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Vom Ursprung der Odyssee: Siegfried und Achilles an der Sieg



Stammen die homerischen Epen aus dem Rheinland?

10 Jahre lang, so berichtet es der griechische Dichter Homer, irrte König Odysseus von Ithaka nach dem Ende des zehnjährigen Trojanischen Kriegs mit seinen Gefährten von Abenteuer zu Abentauer, bevor erseine Heimat erreichte. Bis heute fasziniert die sagenhafte Überlieferung die Menschen. Doch nur wenige ahnen, daß ein direkter Bezug zwischen der Odysee und dem heutigen Deutschland besteht, ja, daß die Urfassung der Odyssee sogar in unserer Heimat entstanden sein könnte!

Antike Erwähnungen

Bereits der römische Autor Tacitus (Germania, 3, 2.) erwähnte die zeitgenössische Ansicht, derzufolge Odysseus „bei seiner Irrfahrt in das nördliche Weltmeer verschlagen“ worden sei und „die Länder Germaniens besucht“ habe. „Asciburgium, ein noch heute bewohnter Ort am Ufer des Rheins, sei von ihm gegründet und benannt worden; ebendort will man sogar vor Zeiten einen dem Odysseus geweihten Altar gefunden haben, auf dem auch der Name seines Vaters Laertes stand, und noch heute gebe es im Grenzgebiet zwischen Germanien und Rätien Grabdenkmäler mit griechischen Schriftzeichen.“
Auch andere antike Gelehrte verlegten verschiedene Episoden der Odyssee an den Rand des Okeanos, also nach Nordeuropa: Das bemerkenswert viele Details mit der Atlantis-Beschreibung Platos aufweisende Scheria der Phäaken,683 die Insel der Helios-Tochter Kirke Aiaia und auch das Elysium, die Toteninsel, wurden schon in der Antike an der nordeuropäischen Küste lokalisiert.

Jakob Grimm und Ernst Krause

Im Jahre 1891 belegte der deutsche Forscher Ernst Krause auf den Spuren des Sagenforscher Jakob Grimm, daß die Odyssee aus verschiedenen Erzählsträngen zusammen gesetzt ist, die oft auf nordische Sagen zurückgehen. Zu diesen alten, in Skandinavien verbreiteten Erzählungen, zählt vor allem die Polyphemgeschichte, die auch als eine Adaption der alten Sage von der Befreiung der Sonne anmutet. Eine nichthomerische Version läßt Odysseus ganz im Stile des Sonnenbefreiers die Tochter des Polyphem entführen um sie heimzuführen.686
Aber auch der Kern der Odyssee selbst erscheint im Nordraum unter verschiedenen Variationen: Die Orendel-Sage etwa wirkt wie eine altertümliche Fassung der Odyssee, und weist auf ein sehr hohes Alter hin.
Und auch die Illias, der Kampf der vereinigten Koalition der Griechen gegen Troja, trägt deutliche mystische Züge. Vor allem der Raub der Königstochter (= Sonnenjungfrau) durch Paris und die Überwindung der die Jungfrau festhaltenden Macht durch das Pferd erinnern an die nordische Sonnenbefreiermythe wie sie auf dem Krug von Tagliatelle (7. Jahrhundert v. Zw.) plastisch verewigt ist.687 Krauses Fazit war schließlich sogar, daß „die gesamte Grundfabel der Odyssee wie der Illias aus diesem kimmerischen Norden nach Griechenland gelangt ist“ und daß es sich dabei „um alte Erinnerungen eines südwärts gewanderten nordischen Stammes handelt und darum keine Schwierigkeit mehr darin gesucht werden darf, wenn an manchen Stellen auch Himmel und Erde, Klima und Jahreszeit der Heimat richtig geschildert sind.“688

Jüngere Forschungen

Zuletzt hatte Harald Haarmann nochmals darauf hingewiesen, daß „viele der älteren Elemente in Homers Epen“ aus vorgriechischer Zeit stammen, insbesondere der Heldenkult sei nicht ausschließlich mykenisch geprägt und stamme vermutlich noch aus dem 3. Jahrtausend v. Zw. stammen.
Der letzte Vorstoß in dieser Richtung erfolgte durch den Italiener Felice Vinci. Diesem steht das Verdienst zu, erstmals sämtliche geographischen Angaben der Odyssee im Gebiet der Ostsee zwischen Dänemark und Finnland lokalisiert zu haben. Das Fazit des Forschers: Homer selbst war kein Grieche oder Mykener, sondern Skandinavier, der Mitte des 2. Jahrtausends aufgrund klimatischer Bedingungen gemeinsam mit vielen Landsleuten nach Griechenland ausgewandert sei, im Gepäck die Epen ihre nordischen Heimat. Doch nicht nur die Geschichte, sondern auch die Ortsnamen wurden aus der nordischen Heimat mitgeführt und auf Regionen des Mittelmeerraumes übertragen. Die Beweisführung hierfür ist schwierig, allerdings stammen die heute im Mittelmeerraum gebräuchlichen Namen tatsächlich von den Griechen, die damit ältere einheimische Namen ersetzten. Diese Namensübertragung war eine noch bei den Germanen gängige Praxis, wie Hermann Zschweigert in Bezug auf Ortsnamen in den Alpen bemerkt. Diese lassen sich auch in Norwegen nachweisen, von wo sie mitgebracht wurden.

