Im Jahr 1902 erschienen im Zuge der erwachenden Begeisterung für die deutsch-germanische Vorzeit gleich zwei Bücher, die Atlantis, den Garten Eden, das Asgart der Edda und der Kern der Odyssee in das Rheinland verlegten: „Asgart und Mitgart“ von Friedrich Fischbach und „Das Paradies der Bibel“ von Ernst Hymmen. Inspiriert von Jakob Grimm vertrat bereits 1891 der Autor Ernst Krause (1839 – 1903) die These, daß viele Geschehnisse der Überlieferungen Homers aus der Illias und der Odyssee tatsächlich im Nordseeraum lokalisiert werden müssen und die Heimat der griechischen Götter in Nordeuropa gelegen habe. Fischbachs 1902 veröffentlichtes „Asgart und Mittgart“, verlegte nicht nur die Heimat der griechischen Götter, sondern auch die der sagenhaften Insel Atlantis in die Gegend zwischen den Flüssen Rhein, Wupper und Sieg. Ausgerechnet in jener Gegend, in der der Verfasser lebte, war demnach auch die Urheimat der Indogermanen zu suchen. „Mittgart“, so Fischbach, „ist das Gebiet zwischen dem Berger Land, dem Vorgebirge und den Mündungen der Sieg und Wupper. Auf den angrenzenden östlichen Höhen liegt Asgart.“ Dem Verfasser zufolge reichen die in der Edda bewahrten Überlieferungen über diese Urheimat bis in die Zeit zurück, als das Meer bis in den Raum der heutigen Stadt Köln reichte. Fischbach zufolge ging Atlantis dann in Folge des Ausbruchs der Vulkane der Eifel und des Siebengebirges unter. Allerdings liegt der letzte Ausbruch der Vulkane der Eifel etwa 200.000 Jahre zurück, der des Siebengebirges sogar mehr als 2 Millionen Jahre.
Nun ist diese Theorie bereits deshalb zum Scheitern verurteilt, da die angesprochenen Vulkane bereits vor mehr als einigen Hunderttausend Jahren zum letzten Mal aktiv waren und ein so hohes Alter von Atlantis definitiv auszuschließen ist. Zudem hat der Forscher Jürgen Spanuh seit den 1950er Jahren zahlreiche Belege präsentiert, daß mit Atlantis sehr wahrscheinlich das bronzezeitliche Reich Nordeuropas gemeint war, das um 1200 v. Chr. in Folge von Naturkatastrophen unterging.
Vermutlich inspiriert von Ernst Krause, der bereits auf Parallelen zwischen griechischer und nordischer Sagenüberlieferung hingewiesen und eine Herkunft vieler Elemente Homers aus Nordeuropa konstatiert hatte, lokalisiert Fischbach zudem Homers Meerenge Skylla und Charybdis im Binger Loch des Rheins sowie den Sitz der Sirenen auf einer Insel nahe des Drachenfelses. Sowohl der griechische Heros Odysseus als auch die Argonauten hätten bereits den Rhein befahren. Fischbach ergänzt dazu: „Von der Trift des Helios Trinakia (Ingelheimer Au) kommt man zur Scylia und Charybdis, dann zu den Plankten an der Loreiei, dann zu den Symplejaden des Siebengebirges und zu den Sirenen-Inseln und Hesperiden-Gärten. Herkules, die Argonauten und Odysseus ziehen diesen Weg, um nach Aea zu gelangen.“ Aea (Gaea), auch als Gefilde der Seligen oder Gärten der Hesperiden bezeichnet, bedeutet dem Autor zufolge das Rheinland.
