Forsite Verlag Veröffentlichungen Das Hakenkreuz – ein nordisches Symbol?

Das Hakenkreuz – ein nordisches Symbol?



Die frühesten Hakenkreuze treten nicht im Norden Europas auf, sondern im Südosten Europas: In einem Streifen, der vom heutigen Ungarn über Rumänien bis nach Serbien reicht – oder noch weiter östlich, wenn man das Symbol aus der heutigen Ukraine als Hakenkreuz anerkennt. Es erscheint auf den ersten Blick nicht sehr wahrscheinlich, daß das Hakenkreuz fast 10.000 Jahre vor seinem ersten gehäuften Erscheinen in der heutigen Ukraine erstmals verwendet wurde. Allerdings liegt der Bezug zu einem Vogel durchaus auf der Linie der sinnvollsten Herleitung des Symbols von der Sonne. Verschiedene Vögel gelten als Symbol der Sonne, darunter der Adler, dessen Name „Ar“ dem altnordischen Wort für Sonnenlicht, Ar, entspricht. Die „lichten Sonnensöhne“, die Arier, führten den Adler als Adelswappen in verschiedene Regionen des Mittelmeerraumes ein, wo er sich lange Zeit als Symbol der Adelsschicht erhielt und noch heute diverse Staatswappen schmückt, zugleich trugen sie auch das Hakenkreuzsymbol mit sich. Daneben galt der Adler aber auch als „Feuerträger“, synonym mit dem Symbol des Blitzes, der einst das Feuer auf die Erde brachte.
Neben dem Adler ist auch der Schwan, der Begleiter des Sonnengottes Apollon, ein Sonnensymbol. Als Symboltier des Sonnenbefreiers gelangte er mit den Nordmeervölkern aus dem Norden in den Mittelmeerraum, wo der Sonnenbefreier als Gottessohn Apollon Verehrung fand. Der Schwan ist dabei das klassische Polartier, das auf eine hypothetische Heimat der Nordleute in einem subarktischen Gebiet deutet. Verbunden mit der Vorstellung des Vogels als Sonnensymbol ist der Gedanke des Vogels als „Seelenträger“. Schon in jungpaläolither Zeit erscheint der Seelenvogel, der die Seele eines Toten aufnimmt. In megalithischer Zeit, in der zu Beginn der Leichnam auf dem Grab aufgebahrt wurde, wurden Vögel als Seelenboten betrachtet. Auf den Strahlen der Sonne reitend bringen sie die Seele fort und kehren mit ihr zurück zum Neugeborenen. Hier liegt auch die Geburt des Gedankens des Storches als Kinderbringer.

Unzweifelhaft ist das Hakenkreuz auch an seinem frühen Schwerpunkt im Gebiet des Donauländischen Kreises (Vinca-Kultur), die als eine der frühesten fortschrittlichen Zivilisationen in Europa gilt, mit der Sonne verbunden. Ihr Lauf bedeutete winterliches Erlöschen als auch frühlingshaftes Wiedergeborenwerden der Natur mit ihren Begleiterscheinungen. Dinge, die nur im äußersten Norden wahrgenommen und kultisch verarbeitet werden konnten, nämlich in Form des Sonnenkultes und seines Symbols, des Hakenkreuzes. Dieses verkörpert, so Herman Wirth, „die große Heilsgewißheit von der göttlichen Weltordnung, der Ewigkeit des Seins, der Erneuerung des Lebens, das vom Lichte Gottes ist. Es drückt das aus, was die arischen Inder das rta (lateinisch ritus, unser Wort Art usw.) nannten, die Drehung, den Umlauf, die kosmische Weltordnung, das Weltgesetz, die Gesittung, das göttliche Recht. Wer in diesen göttlichen Gesetzen alles Daseins steht, der hat die Erneuerung des Lebens Gottes in der Kette des Daseins, seiner Sippe, welche von Gott kommt.“

Warum aber wird das Hakenkreuz in einigen Kulturen dennoch mit dem Feuer bzw. dem Feuerquirl verbunden, etwa bei nordamerikanischen Indianern, wo es als „wirbelndes Rundholz“ firmiert?
Dahinter steht der Gedanke, daß das Feuer ein Bestandteil, oder besser ein Kind der Sonne sei, das Feuer ist die irdische Verkörperung des Sonnenlichtes. Zu jeder Sonnenwendfeier wurde das „heilige“ Feuer rituell neu entzündet. An diesem Zeitpunkt gehen Sonnen- und Feuerverehrung ineinander über und beeinflussen so auch das Symbol des Hakenkreuzes. Die Wurzeln dieser Vorstellungen, des Sonnen- und Feuerkultes liegen unzweifelhaft im hohen Norden, dort wo die Sonne im Winter verschwindet, bevor sie im Frühjahr neu erscheint.

Stammt also die Zeichensymbolik des Hakenkreuzes damit auch aus dem Norden? Es existieren zumindest Hinweise, daß die Vinca-Kultur aus einer Überschichtung seßhafter Bauern durch mobile Jägergruppen aus dem Norden entstanden ist. Das Hakenkreuz taucht jedenfalls erst nach der Nordbewegung der Bandkeramiker um 5500 v. Zw. auf, und könnte daher auch aus dem Norden stammen. Auch für eine frühere Periode um 10.500 v. Zw. gibt es Hinweise auf Wanderungsbewegungen von Nordeuropa nach Südosteuropa, die einen Kulturtransfer möglich gemacht hätten.
Auch wenn die Quellenlage für die Annahme eines nordischen Ursprungs des Hakenkreuzes dünn ist, läßt sich anhand seiner Entstehungsgeschichte das Hakenkreuz unzweifelhaft als „nordisches Symbol“ konstatieren. Bereits die Namensstammform ist indogermanisch und setzt sich aus den Silben „thu“ und „ask“ zusammen — es ist also gleichen Ursprunges und glei­cher Deutung wie der Gottesname Tuisko. In seinen verschiedenen Formen taucht es in der Jungsteinzeit überall dort auf, wo sich der Mensch aus dem Norden niederläßt. In Troja, Indien, Persien, China, Japan und sogar Nord- und Südamerika vereinzelt auch in Ägypten und Mesopotamien ließ sich das Hakenkreuz ausfindig machen.

Doch anders als in Europa, verschwindet das Hakenkreuz in anderen Teilen der Welt, bis es zu einem – diesmal offensichtlichen – Nord-Südtransfer kommt: Ausgangs der Bronzezeit, gelangt das Hakenkreuz aus dem Norden Europas, wo es in Form bronzezeitlicher Felsritzungen auftritt, über die Alpen und das Val Camonica – erneut – bis in den Mittelmeerraum.

Auszug aus „Das Hakenkreuz“

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