Vergessene Forschungen von Friedrich Fischbach

Fast vergessen sind in diesem Zusammenhang heute die Forschungen Friedrich Fischbachs, der 1902 ausführte:
„Die Sonnenjungfrau Helena wird nach urältesten My­then mit dem Mondgott vermählt. Menelaos ist der vermensch­lichte Mondgott. (Mena Mond.) Beim Sonnenbezirk (Ellerberge, Eil etc.) liegt Mondorf bei Troisdorf. Nach sehr alter Auffassung bedeutet Troja die Grabburg, die Unterwelt, in welcher die Licht­göttin gefangen gehalten wird. Das wirkliche Troja soll ja eine Ne­kropole gewesen sein. Aber bei Homer sind die Bewohner dort lebensfroh, und selbst der dämonische finstere Hagen wird dort zum edlen, hochgesinnten Hektor. Merkwürdig ist, daß beide die Stammsilben von Beschützen, Hegen haben, da Haag und Hec­ke Gleiches bedeuten. Hagen wird als Feind des Lichthelden, als Abkömmling eines Nacht-Alben bezeichnet und Tronjer genannt. Sehr wichtig ist, daß, wie Siegfried von der Sieg, so Achill den Na­men von Acheloos = Agger hat. Beide fließen bei Siegburg in den Rhein. Bezeichnend ist auch „Kriegsdorf“. — Thorr und Hermel wurden durch Herkules bei den Griechen ersetzt. Achill wurde der Siegfried der Griechen und beherrschte ebenso die Minnido­nen, wie Siegfried die Nibelungen. Thronte die jüngere Freya auf dem nach ihr genannten Berge Bendis-Berg (Bensberg), so die äl­tere Sonnenjungfrau Hellena oder Helena auf den Ellerbergen.
Ernst Krause (Carus Sterne) hat in seinem „Tuisco-Land“ mir in Vielem vorgearbeitet und eingehend die Troja-Burgen beleuch­tet. Die nordischen Namen Troyes, Troneck, Troneg, Trony sind von Burg-Vesten abzuleiten. (Treu und fest.) Carl Blind wies wiederholt nach, daß die in Kleinasien eingewanderten Phrygier Franken waren. Deutlich beweist der Beiname der Athene „Trito­geneia“, altgermanischen Ursprung.“