„Nach J. Grimm“, so Fischbach weiter, „stammen die vorhomerischen Odysseen (vom Orendel und Hadding) vom Rhein. Wir dürfen daher mit stolzestem Hoch- und Wahrheitsgefühl sagen, daß weit vor Homer schon ein Odysseus aus Asgart (Bensberg) auszog, der später zurückkehrte und pietätvoll dem hehren Himmelsvater opferte.“
Wie die meisten der um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert über die Mythenwelt der Germanen publizierenden Autoren war auch Fischbach Laienforscher. Der mit seinem Vater, einem Sagenforscher und Abgeordneten, seiner Mutter und vier Geschwistern in Bensberg (Kreis Mülheim am Rhein Heute Köln-Mülheim) aufwachsende Autor war eigentlich Musterzeichner im textilverarbeitenden Gewerbe, Lithograf und ein an Kunstgewerbeschulen wirkender Lehrer war, bevor er sich der germanischen Mythologie zuwandte.
Bis 1859 besuchte er das Gymnasium in Köln bis zur Prima und zog dann 1862 nach Berlin, wo er eine Ausbildung an der Musterzeichenschule beim Königlichen Gewerbeinstitut Berlin begann. Nach seinem Abschluß fungierte er von 1863 bis 1865 in Wien als künstlerischer Leiter eines Dekorationsgeschäfts und schuf Entwürfe, unter anderem für das Wiener Unternehmen Philipp Haas & Söhne. Zugleich besuchte er Vorlesungen von Rudolf Eitelberger an der Universität Wien, schrieb Feuilletons in der Wiener Zeitung und betätigte sich in einer Kommission in Bezug auf Sammlungen des 1864 gegründeten Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Hier wirkte er auch als Korrespondent und Zeichner. Von 1865 bis 1870 betrieb Fischbach neben dieser musealen Tätigkeit eine Werkstätte, die unter Anlehnung an historischen Muster und Zeugnisse lebendiger Hausindustrien Vorlagen für Tapeten und Heimtextilien von Industrie und Kunstgewerbe entwickelte. 1866 entfaltete er eine rege publizistische Tätigkeit, zeichnete und lithografierte Tafelwerke von Mustern. Ab 1867 war er Wiener Berichterstatter der Didaskalia, außerdem schrieb er für die Deutsche Zeitung in Wien und die Rheinische Zeitung in Köln.
Aufgrund einer schweren Erkrankung seiner Ehefrau verließ er 1870 Wien und übernahm kurzzeitig eine Stelle in Einbeck. Im Herbst 1870 bekleidete er die Stelle eines Lehrers für Ornamentik an der Königlich Preußischen Zeichenakademie in Hanau. 1873 vertrat er in der deutschen Abteilung das Kunstgewerbe bei der Wiener Weltausstellung. In seinem Hanauer Atelier bot er seit 1877 auch einen privaten „Cursus im kunstgewerblichen Zeichnen, namentlich auch für weibliche Handarbeiten“ für „junge Damen“ an. Vom 1. Mai 1883 bis zu seinem Rücktritt am 30. April 1888 fungierte er dann als Direktor der 1865 gegründeten, 1883 neuorganisierten Kunstgewerbeschule (Zeichnungsschule für Industrie und Gewerbe) in St. Gallen.
Ab 1889 lebte er in Wiesbaden, wo er am 12. September 1908 im Alter von 69 Jahren starb.
Sein parallel zu seiner beruflichen Tätigkeit ausgebildetes, durch die Tätigkeit des Vaters unterstütztes Interesse Fischbachs an der germanischen Mythologie und Frühgeschichte führte dazu, daß er Vorstands- und Ehrenmitglied des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung wurde. Zudem wirkte er schon früh innerhalb der Guido-von-List-Gesellschaft, wo er zum Ehrenmitglied aufstieg. Aufgrund seiner Verbindung zu Guido von List wird Fischbach heute stark verkürzt den esoterischen Ariosophen und der völkischen Bewegung zugerechnet.
