Forsite Verlag Uncategorized Genetiker-Koryphäe David Reich bestätigt „Archäogenetische Irrwege“

Genetiker-Koryphäe David Reich bestätigt „Archäogenetische Irrwege“



David Reich, Genetiker an der Harvard Medical School, rückte erstmals in seinem 2018 erschienenen Buch „Who we are and how we got here“ (Wer wir sind und wie wir hierher kamen“, 2018) von einem wesentlichen Punkt der Out-of-Arica These ab, als er den Neandertalern einen größeren Einfluß auf die Entwicklung des modernen Menschen einräumte als zuvor verbreitet.

Bereits 2017 hatten Carina Schlebusch, Helena Malmström und Thotrsten Günter in der Studie „Southern African ancient genomes estimate modern human divergence to 350,000 to 260,000 years ago“ nahegelegt, daß die erste Populationsaufspaltung der modernen Menschen in einem Zeitraum zwischen 350.000 und 260.000 Jahren vor heute erfolgte. Diese Schätzung verlegte den Zeitpunkt der frühesten Aufspaltung innerhalb der modernen Menschen weiter in die Vergangenheit und fällt mit den anatomischen Entwicklungen der archaischen Menschen hin zu den modernen Menschen zusammen, wie sie in den lokalen Fossilienfunden dokumentiert sind.

 

Nun legt Reich mit einem Beitrag (Hypothesis: A modern human range expansion ~300,000 years ago) nach und stellt die Hypothese auf, dass sich die Neandertaler bildeten, als sich eine Population, die die erst kürzlich entwickelte Levallois-Steinwerkzeugtechnik nutzte, vor 400.000 bis 250.000 Jahren (ka) ausbreitete. In Europa führte ihre Ausbreitung in ein Gebiet, in dem Menschen vom Typ „Sima de los Huesos“ lebten, zu einer massiven Introgression lokaler archaischer Gene, wodurch eine Population mit etwa 95 % archaischer Abstammung (Neandertaler) entstand; sollte diese Ausbreitung geschlechtsspezifisch gewesen sein, würde dies eine einfache Erklärung dafür liefern, warum Neandertaler Y-Chromosomen oder mitochondriale DNA der modernen menschlichen Linie bewahren. In Afrika führte die Vermischung mit lokalen archaischen Menschen zu einer geringeren archaischen Beimischung und zu der tiefen Substruktur, die heute bei allen modernen Menschen nachweisbar ist. Diese Hypothese erklärt vier bisher rätselhafte Ähnlichkeiten zwischen modernen Menschen und Neandertalern – die gemeinsame mitochondriale DNA, die Y-Chromosomen, die Levallois-Werkzeuge und den Entstehungszeitpunkt der Vermischung vor 300–200 ka –, obwohl Neandertaler und Denisovaner genomweit in einem Cluster zusammengefasst sind.

Zugleich stellt er jedoch auch die Theorie in den Raum, daß sich die eigentliche Entwicklung des modernen Menschen gar nicht in Afrika ereignete, sondern im Nahen Osten, von wo vor etwa 300.000 Jahren Expansionen in Richtung Europa und in den Süden Afrikas ausgegangen sein sollen.

Sowohl Reich als auch andere Genetiker nähern sich damit Schritt für Schritt den Thesen an, die bereits in der Veröffentlichung „Archäogenetische Irrwege vor mehr als acht Jahren publiziert wurden. Hier heißt es zu Unstimmigkeiten im damaligen Lehrbild:

„So wurden Abschnitte des Y-Chromosoms ausgemacht, die sich, obgleich unzweifelhaft dem Homo Sapiens zuzuordnen, nicht in die Gruppenfolge A, B usw. einordnen ließen, sondern offenbar älter waren. Die Forschung reagierte darauf mit der Ergänzung des Stammbaumes nach unten: Nun war nicht mehr A Ausgangspunkt, sondern A0, wobei dann bei jedem älteren Fund kurzerhand eine 0 hinzugefügt wird.
Zudem wurde ermittelt, daß Y-Hapogruppe B nicht von A abstammen könnte, da viele A-Typen Mutationen tragen, die B-Typen nicht besitzen. Eine alternative Theorie der Menschheitsentwicklung geht daher davon aus, daß der Ursprung des „modernen“ Menschen nicht unbedingt in Afrika lag, sondern ebensogut in Südeuropa oder Vorderasien gelegen haben könnte, und zwar bei einer Haplogruppe „Alpha“, von der A abzweigte und nach Afrika einwanderte. Während A sich nach Afrika ausgebreitet habe, seien die Nachfolger von B bzw. Beta im Laufe der Zeit in alle anderen Teile der Welt gewandert. Ein außerafrikanischer Ausgangspunkt von Y-Haplogruppe Alpha wird durch jüngste Forschungen zur mt-DNS mittlerweile erhärtet. Wie chinesische Forscher um Hengjao Chen nahelegen, ist auch der offizielle weibliche Haplogruppen-Stammbaum falsch. Haplogruppe R, von der alle asiatischen und europäischen Mütter abstammen, sei demnach vor N anzusetzen, die auf Afrika als Ursprung hinweise…“

Und bezüglich der Neandertaler hieß es hier:

„2019 fanden Forscher heraus, daß die aufgefundenen Neandertalerskelette aus der Zeit nach 220.000 v. Zw. allesamt Mitochon-drien-DNS des modernen Menschen aufwiesen. Ein Neandertaler paarte sich demnach irgendwann vor 470- 220.000 Jahren mit einer Frau eines Stammes „moderner“ Menschen, und diese Frau lebte in der Neandertaler-Sippe, wo sich ihre Nachfahren ausschließlich mit Neandertalern paarten. Während die anderen mütterlichen Linien der Neandertaler ausstarben, überlebten offenbar nur die Nachfahren der Frau des „modernen“ Menschen-Stammes, so daß alle späten Neandertaler deren Mitochondrien-DNS besaßen.
Kaum hatte sich der Wirbel um diese Entdeckung gelegt, stand schon der nächste Ärger vor der Tür. Denn egal wie viele Überreste von Neandertalern auch untersucht wurden, in keinem Fall konnte eine Y-Haplogruppe des Neandertalers entziffert werden, auch wenn ausreichend Genmaterial vorhanden war. Alle Ergebnisse erschienen als Y-Haplogruppen des modernen Menschen. Irgendwann dämmerte es den Forschern: Auch die männliche Neandertaler-Linie muß irgendwann durch eine männliche Abstammungslinie des Homo Sapiens „gekapert“ worden sein So soll auch die männliche Linie der Neandertaler schon vor mehr als 100.000 Jahren die Y-Chromosomen des Homo Sapiens aufgewiesen haben, obwohl letzterer ja offiziell erst vor 50.000 Jahren Afrika verlassen hatte. Laut jüngsten Erkenntnissen soll sich also eine frühere Welle „moderner“ Menschen vor mehr als 200.000 Jahren mit Neandertalern gepaart haben. Über einen längeren Zeitraum seien dann die männlichen Neandertalerlinien ausgestorben und es blieben nur die Abstammungslinien des modernen Menschen innerhalb der Neandertaler-Populationen bestehen.28
Aus dieser Theorie entspringt aber schon der nächste Haken. Denn der klassische Neandertaler existierte erst seit etwa 130.000 v. Zw., alle Skelettfunde aus früheren Zeitstufen werden dem Homo Heidelbergensis zugeordnet, der als Vorfahr des Neandertalers gilt. Das bedeutet, daß es strenggenommen gar keinen klassischen Neandertaler gab, denn bei seiner evolutionären Geburt war er ja bereits ein Hybrid aus „modernem“ und Neandertaler-Menschen.
Es existieren also nach wie vor noch Hinweise darauf, daß die derzeit vorherrschende OoA-Theorie fehlerhaft ist, wonach der „moderne“ Mensch zwischen 100 und 50.000 v. Zw. aus Afrika aufgebrochen sei und alle anderen Menschenformen weltweit im Laufe der Zeit ersetzt hätte. Zumindest wird nunmehr eingeräumt, daß es „moderne“ Menschen bereits einige hunderttausend Jahre zuvor außerhalb von Afrika gegeben haben muß.“

So zeichnet sich immer deutlicher die Unhaltbarkeit der ideologisch motivierten „Out-of-Africa“-Theorie ab.

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