Siegfried und Achilles

Auch die überlieferten Übereinstimmungen zwischen dem nordischen Helden Siegfried und dem hellenischen Heros Achilles erregten Fischbachs Aufmerksamkeit:
„Man hat den Namen Achill als „reißender* Bergstrom gedeutet, der unwiderstehlich Alles vor sich niederwirft, wenn er zornig von der Höhe herabstürzt. Die Verwandtschaft des Namens mit dem von Herkules besiegten Flußgott Acheloos ist auffallend. Sie führt uns auf die Spur, daß Achill nur ein anderer Name für Sieg­fried ist. Erkennen wir in Acheloos die Personification der Agger, oder wie das Volk spricht, Acher, so ist Achill der von der Agger Stammende. Da nun die Agger in die Sieg fließt, und zwar nicht weit von den Wolsbergen bei Siegburg, so haben beide Helden gemeinsames Ursprungsland.
Die ältesten griechischen Sagen bestätigen, daß Aeakus, der Großvater Achills, aus dem Lande Aea stammt. Er ist der Sohn des Zeus und der von ihm nach Oenone entführten Aegina. Der Name Aegina weist auf Aegir hin. Sie ist eine Okeanide. Aeakus gilt wie Athamas als sehr frommer Opferpriester. Sein Sohn Pe­leus, der Vater des Achill, hat mit dem Vater Siegfrieds Siegmund gemein, daß er ein Schwert oder Messer wunderbarer Art findet. Siegmund zieht aus dem Eichbaum das von Odin hineingestoßene Schwert, das Nie­mand vor ihm herausbrachte. Peleus findet mit Hilfe Chirons ein von seinen Feinden im Kuhmist verborgenes, von HepHalstos ge­schmiedetes, wunderbares Messer.
Achill empfängt seine Waffen von seiner Mutter, welcher er sehr ungermanisch jammernd klagt, daß Agamemnon ihm sei­ne Liebste, die wie Bernstein leuchtende Briseis weggeholt. Sieg­fried schmiedet sein Schwert selbst und holt seine Braut Brunhild durch den Ritt durch die feurige Lohe.
Thetys salbt Achill mit Ambrosia, um ihn unsterblich zu ma­chen; Siegfried salbt sich mit Drachenblut. Er ist im Rücken, Achill an der Ferse verwundbar. Homer beschreibt das große Grabmal, das als weit geschautes Wahrzeichen Achill mit Patroklos er­hält. Andere Dichter vermählen ihn auf der Insel der Seligen, in Aea, also in seinem Heimatlande mit der Medea, der Gudrun der Edda. Wieder andere verbinden ihn dort als herrlichsten Helden mit Helena, dem schönsten Weibe. Euphorien ist ihr Sohn. Zeus nahm ihn als seinen Liebling durch einen Blitz zu sich.
Preller nennt diese Sagen „märchenhafte Züge einer alterthüm­lichen Ueberlieferung, die ursprünglich einen anderen Sinn als den der gewöhnlichen Sage hatten*. Für uns sind es hochwichtige Beweise für die Identität der größten Helden. Pindar läßt Peleus, den Vater des Achill auch am Argonautenzug teilnehmen.
Von der Kindheit Achills erzählen die Sagen, daß der vom wei­sen Chiron Unterrichtete als Sechsjähriger Löwen und Eber, tö­tete, in den Höhlen die Centauren und ohne Hunde und Netze die schnellsten Hirsche bezwang. Aehnliches berichten die nordi­schen Sagen von Siegmund, Sinfiötli und Siegfried.
Hauptbeweis gleichen Ursprungs ist die griechische Fabel, daß Achill die Myrmidonen beherrschte. Die Ursage, daß Siegfried durch den Besitz des Nibelungenhortes König der Nibelungen wurde, war in Griechenland verklungen. Die Nibelungen sind Immelungen, die emsig wie Ameisen das Metall sammeln, das der Regenbogen in den Rhein etc. tröpfelt. Die Griechen lassen Zeus als Ameise (Mürmex) mit Eurymedusa, der Tochter des Acheloos, den Myrmidon, den Beherrscher der Myrmidonen er­zeugen. Nach anderen Quellen soll Zeus seinem Sohne Aeakos ein Volk geschaffen haben, indem er einen Ameisenhaufen in Menschen verwandelte.“
Und weiter heißt es hier:
„Nach griechischen Sagen zieht Tros 500 Jahre vor dem trojanischen Kriege als Phrygier (Franke oder Freier) nach Kleinasien und erbaut Troja. Der Fluß Simois wird der simuntische genannt Siegmund wohnte an der Sieg. Das nahegelegene Eil entspricht Dion, die Bergveste Siegburg Pergamon. Daß Siegfried echtere Züge als Achill behielt und ebenfalls die Agger (den Acheloos der Griechen) als Heimatland besitzt, ist schon angedeutet. Das nahgelegene Kriegsdorf weist auf alte Kämpfe hin, und Mondorf auf den Sitz des Menelaos. (Mena = Mond.) Von der nahen Wol­kenburg oder vom Petersberg sah Zeus-Odin auf das Schlacht­feld. Wie beim Olymp und dem Berge Ida hatte er die Wahl, vom Hochsitz in Asgart oder vom Siebengebirge oder von Godesberg zuzuschauen.
Trois- resp. Trosdorf ist also das älteste Troja, wenn auch seine Holzbauten verschwunden sind. Näheres ersehe man aus den Er­läuterungen der Flurnamen.“

„Dieser Vergleich ergibt“, so das Fazit Fischbachs, „daß die Griechen nur dunkel die Sagen ihrer Urheimat besaßen, als der Sammler Homer Illias und Odys­see schrieb. So haben wir auch im Achill nur eine Abschwächung der Sigurd-Mythen. Durch den Ring wird Sigurd (Siegfried) ein Niblung. Achill ist der Fürst der sagenhaften Myrmidonen, d. h. eines Volkes, das wie Ameisen Schätze aus der Erde holt. Wäh­rend die meisten trojanischen Helden ein genau nachweisbares Stammland von Homer erhalten, bleibt das des Achill in tiefem Dunkel, denn es war schon zu Homers Zeiten (1100 vor Christus) die alte Heimat der Sigurd-Lieder in der Erinnerung verblaßt. Verwandtschaftliches bieten die Namen Hagen (Högni) und Hek­tor. Letzterer wird die Schutzwehr der Trojaner genannt. Hagen beschützt die Familie Gunnars, steht aber als Nachtdämon dem Sonnenheld gegenüber. Hag und Hecke sind Schutz gegen Fein­de. — Andromache = Männerbekämpfende ist der Name der Gat­tin Hektors, obschon sie im Liede nur liebreiche Gattin und Mut­ter ist. Es liegt die Verwechslung mit Siegfrieds Gattin vor, welche zahllosen Männern Verderben brachte. Odysseus ist als Odinsohn der Wanderer auf Erden. Jakob Grimm bestätigt, daß in dem mit­telalterlichen Orendel-Liede (dem Helden mit dem grauen Rock Christi) eine nordische Odyssee enthalten ist, welche älter als die homerische ist.“

Friedrich Fischbach: Asgart und Mittgart

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