Ein Jahr nach der Erscheinung von Fischbachs Buch publizierte der lange Zeit mit dem genannten zusammenarbeitende Ernst Hymmen sein Buch „Das Paradies der Bibel, der arischen Völker und Götter Urheimat, ultima Thule sowie das varianische Schlachtfeld mit Hülfe niederrheinisch-bergischer Mythenforschung“. Über seinen einstigen Partner schrieb Fischbach: „Da ich ihn oft als Mitarbeiter bezeichnete, mußte ich mitteilen, daß er durch seine unvorsichtige Publication über das biblische Paradies dem Ansehen meiner Forschungen sehr geschadet hat.“ Dennoch, so der Bensbacher, „verdanke er ihm sehr viel.“
Hymmen seinerseits kritisierte, daß sich sein ehemaliger Partner „nicht weit genug vorgewagt habe“, lägen doch auch die Heimat Siegfrieds und der Nibelungen sowie der Ort der Varusschlacht in diesem Gebiete.
Fischbachs Schuld bestand nach Hymmen auch darin, „daß er seine Untersuchungen zu einseitig auf die Gebirgsgegend beschränkte, und die zwischen dem Rheine, dem Südabhange des bergischen Gebirgslandes und dem Königsforste gelegene uralte Kulturebene fast garnicht in den Kreis seiner Untersuchungen hineinzog.“
Mehr noch als Fischbach verknüpfte Hymmen sein Werk mit regionalem Stolz und patriotischem Pathos, wenn er konstatierte, daß, „von Rom, Athen und Jerusalem abgesehen, […] es auf dem Erdenrund kein Fleckchen Erde [gebe], das bei gleicher Größe eine solch gewaltige Rolle gespielt, keines, das so sehr die Geister aller Zeiten beschäftigt, keines, das eine solche geradezu unabsehbare Literatur gezeitigt hätte, als unsere niederrheinisch-bergische Heimat.“
Folgerichtig wollte der Autor sein Buch daher auch als vaterländischen Dienst verstanden wissen, der mit der lange gehegten Geschichtslüge aufräumen sollte, daß „die alten Germanen Barbaren gewesen“ seien. „An die Stelle dieser Geschichtslüge“, so der Autor, „wird treten die geschichtliche Wahrheit, daß der Ursitz der Germanen am Niederrhein — der Ursitz der arischen Völkerrasse — der Ursitz einer blühenden Kultur war, die uns in Tiefen der Zeit zurückführt, in die kein Senkblei reicht.
Zur Geltung wird kommen die geschichtliche Wahrheit, daß die niederrheinischen Deutschen es waren, die in Jahrtausende langer Denkarbeit den gewaltigen Sprach- und Mythenschatz schufen, von dem die ganze arische Rasse zehrt.“
So sehr die Thesen der beiden hier vorgestellten Autoren Widerspruch hervorrrufen müssen, ist ihre Arbeit dennoch von nicht zu unterschätzender Bedeutung, unternehmen sie doch zahlreiche, von der germanischen Mythologie inspirierte Namensdeutungen alter Orte in der Gegend zwischen Wupper, Sieg und Rheinland und liefern wichtige Impulse für die mythologische Forschung. So enthält etwa Fischbachs Werk eine Reihe von Orten mit Namen, die tatsächlich an mythologische Orte oder Protagonisten aus der Edda erinnern: Herkenrath (auch Erkenrath) als Hemat der Herka-Frigga, Alkenrath als Sitz der Alken, Idelseld als Iduna-Feld, der Asenborn (auch Asselborn) als Asenbach oder die Ortschaft Bensberg mit dem Zienberg, Hackberg und Bockenberg.
Auch wenn die Gegend sicherlich nicht dem Atlantis der Überlieferungen Solons entspricht, sind dennoch viele Benennungen nach mythologischen Personen und Orten nicht von der Hand zu weisen und auch für andere Gegenden des germanischen Sprachraumes belegt. Schließlich können die so enthüllten Orte auch Hinweise auf alte Kultstätten liefern, die noch ihrer Entdeckung harren.