„Der neue Externsteine-Führer“ lautet der Titel des lange vergriffenen Werkes des bedeutenden Symbolforschers, in dem erstmals die abendländische Hoch- und Weltreligion der Großsteingräberzeit geistesgeschichtlich erschlossen und ihre zentraleuropäische Kultstätte, die Externsteine als „Eccestan-Mutterstein“, als die „Herz-Hauptstätte“ des Abendlandes erkannt wird.
„Die Ur- und Volksreligion des Abendlandes, der europiden, weißen Rasse, findet“, so erläutert der Verfasser, „ihren Ausdruck in der Symbolik als Begriffszeichen, dem Ideogramm. Diese Symbolik ist monophyletisch (= aus einer Quelle entspringend), nur abendländischen Ursprunges. Mit dieser ideographischen Symbolik erscheint die europide, die weiße Rasse in der letzten Eiszeit in Südwest-Europa und breitet sich durch den eisfreien Raum Nordeurasiens nach dem Fernen Osten (China) und Nord-Amerika aus. Ihre Spur ist die Aurignac-Kultur; – das Heilssymbol von dem Herabkommen, der Herabsendung der „Kraft von oben” auf dem Sonnenweg , ihrer Ballung vor der Aussendung, der Bewegung hzw. und der Kult der Göttlichen Ur- und All-Mutter; anthropologisch: die Cromagnon-Rasse, die Hoch-A-Blutgruppe. Es ist der erste Strom vom Okzident zum Orient, die nordeurasiatische Mutterkultur.
Der zweite Strom ist die Tochterreligion der nordeurasiatischen Mutterreligion der letzten Eiszeit: die abendländische Megalithreligion, Großsteingräberreligion. Auch sie ist Urreligion, Volksreligion und bewegt sich vom Okzident nach dem Orient, diesmal aber südlicher, durch den Mittelmeerraum und seine südosteuroäischen und nordafrikanischen Randgebiete. Es ist die Religion von den großen „heiligen Mächten”, dem Himmel-Vater, der Erden-Mutter, der Großen Göttlichen Mutter, und dem Sohn des Himmels und der Erde, dem Gottsohn, als Offenbarung und Verkörperung der göttlichen Allordnung in seinem „Jahrgang”. Es ist die gleiche Heilssymbolik des 8 > 8 > S, die besonders mit dem Motiv des „Kreuzgottes” und des Kreuzes und verbunden ist, als Heilsgewißheit der nach der Allordnung ewig erfolgenden Wiederkehr und Wandlung vom Tode zum Leben. Es ist die Religion von der „Göttlichen Familie”, die Abendland und Morgenland zu einer kultischen Einheit zusammenfaßt, getragen von einem kultischen Matriarchat der Seherinnen, erkennbar an der „Göttlichen Mutter”- und der „drei Mütter”-Symbolik. Es ist dies auch die „ursemitische” Volksreligion des Nahen Ostens gewesen, von Syrien-Kanaan-Arabien, wie von Vordynastisch-Ägypten. Zu ihr gehörten auch die Israeliten, die „Erzväter”. Erst danach, mit dem Einsetzen der Völkerwanderungen des 3./2. Jahrtausends, erfolgt der Bruch: die Entstehung der Königs- und Priesterreligionen mit den persönlichen Schutz- und Geleitgöttern, als Mittel zur Macht. Das Erscheinen buchstabenschriftlicher Religionsfassungen, „Gottesworte”, „Gottesgesetze” bezeichnet den Tatbestand der Umbrechung, Umwandlung und Abwandlung bis zur Verunholdung und völligen Unterdrückung und Ausrottung der Ur- und Volksreligion zum Zwecke der absoluten Herrschaft eines Heerkönigtums oder einer Staatspriesterschaft, Theokratie. Extremste Form dieser Gattung, im besonderen als Aggressions-Ideologie, ist die neue mosaische Jahve-Religion am Sinai:
„Ihr sollt mir ein Königreich von Priestern werden” (2. Mos.19).
