>\n<p><i>Quellen: https:\/\/www.archaeologie-online.de\/nachrichten\/neuer-vorfahr-des-menschen-in-europa-entdeckt-4471<br \/>\nVom Autor erschienen: <a href=\"https:\/\/parzifal-versand.de\/product_info.php?products_id=199\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eHyperborea. Der Mensch aus dem Norden in der Fr\u00fchgeschichte&#8220;<\/a>. 2. Aufl. Bottrop 2018<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Funde st\u00e4rken Zweifel an klassischer Out-of-Africa-These Rekonstruktion des Apidima 1-Sch\u00e4dels, der in Griechenland gefunden wurde und plastische Rekonstruktion einer Neandertaler-Frau Die \u201eOut-of-Africa\u201c-These schien in den letzten Jahren dank genetischer Erkenntnisse zunehmend unangreifbarer zu werden. 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