Die Schau eines Himmel-Allvaters der altarabischen Megalithreligion wird umgewandelt zu einem ausschließlichen Schutz- und Geleitgott der theokratischen Führung der israelitischen Völkerwanderung, die zum „auserwählten Volk” dieses neuen Staatspriestergottes gemacht wird. Die Verbindung zwischen diesem abgerückten Führergott und dem Volk geht nur über und durch die Priesterschaft. Die enge menschliche, persönliche Verbindung mit der göttlichen Trinität ist damit aufgehoben, wie die Göttliche Mutter und der Gottsohn zu diesem Zweck auch ausgestoßen werden. Der mit allen dämonischen Eigenschaften von Haß, Zorn, Rache usw. ausgestattete Führer-Gott, der die Feinde zerschmettert, ihnen das Rückgrat zerbricht usw., verheißt „seinem Volk” das Land anderer Völker, das zu erobern ist. An diesen Völkern ist der „Bann Jahve’s” zu vollziehen, d. h. die Ausmordung. Erkennbar sind alle diese Schutz- und Geleitgötter-Neuschöpfungen der männlichen Völkerwanderungs-Machtideologie an dem Verlust des Wiedergeburtsglaubens, d.h. Verlust der Erkenntnis einer göttlichen Seins-Lebensordnung. Der Verlust der Heimat und ihrer Sippengräber, die Gewalthandlungen der Eroberung und Unterjochung wirken sich seelisch wie der „Fluch der bösen Tat” aus. Scheol ist eine ebenso trostlose Stätte der Nimmer-Wiederkehr, wohin Jahves Macht nicht reicht, wie die sumerische Unterwelt kurnugi „Land ohne Heimkehr” und die entsprechende babylonische, assyrische Vorstellung, wie Hades bei den Griechen, der infernus bei den Römern oder Hel der Edda, der Odins-Welt. Das neue geschriebene Sakralkönigs- oder Staatspriestergesetz überschichtet das nichtgeschriebene „innere Gesetz” der Volks- und Urreligion. Die neue „Gesetzes”-Religion ist patriarchal, vater-, männerrechtlich. Das kultische Matriarchat, das Seherinnentum, die „Mütter” werden beseitigt. Volksaltgläubiger Widerstand wird „liquidiert” (die Korah-Sippe). Diese mannrechtliche „Gesetzesfrömmigkeit” ist durch niemand besser gekennzeichnet worden als Gegensatz zwischen „heidnisch” (abendländisch) und jüdisch-christlich, als durch den Heiden-Apostel Paulus in seinem Gegensatz zu dem Judenchristentum von Jerusalem, von Petrus, dem künftigen Hohepriester-Papst von Rom: der Buchstabe (das „Gesetz”) tötet, aber der Geist erhält lebendig. Darum sei auch das Heil den Heiden gegeben, weil sie „von Natur” (physei) des Gesetzes Werk tun, sich selbst ein Gesetz sind, geschrieben in ihrem Herzen, weil ihr Gewissen ihnen zeuget (2. Kor. 5, 6; Römer 2, 14-15). (Siehe Nachtrag S. 112)
Der bisherige „Streit um die Externsteine” ist mit Erscheinen dieses vorläufigen Untersuchtungsberichtes völlig gegenstandslos geworden. Es hebt ein neuer Abschnitt der Auseinandersetzung um die Externsteine an, die von einer lokalen, inneren, deutschen Angelegenheit zu einer Weltfrage (oder zuletzt „Heim”-Frage) wird: die Frage um das „Heilsgeschehen”, eine für die christliche Religion und die christliche Kirche entscheidende Zukunftsfrage. Wer an einem „Heilsgeschehen” als Glaube festhalten möchte, der kommt nicht mehr vorbei an den geschichtlichen Tatsachen,
1) daß der „Kreuzgott” am vierten Felsen des „Eccestan” als eine göttliche Offenbarung mindestens 6000 Jahre vor Golgatha existierte;
2) daß der Mythos vom „Kreuzgott”, von der Göttlichen Mutter, ihrem „Herz-Haupt” usw. mit der Großsteingräber-Religion nach dem Nahen Osten und dem Morgenland kam (4./3. Jahrtausend), um am Sinai von dem neuen mosaischen Jahve-Glauben ausgemerzt zu werden;
3) daß diese Urreligion als Volksaltglauben in den niederen, nicht deportierten, nicht strafverschickten Volksschichten der Süd- und besonders der Nordstämme im „Untergrund” weitergelebt hat, und zwar in einer Dauerüberlieferung, die sich an Hand der Kult-, Symboldenkmäler, des Kult-Brauchtums und der wenigen Inschriften lückenlos nachweisen läßt.“